Zum 70. Todestag von H. P. Lovecraft

Am 15. März 1937 starb einer der einflussreichsten Horrorliteraten, den die Welt je gesehen hatte. Schreiben war sein Leben. Doch wie bei so vielen Genies, war ihm der Erfolg erst nach seinem Tod vergönnt.

Ein Artikel von Max Pechmann

Zeit seines Lebens erschienen gerade mal ein Dutzend Geschichten und ein Kurzroman. Alle anderen Storys wurden posthum veröffentlicht. Er lebte in relativer Armut, beklagte sich aber nie darüber. Er überarbeitete für sehr wenig Geld Manuskripte unbegabter Autoren (unter anderem einen Text des Zauberers Houdini), schrieb Reden für Professoren und half vielen seiner Freunde zu literarischem Erfolg. Durch seine Hilfe veröffentlichten Ron Howard und Robert Bloch ihre ersten Kurzgeschichten. Sein eigenes Genie blieb im Verborgenen. Doch hegte er keinen Neid gegenüber seinen Schützlingen. Im Gegenteil, er freute sich über deren Erfolg.
Der Einsiedler von Providence aß gerne Vanilleeis (er konnte einen ganzen Liter Eis verdrücken, ohne Bauchschmerzen zu bekommen) und Torten und liebte sehr, sehr starken Kaffee mit recht viel Zucker. Fisch mochte er keinen. Er hegte eine große Abneigung gegen alles, was aus dem Meer kam. Dies macht sich in vielen seiner Geschichten bemerkbar, die von schleimigen Wesen handeln, die aus den Tiefen des Ozeans kommen. Zum Teil leben sie in Innsmouth, das sich in unmittelbarer Nähe von Arkham befindet. Arkham wiederum ist eine Stadt in der Nähe von Boston. In Arkham gibt es die berühmte Miscatonic-University, in deren Bibliothek ein wahrer Schatz zu finden ist: das Necronomicon des verrückten Arabers Al Hazred. Aber Vorsicht! Das Buch ist nicht ganz geheuer. Und manche behaupten sogar, es sei in Menschenhaut gebunden. Mit diesem Buch ist es möglich, die Großen Alten herbeizurufen. Doch versucht es besser nicht, denn bisher hat dies so ziemlich jedem Unglück gebracht.
Lovecraft heiratete die Journalistin Sonja Green, doch die Ehe wurde nach drei Jahren wieder geschieden. Sonja wollte in New York wohnen. Lovecraft ertrug diese Stadt nicht. Schnell zog er zurück in sein geliebtes Providence und blieb dann für den Rest seines Lebens dort. Mit seinen meisten Freunden kommunizierte er per Post. Das Telefon und überhaupt alle technischen Innovationen mochte er nicht. Er soll angeblich weit über 100.000 Briefe geschrieben haben, manche davon mehrere Seiten lang. Dennoch besuchte er gelegentlich auch seine Freunde, oder seine Freunde besuchten ihn. Lovecraft war stets ein gern gesehener Gast. Er ertrug Hitze wie kein anderer, doch Kälte war für ihn beinahe tödlich. Doch eines Tages stellte sich plötzlich ein seltsames Unwohlsein ein, auf das Lovecraft jedoch nicht weiter achtete. Zwar rieten ihm seine Freunde, einen Arzt aufzusuchen, doch Lovecraft teilte ihnen mit, dass es ihm wieder besser gehe. Die Beschwerden nahmen aber zu. Schließlich brachte man ihn ins Krankenhaus, wo man bei ihm Darmkrebs diagnostizierte. Eine Behandlung war unmöglich. Schließlich, am frühen Morgen des 15. März 1937, schloss Lovecraft für immer die Augen.

Lovecraft hinterließ eine große Anzahl an unveröffentlichten Erzählungen und auch Romanen. Sein Freund August Derleth kümmerte sich um diesen Nachlass und gründete den Verlag Arkham Press, der nur dazu diente, Lovecrafts Geschichten auf den Büchermarkt zu bringen. Der Erfolg stellte sich nach und nach ein. Heute werden Lovecrafts Geschichten in beinahe alle Sprachen übersetzt. Beinahe alle heutigen Horrorautoren wurden von Lovecraft beeinflusst: Graham Masterton, Thomas Ligotti, Stephen King, Ramsey Campbell und viele mehr.
Seit den 60er Jahren wurde auch die Filmbranche auf die Ideen und Werke Lovecrafts aufmerksam, und Klassiker wie "Reanimator" sind aus der Geschichte des Horrorfilms nicht mehr wegzudenken. Doch auch wenn die Ideen Lovecrafts in den heutigen Geschichten weitergeführt werden, das Niveau des Einsiedlers von Providence, des Erfinders von Cthulhu, des 'Entdeckers' der Namenlosen Stadt, erreichen sie nicht.

Wichtige Verfilmungen:

- The Haunted Palace (USA 1963/nach "Der Fall Charles Dexter Ward")
- Reanimator (USA 1985/nach "Herbert West: Reanimator")
- The Castle Freak (USA 1995/nach "Er")
- Dagon (Spanien 2001/nach "Schatten über Innsmouth")
- The Shunned House (Italien 2003/nach "Die Musik des Erich Zann")
(Natürlich gibt es noch eine ganze Menge anderer Lovecraft-Verfilmungen, doch erreichen die übrigen Filme die Qualität der oben genannten nicht)

Lovecraft auf fictionfantasy.de:

Biografie und Bibliographie
Der Flüsterer im Dunkeln (Hörbuch)
Berge des Wahnsinns
Der Schatten aus der Zeit - Rezension von Christian Plötz
Der Schatten aus der Zeit - Rezension von Erik Schreiber
Vom Jenseits - Kurzgeschichtensammlung
Übersicht der Lovecraft Bibliothek des Schreckens

Interessante Informationen zu und über Lovecraft bietet die Homepage www.hplovecraft.com

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