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Nächste Station: Morgen

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Titel: Nächste Station: Morgen
Originaltitel: Assignment in Eternity (1955)
Autor: Robert A. Heinlein
Übersetzung: Fritz von Steinberg
Verlag / Buchdaten: Heyne Verlag (1972)

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Dieser Band ist eine Sammlung von drei Novellen und Erzählungen, die sich alle mit den Geistskräften beschäftigen, wenn auch in unterschiedlicher Weise.

In der ersten Geschichte, Der Nova-Effekt (Gulf), wird von einem Agenten erzählt, der einen geheimen Mikrofilm übergeben soll, aber von Häschern erwischt wird. In Gefangenschaft trifft er auf einen Mitgefangenen, der ihm zu Flucht verhilft, aber in den Besitz des Films kommt. Es zeigt sich, dass der Mann über phänomenale Geisteskräfte verfügt. Der Agent steht vor der Entscheidung, sich diesem Mann anzuschließen oder weiter zu seiner Regierung zu halten. Dies ist die mit Abstand beste Geschichte dieser Sammlung und die einzige, die an die spätere Meisterschaft Heinleins im Schreiben von Kurzgeschichten herankommt. So verwundert auch nicht, dass dies auch die jüngste Geschichte der Sammlung ist.

In Anderswann (Elsewhen) wird die Geschichte von drei Wissenschaftlern erzählt, die über Geisteskontrolle durch Zeit und Raum reisen. Doch bald stellt sich heraus, dass jeder von ihnen in eine andere Realität gelangte und eine Rückkehr durchaus schwierig sein kann. Die Geschichte ist vollkommen wirr und zu unausgegoren, eben eine typische Erzählung aus dem Jahre 1939. So etwas kann man heute nur noch lesen, wenn man sich mit der Entwicklung des Genres beschäftigt.

Der sprechende Affe (Jerry was a Man) erzählt schließlich die Geschichte von einem genmanipulierten Affen, dessen Besitzer die Frage stellt, ob die Menschenrechte auf diese Affen ausgeweitet werden sollten, denn Jerry, so der Name des Affen, besitzt ein Bewusstsein und singt sogar. Die Geschichte aus dem Jahre 1947 ist schwer zu bewerten. Die Grundidee wurde so oft wiederverwertet und weiterentwickelt, dass diese Geschichte heute lächerlich einfach wirkt, aber damals mag das anders gewesen sein. Nichtsdestotrotz sind die meisten dieser Variationen wie, z. B. "Planet der Affen" oder etliche Star-Trek-Geschichten, besser als dieses Werk, das den Leser kaum noch zu fesseln vermag.

Die Originalausgabe dieser Sammlung enthielt noch eine vierte Geschichte: In Lost Legacy wird erzählt, wie Forscher uralte Geheimnisse des Gehirns entschlüsseln und in die Lage gelangen, die Kapazitäten ihres Verstandes voll auszuschöpften. Im weiteren Verlauf erfährt der Leser, dass die Menschen schon früher über diese Fähigkeiten verfügten, aber am Ende ein Krieg die Menschheit in die Steinzeit zurückwarf. Die Menschheit war noch nicht bereit für diese Gabe, doch ist sie es heute? Dies war wieder eine typische frühe Golden-Age-Geschichte aus dem Jahre 1939, die heute wenig begeistern kann, weil solche Themen einfach zu sehr aus der Mode gekommen sind und die Umsetzung auch nicht sonderlich gelungen war.

Fazit: Die Sammlung ist nur bedingt lesenswert. Mag sein, dass die Geschichten damals sehr innovativ waren, aber Autor Robert A. Heinlein hat viele Ideen aus diesen Geschichten selbst wieder aufgegriffen und weiterverwertet. Das Buch Fremder in einer Fremden Welt erzählt viel von der maximalen Nutzung des Gehirns und den Fähigkeiten, die dadurch erlangt werden. In Die Zahl des Tiers reisten Menschen durch Paralleluniversen - ganz wie in "Anderswann". So bleibt lediglich die Geschichte "Gulf", die die Sammlung lesenswert macht und die einige sehr gute Passagen enthält, auch wenn das Ende seltsam und aufgesetzt wirkt. Nächste Station: Morgen ist eine Sammlung, die zurecht nur einmal aufgelegt wurde und die selbst ein Heinlein-Fan nicht lesen muss, weil die meisten Ideen in späteren Werken in besserer Form neu verwertet wurden.
4 von 10 Punkten.

Titel Originaltitel Jahr
Der Nova-Effekt Gulf 1949
Anderswann Elsewhen 1939
- Lost Legacy 1939
Der sprechende Affe Jerry was a Man 1947

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