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Wir

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Serie/Zyklus: ~
Titel: Wir
Originaltitel: My (1920)
Autor: Jewgenij Samjatin
Übersetzer: Gisela Drohla
Verlag/Buchdaten: Heyne SF & F 3218, 146 Seiten, ISBN: 3-453-30852-2

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Der Mathematiker D-503 arbeitet mit vollem Eifer an dem Raumschiff INTEGRAL. Der Flug dieses Schiffs soll dem „einzigen Staat“ ein immerwährendes Denkmal setzen und beweisen, dass dies der einzige Weg ist. In D-503's Welt ist alles geregelt: Der Tagesablauf ist bis ins letzte Detail geplant und sogar das Liebesleben findet zu genau festgesetzten Zeiten statt, wenn auch nur in sehr begrenztem Rahmen. D-503 ist glücklich und studiert mit Freude mathematische Probleme, bis I-330 seinen Lebensweg kreuzt. Die Frau ist eine Revolutionärin und glaubt nicht an das System. Sie verführt den Mann zu kleinen Brüchen mit den Regeln des Alltag und D-503 findet Gefallen daran. Dann jedoch wird das System auf ihn aufmerksam und Fremdkörper im System werden mit aller Gewalt bekämpft.

Wir ist wohl eine der ersten Dystopien überhaupt. Die Welt, in der D-503 lebt, ist vom rationalen Geist beherrscht. Der Staat ist alles, der Einzelne nichts. Dieses Thema wurde von anderen Autoren immer wieder aufgegriffen und ich kann jetzt nicht sagen, ob Samjatin der erste war, der diesen Gedanken in solch einer extremen Form zu Papier brachte. Fakt ist, dass der Autor die Revolution in Russland mit Bedenken sah und mit seinem Roman warnend auf die Gefahren hinweisen wollte. Im Exil erschien dieser Roman und war damals höchst politisch. Dem Leser fehlt heute natürlich der genaue politische Bezug. Man darf sich sicher sein, dass der Roman gespickt ist mit Anspielungen, die sich uns heute nicht mehr automatisch erschließen. Der Mensch wird zu einer Nummer degradiert, die sich - das kommt im Roman raus - aus der Wohneinheit ergibt, in der der Mensch lebt. Sein Name ist also gleichzeitig seine Adresse. Das ist schon ein ungewöhnlicher Ansatz und es wird klar, dass ein Mensch wohl niemals umziehen wird, denn dies hätte ja dann auch zur Folge, dass er als Person einen neuen Namen bekäme.
Im Verlauf des Romans verliert Samjatins Erzählung an Schwung. Es ist klar, dass das Ganze einer Krise entgegenfiebert. Der Held wird entweder untergehen oder obsiegen - dieses Maß an Spannung bleibt, doch letzten Endes macht das Ende keinen großen Unterschied, denn die Hauptbotschaft ist die Warnung vor einem übertriebenen Rationalismus. Im Vergleich zu den großen Dystopien kann das Werk nicht ganz mithalten. Das liegt wohl größtenteils daran, dass Orwell, Huxley und Co. sich dieses Buches bedienten, Ideen daraus entnahmen und diese weiterentwickelten und verfeinerten. So ist das Buch - auch wenn das sicherlich dem Autoren gegenüber ungerecht ist - heute nur noch als Meilenstein der Science Fiction wichtig. Die nachfolgenden Romane konnten das Werk qualitativ überflügeln.
6 von 10 Punkten.

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