Fehler
  • Das Template für diese Ansicht ist nicht verfügbar! Bitte einen Administrator kontaktieren.

Lovedeath - Liebe und Tod

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 


Titel: Lovedeath - Liebe und Tod
Originaltitel: Lovedeath (1993)
Autor: Dan Simmons
Übersetzer: Joachim Körber
Titelbild: Rainer Schorm
Buch/Verlagsdaten: Festa Verlag 1512 (11/2005); 425 Seiten; 9,90 €; ISBN: 3-86552-032-4

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Das Bett der Entropie um Mitternacht
Held der Geschichte ist Versicherungsvertreter und der Vater von Caroline, mit der er nach Boulder in den Urlaub fährt. Die Erzählung hält einen melancholischen Unterton, weil sich der Vater mit der Liebe zu seiner Tochter zu viele Sorgen um sie macht. Liebe heißt auch, loslassen zu können, der Geliebten ihre Freiheit zu lassen und sie nicht in einen goldenen Käfig der Gefühle zu zwängen. Dan Simmons beschreibt die feinen Gefühle und zeigt, dass er durchaus auch mehr als Horror schreiben kann.

Tod in Bangkok
erhielt 1994 den Bram Stoker Award als beste Horror-Novelle. Sie führt den amerikanischen Arzt Merrill nach Thailand. Sein Besuch des Rotlichtviertels führt ihn in Gedanken immer wieder zurück zu seinem ersten Besuch in Bangkok. Damals machte er hier mit seinem Freund Tres auf einem Vietnam-Urlaub Station. Sie erlebten eine sehr seltsame sexuelle Ausschweifung, die letztlich seinen Kumpel das Leben kostete. Dan Simmons beschreibt die Atmosphäre des Rotlichtviertels so, als käme er gerade dort heraus. Er spart nicht an sexuellen Szenen, und seine Vergangenheitsschau erweist sich als immer an der richtigen Stelle. Dadurch wird Dr. Merrill zu einer fast wirklichen Person.
Allerdings bin ich der Meinung, diese Erzählung bereits schon einmal gelesen zu haben. Leider weiß ich nicht mehr wo. Vielleicht kann mir ja ein Leser die Kurzgeschichtensammlung nennen?

Sex mit Zahnfrauen
ist anscheinend eine alte Erzählung der nordamerikanischen Lakota-Sioux-Indianer. Ein Indianer berichtet über ein Erlebnis, das einer seiner Vorfahren erlebt haben will. Lahmer Dachs, so der Name des Indianers, bringt sich aus Liebe in eine peinliche Situation. Er wird dazu bestimmt, der neue Heilige Mann zu sein, und die Geister sollen ihm eine Halluzination schenken, die sein weiteres Leben entscheiden soll. Der Nachteil dieser Erzählung ist, dass sie etwas langweilig wirkt und mit den vielen indianischen Begriffen den Lesefluss hemmt. Das Märchen ist für mich die schwächste der fünf Erzählungen.

Flashback

Die Vereinigten Staaten werden inzwischen von den Japanern kontrolliert, die wie auch die Europäische Union, die USA in der Weltbedeutung weit nach hinten geschoben haben. Die Staaten erinnern an einen riesigen Slum, wo sich die Bewohner mit der Droge namens Flashback vergnügen - entweder als Händler oder als Konsument. Die Kriminalität hat daher auch erschreckende Masse angenommen, da die Droge irgendwie bezahlt werden muss. Die Gerichtsstenotypistin Carol erinnert an die erste Erzählung. Sie hat einen fünfzehnjährigen Sohn. Ihr Vater Robert erinnert sich ständig an falsche Kennedy-Attentate, während sie sich mit der Droge Erinnerungen an ihren Mann hingibt, der sie vor Jahren verlassen hatte. Etwas verstörend beim Lesen ist, dass die Erzählung ständig zwischen diesen drei Personen hin und her springt. Dan Simmons hält die düstere, hoffnungslose Stimmung in der Erzählung bis zum Ende durch. Wobei ich manchmal den Eindruck habe, er kennt in dieser Welt selbst das Wort Hoffnung nicht.

Der große Liebhaber

ist mit seinen gut 140 Seiten die längste Erzählung. In dem erfundenen Kriegstagebuch von James Edward Rooke wird der Erste Weltkrieg mit all seinen Schrecken erzählt, und zwar in grausamen Einzelheiten. Dadurch wird zwischen dem Tagebuchschreiber Rooke und dem Leser eine große Wand aufgebaut. Der Abstand zwischen ihnen ist fast unüberwindlich. Er hinterlässt bei mir eine ungute Stimmung. Dan Simmons verdichtet den Krieg auf wenige Seiten, die den Leser trotz des literarischen und auch zeitlichen Abstandes sehr deutlich daran teilhaben lassen. Die Trennung zum Tagebuchschreiber lässt den Leser aber auch gleichzeitig außen vor. Es fällt schwer, sich wirklich in die Person hineinzuversetzen und sich mit ihr zu identifizieren.

Die fünf Erzählungen erlaubten es dem Autoren, sich in einer Weise mit seinen Kurzgeschichten zu beschäftigen, wie es ihm in Romanen nicht möglich ist. Er kann seine Erzählungen in die Form bringen, die er für richtig hält, ohne auf Regeln achten zu müssen, die für Romane gelten. Er probiert verschiedene Stile aus, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Er arbeitet mit Einschüben und Erinnerungen, mit Rückblenden und Verzögerungen und setzt diese zielgerichtet um. Dan Simmons zeigt, dass er nicht nur Romane schreiben kann.