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Die Lincoln-Maschine

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Serie/Zyklus: ~
Titel: Die Lincoln-Maschine
Originaltitel: We Can Build You (1972)
Autor: Philip K. Dick
Übersetzung: Frank Böhmert
Verlag/Buchdaten: Heyne Verlag, 290 Seiten, ISBN 978-3-453-52270-1

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Louis Rosen und sein Partner Maury Rock stehen vor einem Problem: Ihre Orgeln, die ihre Klavier Fabrik produziert, finden immer wenig Absatz, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Firma schließen müssen. Es sind Maury und dessen Pflegetochter Pris, die mit einer neuartigen Idee aufwarten: Sie bauen Persönlichkeiten der Geschichte nach und füllen diese Simulacren mit so viel Wissen über jene Person an, dass sie genauso reagieren, handeln und denken wie das Original. Die Prototypen werden gebaut, und mit Erfolg können Maury und Pris ihre Idee Geschäftspartnern anbieten. Doch der Millionär Barrows hat ganz andere Dinge mit den Simulacren vor.

In der ersten Hälfte ist der Roman wahrhaft unglaublich. Die Beschreibung seiner Protagonisten ist Philip K. Dick wirklich unfassbar gut gelungen. Als er Pris Frauenzimmer (sie hieß auch im Original so - Dick nutzte immer wieder deutsche Namen für seine Protagonisten, um Eigenschaften dieser Personen noch zu unterstreichen) skizzierte, gelang ihm dies auf nur ein bis zwei Seiten besser als so manchem Kollegen auf 500 Seiten. In dieser Hinsicht zeigte er eine Meisterschaft, die man nur selten findet. Der Roman entwickelt sich prächtig, und es ist vor allem die Beziehung zwischen Pris und Louis, die dem Roman Spannung gibt. Ab der Hälfte jedoch verliert der Autor das Ziel seines Romans aus den Augen, und er läßt Louis in eine Sinnkrise stürzen, die nicht so recht zum Beginn des Romans passen mag. Außerdem bleibt er dem Leser ein stimmiges Ende schuldig. Eigentlich schade, denn hätte er das Niveau der ersten Hälfte gehalten, wäre dies sicherlich einer seiner besten Romane geworden.

Im Nachwort des Romans von Tim Powers konnte man lesen, dass Autor Philip K. Dick so seine Probleme mit diesem Roman hatte: Zunächst lag er acht Jahre in der Schublade. Dann nahm sich 1969 der Verleger Ted White des Romans an, um ihn in "Amazing Stories" zu veröffentlichen. Allerdings hatte er ein Problem und fügte dem Roman ein 19. Kapitel hinzu, dass dem Roman eine ganz andere Bedeutung verlieh. Dick selbst war wohl mit diesem Vorstoß überfordert, denn er konnte ihn weder gutheißen noch ablehnen. Offenbar gefiel ihm die Idee nicht so schlecht. So teilte er White seine Absage erst nach dem Redaktionsschluss mit. 1972 erschien das Buch als eigenständiger Roman - mit nur 18 Kapiteln. Es ist schade, dass dieses letzte Kapitel dieser Ausgabe nicht hinzugefügt wurde, aber es waren bestimmt rechtliche Vorgaben, die dies unmöglich machten.

Fazit: ein ungewöhnlicher Roman mit faszinierenden Persönlichkeitsstudien und interessanten Wendungen, der aber in der zweiten Hälfte ein wenig plan- und ideenlos wirkt. Dennoch: 7 von 10 Punkten.

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