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Die linke Hand der Dunkelheit (Hainish, Band 4)

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Serie/Zyklus: Heyne: Meisterwerke der Science Fiction
Titel: Die linke Hand der Dunkelheit aka Winterplanet
Originaltitel: The Left Hand of Darkness
Autor: Ursula K. LeGuin
Übersetzung: Gisela Stege
Titelbild: Jan Heinecke
Buch-/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag, 348 S., Erstveröffentlichung 1969, ISBN-10: 3 453 16415 6

Eine Besprechung / Rezension von RealS
(weitere Rezensionen von RealS auf fictionfantasy findet man hier)

Inhalt: Genly Ai ist ein Gesandter, der auf den eisigen Planeten Gethen geschickt wird, um die Bewohner für die "Ökumene" zu gewinnen, einen Handelsbund von freien Welten (aufgrund der langen Dauer der Reisen wird v.a. Wissen ausgetauscht). Um den friedlichen Charakter der Ökumene zu betonen, wird immer nur ein Gesandter auf einen Planeten geschickt, der dort bleibt, bis er seine Mission erfüllt hat - oder stirbt. Auf Gethen existieren mehrere Staaten mit verschiedenen Herrschaftsformen. Genly ist in Karhide gelandet, einer Art aristokratischen Monarchie, wo er unter dem Schutz von Therem Estraven steht, dem "Ohr des Königs". Genly hat Probleme, die Karhiden zu verstehen. Diese haben zum einen ein Ehr-/Ansehenssystem namens shifgrethor, bei dem es darauf ankommt, unter allen Umständen sein Gesicht zu wahren. Dieses ist so strikt, dass es schon eine Beleidigung darstellen kann, wenn man einem anderen einen Rat gibt. Furcht vor einander ist das Regierungsinstrument in Karhide.
Zum anderen sind alle Bewohner von Gethen androgyn. Nur für eine jeweils kurze, regelmäßig wiederkehrende Phase, die Kemmer, werden sie entweder Mann oder Frau, wobei kein Bewohner auf ein Geschlecht festgelegt ist.
Nachdem Estraven beim wahnsinnigen König von Karhide in Ungnade gefallen ist und ins Exil geschickt wurde, verlässt auch Genly Karhide und begibt sich zu den Wahrsagern und nach Orgoreyn, dem Nachbarland von Karhide. Dort wird er viel offener begrüßt, doch nach internen Streitigkeiten in der Staatsführung wird er in ein Arbeitslager abtransportiert, von wo er mithilfe eines unerwarteten Retters entkommen kann. Vor ihm liegt eine entbehrungsreiche Flucht zurück nach Karhide über die riesige Gobrin-Eisplatte, die sich über mehr als 600 Meilen erstreckt. Sie wird nicht nur ihn als Außenweltler an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bringen, auf diesem Planeten, den die ersten Kundschafter der Ökumene "Winter" genannt haben. Doch auf diese Weise wird er seinen einheimischen Begleiter, und damit erstmals einen Gethianer, näher kennen lernen.

Bewertung: Le Guin beschreibt anschaulich das Leben auf Gethen, das massiv vom feindlichen Klima bestimmt wird. So kennen die Bewohner beispielsweise schon seit 2000 Jahren energiegetriebene Fahrzeuge, stehen aber dem Raumflug völlig ungläubig gegenüber. Überleben geht vor Fortentwicklung, jeder Fehler, jede Ressourcenverschwendung kann tödlich enden. Auch die konkrete Schilderung der Flucht von Genly versetzt den Leser gut in die Situation hinein.
Zu bemängeln ist aber, dass das, für was der Roman groß gepriesen wird, nicht wirklich bewegt und auch nicht wirklich weitergedacht wird. Eine Gesellschaft ohne feste Geschlechterrollen ist zwar ein interessanter (wenn auch nicht erschütternder) Ansatz, dies wird aber nicht tiefgehender dargestellt/untersucht. Die einzige offenkundige Besonderheit ist, dass es auf Gethen keinen Krieg gibt, was damit erklärt wird, dass (noch) kein Begriff von 'Nation' existiert, sondern die Gesellschaft von Clans zusammengehalten wird, die einen gemeinsamen "Herd" haben. Dabei gibt es durchaus Mord, Folter und Beutezüge, aber keine allgemeine Mobilmachung, was als weibliche Verhaltensweise beschrieben wird. Alle Gethener werden im Roman allerdings als "er" bezeichnet, sodass ihre Zwiespältigkeit immer wieder in den Hintergrund tritt, weil der Leser sie sich dadurch als Männer vorstellt.
Positiv hervorzuheben sind die immer wieder eingeschobenen kurzen Legenden, in denen verschiedene Gebräuche der Gethener näher beschrieben werden.

Fazit: Der Roman liest sich sehr gut, vor allem die Reise über das Eis ist sehr eingehend geschildert. Allerdings ist es wohl schwerlich "der bis heute beeindruckendste Roman über die Rolle der Geschlechter und ihrer weitreichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft", wie uns der Klappentext der deutschen Ausgabe weismachen will. Wenn ja, wäre dies ein Armutszeugnis für andere Romane. Lieber schließe ich mich da Frank Herbert an: "Was es in diesem Buch auch immer an Psychologie, an Mythologie und anderen faszinierenden Dingen zu entdecken gibt - vor allem ist Le Guin einfach eine großartige Erzählerin."
Die linke Hand der Dunkelheit wurde 1969 mit dem Nebula und 1970 mit dem Hugo Award ausgezeichnet.

Die Linke Hand der Dunkelheit - Rezensionsübersicht

Eine Übersicht der Serie gibt es auf der Autorenseite
[Auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit einem Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

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