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Der venezianische Ring

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Titel: Der venezianische Ring
Originaltitel: The Reliquary Ring (2003)
Autor: Cherith Baldry
Übersetzt: Irene Bonhorst
Titelbild: Edward Miller
Buch/Verlagsdaten: Piper Verlag 6584 (5/2006); 475 Seiten; 9,95 €; ISBN: 978-3-492-26584-7

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Der venezianische Ring, besser mit 'Der Reliquienring' übersetzt, ist weitaus viktorianischer angelegt als der zuvor besprochene Band Der Clan der Klauen von Jo Walton. Dabei spielt der vorliegende Roman in einer unbestimmten Zukunft, in einer nicht näher benannten Lagunenstadt. Die Hinweise im Roman weisen durchaus auf Venedig; weil aber die Stadt im Roman nicht einmal mit Namen genannt wurde, ist der Titel des Buches falsch übersetzt. Auch das Titelbild von Edward Miller ist etwas düster gehalten. Die Spannung des Buches versteht den Leser zu fesseln. Cherith Baldry erschuf eine unbekannte Lagunenstadt, in der ein Roman mit überaus dichter Atmosphäre angesiedelt ist. Die englische Schriftstellerin spielt mit verschiedensten Elementen des phantastischen Genres. Der Ring mit einem Haar von Jesus Christus gehört eindeutig in die Mysterie-Schublade. Die Genetics, genetisch veränderte Menschen, sind eindeutig Bestandteil eines Zukunftsromans. Dazu eine adlige Gesellschaft mit eindeutigen Gliederungen - kann durchaus zur Fantasy gezählt werden.
Der Ring, der Namensgeber des Buches, wird aber gar nicht in den Vordergrund gestellt. Es beginnt mit Manfred, der in einer verfallenden Kirche betet. Der eigentliche Besitzer hat das Grundstück mit allem Drum und Dran im Spiel an Graf Dracone verloren. Eines Tages geschieht es und von der heruntergekommenen Kirche stürzt eine Wand ein und gibt den Weg in eine alte Familiengruft frei. Dort findet man den Ring, der ein Haar von Christus enthalten soll. Dracone hat natürlich nichts Besseres vor, als das Haar zu nehmen, um einen Klon herzustellen. Von diesem Handlungsort fährt Manfred zum Erben des Spielers, Leonardo Loredan. Dieser hat einen Genetic, der die alte Kunst des Malens mit Ölfarben wiederentdeckt hat. Der junge Adelige lebt in einer von Dekadenz und vom Untergang bedrohten Gesellschaft. Die adlige Gesellschaft seiner uns unbekannten Stadt sorgt sich um ihren Nachwuchs. Wenige junge Frauen tragen das amtliche Fruchtbarkeitssiegel und können Kinder gebären. Daher auch die Produktion von Genetics. Von Leonardo Loredan breitet sich die Handlung netzartig aus, denn er wird zum Mittelpunkt des Romans. Mit dem Wechsel des Handlungsortes und der Handlungsperson widmet sich Frau Baldry dem Punkt Rassismus. Mit der Kennzeichnung der Genetics fällt sie auf die Kennzeichnung von Juden zurück, mit der entsprechenden Behandlung landen wir sehr schnell bei diesen verwerflichen Themen. Von diesem Thema habe ich eigentlich genug. Seit meinem fünften Schuljahr habe ich als Geschichte nur noch das Dritte Reich. So verwerflich diese Zeit war, die ich nicht gutheiße, so unangenehm ist es, dauernd einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, wie böse doch der Deutsche ist. Dabei war meine Generation gar nicht daran beteiligt. Doch zurück zu Frau Baldry. Der literarische Spiegel in der Beziehung Mensch zu Genetics, der uns hier vorgehalten wird, bringt den Leser zum Nachdenken. Um es dem Leser einfacher zu machen, wird das einfache Gut- Böse-Schema beibehalten. Damit ist klar, wer der Gute und der Böse ist. Der Böse des Romans ist eindeutig Graf Dracone. Er ist nicht nur ein gemeiner Ränkeschmied, er schreckt auch nicht vor Mord und Entführung zurück. Er ist es auch, der für den Mord an fast allen Adligen der Stadt bei einem Schiffsunglück verantwortlich ist. Doch statt seiner bekommt Leonardo die Herzogswürde angeboten
Das Buch ist ein sehr spannender, farbenprächtiger Roman, flüssig geschrieben, und auf den letzten Seiten gewinnt die Handlung an Spannung und Tempo. Bei näherer Betrachtung hätte das Buch auch doppelt so dick sein können, das Thema, die Personen und die Handlung hätten mehr hergegeben. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ließ sich schnell lesen, und ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Vielleicht greift Cherith Baldry das Thema oder einfach nur die Stadt mit dem schönen Hintergrund erneut auf.

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