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SF Buch

Vollendet

Vollendet

Titel: Vollendet
Autor: Neal Shusterman
Buch-/Verlagsdaten: Bibliographisches Institut, Mannheim (Sauerländer); 1. August 2012; 432 Seiten; 16,99 €; ISBN: 978-3411809929

Eine Besprechung / Rezension von Carmen Weinand

 

"Vollendet" ist die Geschichte von Connor, Risa und Lev, die in einer für uns unvorstellbaren Welt einer komplett neuen Ordnung leben. In dieser Welt gilt das Gesetz der "Charta des Lebens", welches besagt, dass Eltern ihre Kinder im Alter zwischen 13 und 18 Jahren jederzeit rückwirkend abtreiben und somit für immer loswerden können. Dabei sind die Gründe für die Entsorgung der Kinder jeweils unterschiedlicher Natur.
Connor wurde seinen Eltern auf Dauer einfach zu unbequem. Risa, ein Waisenkind, soll aus Kostengründen verschwinden und Lev ist ein sogenanntes Zehntopfer, dessen Bestimmung aus vermutlich religiösen Gründen bereits seit seiner Geburt feststand. Alle drei teilen das selbe Schicksal. Sie erwartet der Abtransport in ein Ernte-Camp, wo ihre Körper zu fast 100% für interessierte Käufer wiederverwertet werden sollen. Conor, der Rebell unter ihnen erfährt zufällig von der Planung seiner Umwandlung. Risa wird es förmlich mitgeteilt und Lev ist quasi stolz auf seine Bestimmung, weil es für ihn eine große Ehre darstellt, die gleichzeitig mit einer feierlichen Zeremonie verbunden ist. Er ist der einzige der drei "Wandler", der sich auf seine Umwandlung freut. Durch Connors spektakuläre Flucht wird auch er zufällig und gegen seinen Willen zum Flüchtling vor dem System. Die beiden treffen später auf Risa. Von da an begleiten wir das Trio auf ihrer gemeinsamen Flucht.
Als Leserin von brutaler Horrorliteratur war diese Jugenddystopie für mich eine völlig ungewohnte Angelegenheit. Statt mit Splatter und Gewalt musste ich mich dieses Mal mit einer anderen Form von Härte auseinandersetzen -  schonungslose emotionale Brutalität.
Ich wurde konfrontiert mit einer Mischung aus Herzlosigkeit, Verzweiflung und Hoffnung, die mich mehr als einmal schwer schlucken ließ.
Shusterman schreibt schnörkellos und direkt. Seine Wortwahl ist treffend und auf den Punkt, so dass der Schreibstil durchaus für Jugendliche geeignet und flüssig lesbar ist. Dennoch frage ich mich, ob jugendliche Leser mit der emotionalen Tragweite dieser Story schon zurecht kommen.
"Vollendet" setzt sich mit schwerwiegenden moralischen Grenzwertigkeiten auseinander, die in meinen Augen keine leichte Kost darstellen. Vordergründig spielt das umstrittene Thema Abtreibung eine große Rolle. Abgesehen davon, dass heutzutage sowieso schon heiß diskutiert wird, ob es sich dabei um Mord handelt oder nicht, geht Shusterman noch einen Schritt weiter und deklariert mal eben so eine nachträgliche Entsorgung als möglich. Da wären wir im nächsten Schritt auch schon beim Thema Organhandel, der in "Vollendet" als durchaus legale und ehrenwerte Sache im Raum steht.
Dann gibt es noch das "Storchen", eine Regelung, die es werdenden Müttern/Eltern erlaubt, ihr Kind vor einer beliebigen Haustüre abzuladen und sich dann aus dem Staub zu machen. Werden sie dabei erwischt, müssen sie ihr Kind behalten. Passiert das nicht, ist die "gestorchte" Familie verpflichtet, das gefundene Kind aufzunehmen.
Sehr bewegend fand ich auch die Variante der bereuenden Eltern, die ihr umgewandeltes Kind zurück wollen und überall nach den Einzelteilen suchen. In dieser Art könnte ich jetzt seitenlang weitermachen. Dieses Buch wies so eine Fülle von unfassbar aufwühlenden Gefühlsmomenten auf, dass es mir zwischendurch die Tränen in die Augen trieb.
Gerade deswegen bekommt "Vollendet" von mir die höchstmögliche Bewertung, die man einem Roman geben kann. Diese Geschichte hat mich gefesselt, bewegt und mitunter schwer mitgenommen. Die Story hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, macht nachdenklich und betroffen. Ich habe noch lange darüber nachgedacht und tue es immer noch. Was kann man von einem Roman mehr verlangen? Großartig!

Fazit:
"Vollendet" ist eine Dystopie, die einem das Herz bricht und einen noch lange beschäftigt. Es war spannend, rasant und so bewegend, dass einem zwischendurch das Atmen schwer fällt. Meiner Meinung nach ist "Vollendet" eher für ein reiferes Publikum geeignet, das in der Lage ist, diese Fülle an unfassbar bewegenden Momenten zu verkraften. Wer gerne mal ein Tränchen vergießt, hat mit diesem Roman einen guten Fang gemacht. Dafür gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung.

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