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Gintou Graveyard

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Titel: Gintou Graveyard
Originaltitel: Gintou Graveyard
Zeichnungen: Ryono Natsumiya
Taschenbuch, 176 Seiten, 6,50 EUR
Originalverlag: Enterbrain
Buch/Verlagsdaten: Egmont Manga & Anime (Oktober 2011), ISBN: 978-3-7704-7679-4

Eine Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Seite http://www.literatopia.de)

Der Klappentext beschreibt im Wesentlichen nur den Inhalt einer von fünf Kurzgeschichten, aus denen der Manga „Gintou Graveyard“ besteht. Die gleichnamige Kurzgeschichte ist zugleich die längste und eindringlichste. Ihre Charaktere zieren das stimmungsvolle Cover und sind mitunter die interessantesten, die diese Sammlung zu bieten hat. Im Vordergrund steht der Lehrling Uzu, der ein zehnjähriges Mädchen den Weg ins Jenseits weisen soll. Leider hat er eine ziemliche Angst vor Geistern und lässt sich emotional viel zu sehr auf diese ein, sodass er an der traurigen Geschichte des Mädchens fast zerbricht. Der wortkarge Grabwächter Kasha unterstützt ihn jedoch, wenn auch auf eine sehr eigenwillige Art, ebenso wie Gi, die man als gute Fee der Grabwächter bezeichnen könnte. Die drei sind ein tolles Gespann und der Einblick in ihre Arbeit so gelungen, dass es schade ist, nur diese eine Geschichte über sie lesen zu können. Vor allem Kasha hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Leser und man würde gerne mehr über ihn erfahren.

In „Die Nacht des Tengu“ geht es um einen Krähengeist, zu dessen Ehren jährlich ein Fest veranstaltet wird. Allerdings gehen dabei immer Dinge verloren, vor allem glänzende Gegenstände. Die Freunde Hatori und Azuma gehen wie immer gemeinsam zum Tengu-Fest, doch in diesem Jahr verhält sich Azuma seltsam … Diese Story gestaltet sich anfangs sehr verwirrend und die Dialoge sind selbst für einen Manga zu unübersichtlich. Die Aufklärung entschädigt dann ein wenig – doch trotz spürbar düsterer Atmosphäre ist „Die Nacht des Tengu“ die belangloseste Geschichte des Mangas. Es fällt einfach schwer, einen Bezug zu den blass gezeichneten Charakteren zu finden.

Herz-Püppchen“ handelt von einer Entführung, die wiederum zu einer Entführung führt. Und zwar des Püppchens Kukuru, dem Meisterwerk seines Schöpfers und des vermeintlichen Entführers Namidado, der einen zu viel über den Durst getrunken hat. Ein Fuchs nimmt Kukuru mit sich und vertraut dem Püppchen an, dass sein Bruder verschwunden sei. Dabei ahnt er nicht, dass dieser eigentlich gar nicht zurückkommen will … „Herz-Püppchen“ punktet mit seinem humorvollen Charme und den schön gezeichneten Füchsen, die mangatypisch wie Menschen aussehen, aber große, spitze Ohren und einen Fuchsschwanz besitzen. Zudem hat die Geschichte viel Herz – lässt aber in ihrer Kürze viele Fragen offen, die sich regelrecht aufdrängen. Zum Beispiel, wie Namidado lebendige Puppen wie Kukuru erschafft. Auch hier würde man gerne mehr lesen.

In „Das Kururi-Haus in Ayakashi“ geht es ebenfalls um Geister und darum, wie sie den richtigen Weg wiederfinden. Der Lehrling Yuki leidet unter der ruppigen Art seines Kollegen Shinonome, der ihm ständig an die Stirn schnippst. Zudem ereignen sich unheimliche Dinge und Shinonome weigert sich, Yuki zu erklären, was vor sich geht. Doch als die neuen Windglocken eintreffen, kommt Yuki dem Geheimnis des Kururi-Hauses auf die Spur … Auch diese Story kommt herzlich und zuweilen humorvoll daher und bietet gute Unterhaltung, sowie eine unheimliche Atmosphäre, die sich angenehm schauerlich auswirkt. „Der Traum im Wasser“ schlägt dagegen etwas leisere Töne an und entführt in eine geheimnisvolle Parallelwelt. Durch einen Teich betritt Itoko das Reich der weißen Prinzessin und trifft dort auf dem geheimnisvollen Jungen Ao. Im Vergleich zu den anderen Geschichten ist auch diese etwas blass. Eine schöne Idee, die sich in ihrer Kürze jedoch nicht entfalten kann.

Gintou Graveyard“ überzeugt vor allem mit einem traumhaften Zeichenstil, der sehr gut zur unheimlichen und zugleich meist herzlichen Atmosphäre der Geschichten passt. Ein wenig erinnert der Stil an koreanischen Manhwas wie „Dream Fantasia“ und gefällt vor allem durch die gelungene Mischung aus starken Kontrasten und Schattierungen. In den Gesichtern spiegeln sich mehr Emotionen, als durch die bloßen Worte ausgedrückt werden und so fühlt man mit den meisten Charakteren leicht mit. Auch sind alle Charaktere recht unterschiedlich gezeichnet, sodass man nicht das Gefühl hat, in einer Geschichte eine Person aus der vorangegangenen wiederzusehen. Bei „Gintou Graveyard“ handelt es sich um den ersten Manga von Ryono Natsumiya, was große Hoffnungen für die Zukunft der Mangaka weckt. Wenn sie ihren Stil beibehält und noch verbessern kann, sowie die Möglichkeit erhält, längere Geschichten zu zeichnen, kann man tolle Werke von ihr erwarten. Vor allem die Kurzgeschichte „Gintou Graveyard“ selbst würde viele Ansatzpunkte für eine mehrbändige Reihe bieten.

Fazit

„Gintou Graveyard“ bietet sprichwörtlich unheimlich stimmungsvolle Kurzgeschichten, von denen vor allem die titelgebende überzeugt. Zwischen den anderen schwankt das Niveau stark – alles in allem jedoch ein schöner Manga mit viel Herz, der von Freundschaft, Familie und dem Zauber der Worte handelt. 3,5 von 5 Punkten.

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