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Gezeiten der Nacht (Das Spiel der Götter, 9. Band)

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Reihe: Das Spiel der Götter, 9. Band
Titel: Gezeiten der Nacht
Originaltitel: Midnight Tides (2004)
Autor: Steven Erikson
Übersetzt: Tim Straetmann
Titelbild: Hanka Steidle
Buch/Verlagsdaten: Blanvalet Verlag 24403 (7/2006), 619 Seiten, 12 €, ISBN: 978-3-442-24403-4

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Das mächtige Königreich Lether befindet sich unter dem durch Siege verwöhnten Herrscher Diskanar in einem fast immerwährenden Kampf. Allerdings erleidet er im Krieg gegen die Stämme der Tiste Edur eine Niederlage nach der anderen. Sein Gegenspieler ist der wegen eines Todesrituals in Goldmünzen gekleidete, selbsternannte Imperator Rhuland Sengar. Angetrieben von seinem magischen Schwert, führt er die Krieger Edurs in einem Eroberungsfeldzug bis an die Mauern Letheras heran. Auf Seiten der Tiste Edur kämpfen Geister und Dämonen, Wechselgänger und monströse Wesen, die sich, mit den Stämmen vereint, wie eine kriegerische Lawine in die Länder des Südens wälzen. Aber auch per Schiff sind die Angreifer unterwegs, um so die Stadt einzukesseln und von allen Versorgungslinien abzuschneiden. Die erfolgsverwöhnten Letherianer verstehen sehr schnell, dass dieser Krieg anders verläuft. Nicht sie teilen Tod und Verderben aus, sondern müssen diesmal selbst die Plagen des Krieges aushalten. Stadt um Stadt fällt wie in einem Dominoeffekt. Mächtige Schamanen werfen ihre Zauberattacken gegen die Letherianer, die diesen wenig entgegenzusetzen haben. Endlich erfolgt die heißersehnte Auseinandersetzung zwischen Herrscher Diskanar und Rhuland Sengar. Und hier entscheidet sich das Schicksal der Welt. Ein dunkles Imperium erblickt das Licht der Welt. Mit einer Marionette auf dem Thron der Letherianer, in den Händen des verkrüppelten Gottes wird das Leid über die Welt kommen. Ein Gott nimmt Rache, will die Welt mit Schmerz überziehen, wie ein Heuschreckenschwarm ein Kornfeld.

Steven Erikson wurde 1959 in Kanada geboren und arbeitete viele Jahre als Anthropologe und Archäologe in London, bevor er das Schreiben zum Beruf machte. Seit einiger Zeit lebt er mit Frau und Sohn wieder im kanadischen Winnipeg. Steven Erikson zählt zur Garde der britisch geprägten Autoren, die mit unverbrauchten Ideen für frischen Wind in der internationalen Fantasy-Szene sorgen. Sein von der internationalen Presse in höchsten Tönen gelobtes Erstlingswerk Die Gärten des Mondes entstand nach einer sechsjährigen Vorarbeit. Sie war der Auftakt eines Fantasy-Epos, das unter dem Titel Das Spiel der Götter bei Blanvalet vollständig erscheint. Der Schriftsteller entfaltet gekonnt eine komplexe Anderswelt mit einer riesigen Fülle an Motiven, Schauplätzen und Figuren. Die Handlung ist geprägt von einem düsteren mythologischen Hintergrund, in den er verschlungene Handlungsstränge legt. Ihnen zu flogen ist nicht nur für die Handlungsträger schwierig. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen das malazanische Imperium und seine Kriege, in die sich häufig auch die Götter selbst einmischen. Herr Erikson überzeugt mit einem großen Reichtum an Einzelheiten. Er baut seinen Roman wie ein Haus, mit vielen verschiedenen Steinen, so seine Figuren, die seine Welt bevölkern. Und alle stehen in irgendeinem Zusammenhang. Als Beispiel sei die Familie Sengar des selbsternannten Emporkömmlings aufgezeigt. An Hand ihrer Geschichte lässt er die Leserinnen und Leser mitleiden; Weinen und Lachen liegen dicht nebeneinander. Sein beeindruckender Stil lässt die Charaktere in kürzester Zeit zu einem ebenso bestechenden Leben erwachen. In kurzer Zeit haben Eriksons packende und düstere Romane den Weg zu einer großen Fangemeinde gefunden.
Neben seinen durchaus liebenswerten Figuren, wie zum Beispiel Tehol Beddict oder Bagg, schildert er aber auch Umstände, die einem das Weiterlesen vergällen. Seine Schlachten sind leider (oder Gott sei Dank) so geschrieben, dass sie anschaulich geworden sind. In vielen Fällen zu anschaulich, weil man gar nicht weiterlesen mag.

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