Text Size

Die Krone der Sterne

Bewertung: 3 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern inaktivStern inaktiv
 


Genre: Space Fantasy / Space Opera
Titel: Die Krone der Sterne
Autor: Kai Meyer
Daten: Fischer TOR (Januar 2017), Paperback, 464 Seiten, 14,99 EUR, ISBN: 978-3-596-03585-4

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Obwohl es eine große Ehre ist, als Braut der Gottkaiserin erwählt zu werden, versucht die junge Baroness Iniza vor ihrem Schicksal zu fliehen. Ihr Herz gehört dem Soldaten Glanis, dessen Kind sie erwartet. Dieser soll ihr bei der Flucht helfen, doch es geht einiges schief. Iniza gerät in die Hände des Kopfgeldjägers Kranit, der sie einem alten Adligen als Braut ausliefern soll. Kranit gelingt es, Iniza aus einer der gefürchteten Weltraumkathedralen herauszuholen und rettet sogar Glanis, da er den jungen Mann für nützlich hält. Die Paladine der Hexen jagen das Trio unerbittlich, sodass Kranit seine Pläne muss. Bald sind sie auf die Hilfe der abgebrühten Alleshändlerin Shara angewiesen – und auf die eines alten Feindes, den die Hexen mit ihrer Gottkaiserin einst verbannten …

Die Jagd auf Iniza beginnt bereits auf den ersten Seiten und bis zum Finale hat man als Leser kaum Gelegenheit, zu Atem zu kommen. Während ein Plan nach dem anderen scheitert und Iniza oftmals nur mit Glück dem Orden entkommt, wächst die Anzahl ihrer Unterstützer an. Der bedrohlich wirkende Hüne Kranit betrachtet sein Geschäft bald als geplatzt und schlägt sich vorerst auf Inizas Seite, ebenso wie Shara Bitterstern, die gerade erst ihre Freiheit zurückerhalten hat. Ihr gehört das mondsichelförmige Schiff Nachtwärts, dessen Besonderheiten den Protagonisten so manches Mal das Leben retten. Kranit und Shara sind derbe Charaktere, die viel erlebt haben und denen man besser nicht vorschnell vertraut. Beide scheinen stets nach dem besten Deal Ausschau zu halten, doch sie entwickeln auch Sympathien für Iniza und Glanis.

Die Krone der Sterne lebt von der schweißtreibenden Jagd, die nicht nur die Nerven der Protagonisten auf eine harte Probe stellt. Es ist fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen, immer wieder müssen Iniza und ihre Freunde überstürzt die Flucht antreten. Dennoch bleibt auch Zeit für leise Momente der Nähe zwischen Iniza und Glanis, deren Liebesgeschichte sich nicht erst entwickeln muss, sondern bereits gefestigt erscheint. Auch wenn die beiden noch keinen Plan für die Zeit nach ihrer Flucht haben, da sie selbst kaum an den Erfolg glauben. Zu mächtig erscheint der Hexenorden, der seit dem Sieg über den Maschinenherrscher das galaktische Reich Tiamande beherrscht.

Die Hexen verabscheuen den Fortschritt, entsprechend stammt nahezu jede Technologie aus früheren Zeiten. Vor allem in den Baronien, in denen die Geschichte beginnt, erscheint das Reich heruntergekommen. Alte Adelsstrukturen haben sich etabliert, Ausbeutung und Piraterie stehen an der Tagesordnung. Das galaktische Reich, das Kai Meyer in „Die Krone der Sterne“ zeichnet, ist unheimlich komplex und mit seiner Mischung aus Science-Fiction- und Fantasyelementen wahnsinnig reizvoll. Insbesondere der dunkle Kult des Ordens. Die Hexen verehren das schwarze Loch Kamastraka, das einst die Galaxis streifte und einen Schweif auf Sternen hinter sich herzieht. Die angeblich unsterbliche Gottkaiserin soll in direktem Kontakt zu dem schwarzen Loch stehen. Dem Orden gegenüber stehen die Anhänger der ominösen STILLE sowie der mysteriöse Ikonoklast, über den man in diesem Auftaktband noch nicht viel erfährt. .

In sein Actionspektakel streut Kai Meyer wahnsinnig viele Informationshäppchen über die religiösen Kulte in Tiamande und die Geschehnisse vor tausenden Jahren ein, sodass die Neugier mit jeder Seite größer wird und die Spannung zusätzlich hochtreibt. Leider werden nur wenige Fragen beantwortet, da sich die Handlung ganz auf die Gruppe um Iniza und ihre Verfolger konzentriert. Die Krone der Sterne ist eben ein Auftaktband, der die Leserschaft anfüttert und hungrig - wenn nicht fast verhungert - zurücklässt. Glücklicherweise hat der Verlag inzwischen angekündigt, dass es definitiv zwei weitere Romane geben wird. Würde es diese nicht geben, müsste man hier unter das Ende ein fettes „unbefriedigend“ schreiben, da man nicht eine so enorm faszinierende Welt öffnen kann und dann nichts mehr aus ihr erzählen. Es ist zweifelhaft, ob für Tiamande überhaupt drei Romane ausreichen, denn hier gibt es noch so unglaublich viel zu entdecken.

Ein wenig enttäuschend ist es, dass Die Krone der Sterne nur als Paperback erschienen ist, wobei es sich um ein ausgesprochen schönes Buch handelt. Der dunkelblaue Hintergrund mit den gold/kupferfarben glänzenden Illustrationen sieht phänomenal aus und das Buch fühlt sich toll an. Im Innenteil bekommt man zudem einige sehr schicke Schwarzweiß-Illustrationen von Jens Maria Weber geboten, die dem Roman zusätzliche Lebendigkeit verleihen.


Fazit

Die Krone der Sterne ist ein spaciges Actionfeuerwerk voll dunkler Magie, ominöser Kulte und uralten Geheimnissen. Die nervenaufreibende Flucht der Baroness Iniza und ihren Mitstreitern lässt die Leser kaum zu Atem kommen, während die Einblicke in das galaktische Reich Tiamande immer neugieriger machen. Am Ende bleibt nur das Gefühl, ganz schnell viel, viel mehr davon zu wollen!

Interview zu "Die Krone der Sterne" in PHANTAST #16

I WANT YOU

 

Fictionfantasy.de sucht Phantastik-Begeisterte, die bereit sind an dieser Seite mitzuarbeiten.

Die Hilfe kann ganz unterschiedlich sein und muss auch nicht unbedingt das Verfassen von Texten sein - auch am Layout muss gearbeitet werden oder an der Datenbank.

Wenn dies etwas für dich ist, scheibe einfach eine EMail an rupert.schwarz @ gmx.de.

Schriftsonar

Schriftsonar #55 erschienen.

Datastream:
Kai Meyer: Die Krone der Sterne
Ian McDonald: Luna
Ian M. Banks: Surface Detail
Daniel Suarez: Daemon
Daniel Suarez: Dark Net
Daniel Suarez: Kill Decision

 

Phantast

 

PHANTAST ist das kostenlose, gemeinsame Online Magazin von fictionfantasy.de und www.literatopia.de das ca. dreimal pro Jahr erscheint. Wie der Name schon sagt, dreht es sich um die Phantastik in all ihren Ausprägungen. Ob Fantasy, Science Fiction, Horror oder wilde Genremixe - im PHANTAST soll alles vertreten sein!
Für jede Ausgabe gibt es einen Themenschwerpunkt, nach dem sich die Artikel und Rezensionen richten.

Übersicht aller Ausgaben

Top 1000 der SF

Über 300 Leute haben aus über 2000 Büchern die Besten SF Werke abgestimmt. Hier gibt es die Ergebnisse.

Viel Spaß beim Stöbern.

Top 1000 der SF

Wer sind wir?

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 15.000 Artikel abrufbar!
Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden? Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? 
Schreibe uns! Kontakt siehe Impressum!