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Die drei Stigmata des Palmer Eldritch aka LSD-Astronauten

Bewertung: 5 / 5

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Titel: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch aka LSD-Astronauten
Originaltitel: The Three Stigmata of Palmer Eldritch
Autor: Philip K. Dick
Übersetzer: Thomas Mohr
Verlag/Buchdaten: Heyne, 200, 312 Seiten, ISBN-13: 978-3453217294

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Barry Mayerson ist als Präkognitiver bei dem Drogenbaron Leo Bulero angestellt. Für diesen überprüft er neue Geschäftsideen anhand von präkongnitiven Visionen. Sieht er, dass das Produkt ein Erfolg wird, so bekommt der Anbietende ein Angebot. Doch all das ist nur ein Deckmantel, damit Leo Bulero seine Droge Can-D (sehr zynisches Spiel seitens Dick mit den Buchstabenlauten -> Can-D = Candy) auf der Marskolonie verkaufen kann.
Unter dem bestochenen Auge der UNO vertreibt er dort eine Fluchtmöglichkeit aus einer wenig ansprechenden Realität. Dick greift hier seine Kurzgeschichte "Zur Zeit der Perkxy Pat" auf und beschreibt, wie sich die Marsbewohner mittels der Droge Can-D in ein Layout, also eine virtuelle Figur, versetzen und mit diesem klischeehafte Situationen (ein Cabrio am Strand, Sonnenschein, der Geliebte auf dem Beifahrersitz etc.) erleben. Doch dann taucht Palmer Eldritch auf und alles ändert sich für Leo Bulero.
Eldritch vermarktet eine neue Droge, die angeblich nicht süchtig macht und von der UNO gutgeheißen wird. Für Leo aber bedeutet dies die Gefährdung von allem, was er aufgebaut hat, denn sein Drogenmonopol wird unterlaufen und zu allem Überfluss bietet Eldritch seine Drogen zu einem viel günstigeren Preis an. Leo Bulero sucht die Konfrontation mit Eldritch und wird von diesem mit dessen Droge Chew-Z betäubt. In seinem Drogenrausch wird Leo offenbar, dass Palmer Eldritch auf den Drogenrausch der Süchtigen Einfluss nehmen kann.  Leo durchlebt  ein paar schreckliche Stunden. Er ist nun überzeugt, Palmer Eldritch zum Wohle der Menschheit aufhalten zu müssen.
In der zweiten Hälfte des Romans verschlägt es Barry Mayerson auf den Mars und man erlebt, wie das triste Leben dort mit Drogeneinnahmen "versüßt" wird. Mayerson nimmt, wie alle anderen seiner Siedlung auch, Chew-Z, doch dann verändert sich für ihn alles. Er weiß nicht mehr, was Drogenrausch und was Wirklichkeit ist. Im Rausch offenbart Palmer Eldritch Mayerson, dass er mit der Droge in der Lage ist, die Realität permanent zu verändern. Kann Eldritch noch aufgehalten werden.

Das Buch ist der Kult-Roman der LSD-Generation. Ganz ohne Zweifel ist dieses Buch, das hauptsächlich von Drogen handelt, auch unter Drogeneinfluss geschrieben worden, auch wenn Dick etwas anderes behauptet hat.
Im Anhang der deutschen Heyne-Ausgabe findet man einige Zeilen zu der Entstehung des Werks. Er hat das Buch in Rekordzeit verfasst, gesteht aber selbst ein, dass er sein Werk eigentlich nicht versteht. Nun, das ist irgendwie beruhigend, denn am Ende des Romans bleiben viele Fragen offen. Liest man verschiedene Rezensionen zu diesem Werk, gehen die Aussagen darüber so auseinander, dass man glaubt, es seien unterschiedliche Bücher besprochen worden. Vieles, was man erfährt, entstammt den Drogenphantasien von Mayerson. Was war Drogenrausch? Was war Wirklichkeit? Doch wie auch immer: Das Buch lässt einen nicht kalt und lange nach Beendigung des Buchs grübelt man noch über einzelne Bestandteile nach.

Das Buch weist in sich eine gewisse Inkonsitenz auf. Es gibt Handlungsstränge, die eigentlich für den Roman keine Rolle gespielt haben und im Nichts enden. Die eingefügte Kurzgeschichte "Zur Zeit der Perkxy Pat" wirkt wie ein Vorgriff auf den zweiten Teil des Romans, durchbricht aber den Lesefluss. Auch Mayersons Reise zum Mars stellt einen Bruch dar, denn von diesem Zeitpunkt an entwickelt sich alles ganz anders und alles, was vorher war, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Vieles wird dem Leser nur am Rande erklärt und manches ergibt überhaupt keinen Sinn. Barry Mayersons Handlungen    sind nur schwer nachzuvollziehen und Leo Bulero, der Drogenbaron, hält sich für den Retter der Menschheit, was er nun definitiv nicht ist. Es fällt schwer, sich mit diesen Protagonisten anzufreunden, und so verbreitet das Buch eine kühle, irreale Stimmung. Aber das wird wohl Intention von Dick gewesen sein, denn so befasst sich der Leser auf einer zweiten Ebene mit dem Thema Drogen.
Gegen Ende des Romans wird alles sehr, sehr verwirrend. Es kommt zum Katz-und-Maus-Spiel zwischen Barry Mayerson, Palmer Eldritch und Leo Bulero. Hat man die letzte Seite gewendet, weiß man nicht mehr, was die Wahrheit ist. Ist Eldritch nun ein Teufel oder doch eine außerirdischer Erlöser? Findet Mayerson den Tod oder Eldritch? Was ist Realität, was Drogenrausch? Ist es ein atheistisches Buch oder ein hoch religiöses? In dem Buch gibt es selten nur eine Realität. Alles hat einen doppelten Boden und ist doppeldeutig. Doch zwei Aussagen sind definitiv: Ganz gleich, was man am Schluss für die Wahrheit hält - man kann sie begründen und: Dieses Buch läßt niemanden kalt.
7 von 10 Punkten.

Eine Anmerkung noch:
Der Titel: Die drei Stigmata der Palmer Eldritch erklärt sich dadurch, dass man Palmer Eldritch an eben diesen erkennt: die Zähne aus Stahl, die unnatürlichen, künstlichen Augen und der mechanische Arm.

LSD-Astronauten - Rezension von Andreas Muegge

 

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