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Der Weber (Bas Lag, Band 2)

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Serie / Zyklus: Bas Lag, Band 2
Titel: Der Weber
Originaltitel: Perdido Street Station - Abschnitte 5 - 8 (2000)
Autor: China Miéville
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers
Verlag / Buchdaten: Bastei

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Die Lage in New Crobuzon wird schwierig, nachdem die fünf Gierfalter, paranormal begabte Vampire, die sich von den Gedanken anderer Wesen ernähren, entkommen sind. Die Funde geistloser Menschen häufen sich und die Miliz der Stadt muss erkennen, dass alle Versuche, der Gefahr Herr zu werden, erfolglos waren. Die Hoffnung ruhen auf dem Weber, einem Wesen, das unter New Crobuzon lebt und den Menschen unendlich fremd ist.
Isaac Dan dar Grimnebulin scheint der einzige Mensch in New Crobuzon zu sein, der in der Lage ist, den Faltern Einhalt zu gebieten, denn selbst der Weber kann die Falter nur im Zweikampf besiegen, nicht aber im Kampf gegen alle fünf. Der Weber erkennt die Chance und rettet Isaac vor der Miliz. Es ist Isaacs neu entwickeltet Krisis Maschine, die ungeahnte Möglichkeiten offenbar. Doch diese Erfindung macht ihn zu dem meistgesuchten Mann der ganzen Stadt. Miliz und Unterwelt wollen verhindern, dass die Erfindung publik wird, denn dies würde ihre Macht schwinden lassen. Auch das Konzil der Maschinen, eine künstliche Intelligenz zeigt großes Interesse an der Erfindung und bietet Isaac alles für die diese Erfindung. Isaac selbst weiss, dass er nur eine Chance hat, die Stadt von der Bedrohung durch die Falter zu befreien.

Das Buch, das die zweite Hälfte von Miévilles Roman Perdido Street Station darstellt, verliert im Verlauf deutlich an Tempo. Ebenso gelingt es dem Autor nicht, das Niveau der ersten Hälfte zu halten. Die Strang um Isaacs Geliebte Lin endet unbefriedigend abrupt und die Handlung fokusiert sich mehr und mehr auf Isaac. Im Mittelteil verlangsamt sich das Tempo nochmals und Miévilles Stärke, New Crobuzon in seiner Vielfalt mit schönen Worten zu beschreiben, kehrt sich in das Gegenteil um. Fast selbstverliebt in seinen eigenen Stil beschreibt er Banalitäten. Über fast 40 Seiten wird die Verlegung eines Kabels durch New Crobuzon beschrieben. Gut, es handelt sich um die Bastei Ausgabe - für Sehbehinderte geschaffen mit übergroßen Buchstaben - aber selbst in einem normalen Satz würde diese Passage 25 Seiten einnehmen. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass eigentlich alles ohne Probleme abläuft. Dennoch muss man dem Autor für diesen Einschub Anerkennung zollen, denn der Abschnitt liest sich flüssig und unterhaltsam. So zieht sich aber die Geschichte zum Ende hin und als Leser kämpft man gegen das Bedürfnis, querzulesen, an.
Der Schluss letztendlich enttäuscht ein wenig. So wie der Roman zu Beginn verfasst war und wie die Gierfalter beschrieben wurden, hätte man ein etwas weniger banale Lösung erwartet. Aber das ist durchaus Geschmackssache.

Auffallend ist die düstere Grundstimmung gegen Ende des Buchs. Die Protagonisten werden zunehmend negativer und brutale Gewalt nimmt zu. Das ganze gipfelt in der Gefangennahme eines totkranken Mannes, der als Köder für die Gierfalter dienen soll. Am Ende sind die Helden gebrochen, geschlagen oder tot. Mit einem Sarkasmus der durchaus mit Berthold Brechts Dreigroschenoper vergleichbar ist, siegt Isaac zwar, ist aber von Miliz und Unterwelt gesucht. Diese, die eigentlichen Verantwortlichen für die Gierfalter Misere wenden sich ihren täglichen Geschäften zu und auch Vielgestalt entkommt wie Meckie Messer dem Schafrichter. Anders Isaac: Er wird, obwohl Retter von New Crobuzon gejagt und seine Geliebte Lin ist körperlich und geistig versehrt.
Während der Bürgermeister und Vielgestalt sich gegenseitig auf die Schulter klopfen fliehen die Helden aus der Stadt einer ungewissen Zukunft entgegen. So viel Naturalismus (da lässte einen die unfreiwillige Ähnlichkeit der Namen diese Buchs und des Bühnenstücks Die Weber fast schmunzeln - wie passend) findet man für gewöhnlich selten in einem SF Roman.

Fazit: Die zweite Hälfte der Geschichte ist deutlich düsterer und weisst gelegentlich Längen auf. Es gelingt Miéville weniger seine starken Seiten als Schriftsteller auszuspielen und er streckt den Roman unnötigerweise. Dennoch ist Miévilles Stil sehr gut und viele Stellen im Roman sind für eine SF Werk von außergewöhnlicher Schönheit.
7 von 10 Punkten.

Die Falter / Der Weber - Rezension von Andreas Muegge

Eine Übersicht der Serie gibt es auf der Autorenseite
[Auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit einem Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

 

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