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SF Film Blog

Alarm im Weltall

Bewertung: 5 / 5

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Titel: Alarm im Weltall
Originaltitel: Forbidden Planet
Regie: Fred McLeod Wilcox
Darsteller: Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Richard Anderson, Earl Holliman u. a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.40 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Englisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch, Spanisch (Mono)
Special Features: Kompletter Spielfilm: The Invisible Boy, TV-Episode aus der Serie The Thin Man, Deleted Scenes, Ausschnitte aus MGM Parade, 3 Dokumentationen, Trailershow.

Eine Besprechung / Rezension von Andreas Schweitzer
Weitere Rezensionen von Andreas Schweitzer findet man hier auf fictionfantasy oder auf seiner großen Homepage http://www.acrusonline.de

Seit 20 Jahren hat sich die Mannschaft der BELLEROPHON nicht mehr von ihrer Mission zu dem Planeten Altair 4 gemeldet. Also begibt sich der Raumkreuzer C57D in das Sonnensystem, um nach dem Verbleib des Schiffes zu forschen. Anders als erwartet trifft Adams auf der kargen Welt nur den etwas sinistren Wissenschaftler Dr. Morbius und seine Tochter Altaira. Der Rest der Besatzung der BELLEROPHON wurde von geheimnisvollen Kräften vernichtet. Morbius bedrängt Adams, den Planeten wieder zu verlassen, bevor sich das gleiche Spiel wiederholt, doch der misstrauische Kommandant muss erst eine Meldung zur Erde absetzen. Die Entfernung zum Heimatplaneten macht es nötig, dass ein Teil des Raumkreuzers auseinander genommen wird, damit man den benötigten Sender bauen kann. Die Warnungen des Wissenschaftlers schlägt er in den Wind. Doch dann beginnen die ersten rätselhaften Todesfälle ...

Wenn man sich die Science-Fiction-Filme der 50er Jahre anschaut, dann hat man es oft mit billigen Produktionen, die sich durch krude oder naive Stories auszeichnen, zu tun. Aber wie bei allen Genres gibt es auch aus dieser Zeit interessante Ausnahmen wie die Filme von Jack Arnold, Robert Wises THE DAY THE EARTH STOOD STILL oder Großproduktionen wie WAR OF THE WORLDS. Bis 1956 hatte MGM auf einen Ausflug in die SF verzichtet. Zwar waren im Verlauf der Jahre viele phantastische Filme gemacht worden, aber ein ausgesprochener Science-Fiction-Film war nicht dabei. Was bei FORBIDDEN PLANET sofort ins Auge fällt, ist der hohe Produktionsstandard. Dekorationen und Kostüme wirken vielleicht etwas antiquiert, doch die ausgezeichneten Spezialeffekte haben auch noch im Zeitalter der Computertechnik bestand. Hinzu kommt noch eine gute Geschichte, die zwar stark von William Shakespeares Der Sturm inspiriert wurde, aber auch eindrucksvoll zeigt, wie gut SF auf der Leinwand wirken kann. Sicher, der Film ist ein Produkt seiner Zeit; dennoch spürt man, dass man es mit einem Klassiker seines Genres zu tun hat, den man durchaus als direkten Vorfahren von Nachfolgern wie 2001: A SPACE ODYSSEY oder STAR WARS sehen kann.

Für den Zuschauer ist es zunächst ungewohnt, Leslie Nielsen, der mit den NACKTE KANONE-Filmen zu spätem Ruhm gekommen ist, in einer ernsten Charakterrolle zu sehen. Doch bis zu der dreiteiligen Filmserie der Zucker-Brüder hatte Nielsen bereits eine lange Karriere in zahlreichen Filmen und TV-Serien hinter sich, in denen er nicht immer nur den Blödian spielte. Ihm zur Seite steht mit Walter Pidgeon ein wahres schauspielerisches Schwergewicht, der erfolgreich aus der Rolle des Dr. Morbius das nur Mögliche herausholt. Seine Figur weicht von dem Konzept des Mad Scientist ab und zeigt, dass Morbius mehr unschuldig in eine Situation getrieben wurde, die die niederen Triebe seines Unterbewusstseins entfesselt hat. Der heimliche Star des Films ist allerdings Robby Robot, der bis heute noch eine Filmikone ist und nach FORBIDDEN PLANET noch in einigen Filmen und TV-Serien zu sehen war. Auch wenn er oft nur kurz durchs Bild lief oder einfach nur leblos in der Ecke stand.

Aber FORBIDDEN PLANET hat noch eine Besonderheit zu bieten, die ihn einmalig macht: Er ist der erste Film mit einem komplett elektronisch erzeugten Soundtrack. Dabei muss man bedenken, dass es Mitte der 50er Jahr den Synthesizer, wie man ihn heute kennt, nicht gab. Zwar hatte man mit dem Theremin (zu hören in THE DAY THE EARTH STOOD STILL oder THE THING) eine Art elektronische Geige erfunden, doch die Klänge von Louis und Bebe Barron unterscheiden sich sehr von normaler Musik. Vielmehr untermalen sie das fremdartige Ambiente von Altair 4 mit all seinen Umweltgeräuschen in einer so perfekten Weise wie kaum ein nachfolgender Genrefilm. Diese Faktoren machen FORBIDDEN PLANET zu einem der großen Klassiker der Filmgeschichte, der Regisseure bis heute prägt.

FORBIDDEN PLANET war schon länger Zeit in den USA im Handel, bevor sich Warner Home Video entschied, für das 50-jährige Jubiläum eine Special Edition und einen neuen Transfer auf den Markt zu werfen. Der neue Transfer des Bildes ist für einen Film dieses Alters einfach atemberaubend. Das Filmbild selbst weist keinerlei größere Mängel oder Schäden auf. Die Farbe und der Kontrast lassen es sehr knackig wirken, so dass man es kaum glauben kann, es mit einem Streifen zu tun zu haben, der schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. Ebenfalls interessant sind die Details, die sich sehr gut hervorheben. So erstrahlt der Cinemascope-Film in einem Glanz, wie man es von den Special Editions von BEN-HUR oder VOM WINDE VERWEHT gewöhnt ist. Der Ton liegt auf Deutsch nur in Mono vor und kann durch klare Dialoge überzeugen. Der englische Ton wurde so räumlich wie möglich abgemischt, wobei vor allem die elektronischen Töne des Soundtracks über die Effektboxen sehr gut herüberkommen. Auch in der Originalfassung klingen die Dialoge sehr frisch.

Wie schon gesagt, war der heimliche Star von ALARM IM WELTALL Robby Robot. Ihm ist auch ein großer Teil der Specials gewidmet. Auf der ersten Disc findet man eine komplette Episode der US-Serie THE THIN MAN aus dem Jahr 1958, in der der Roboter eine Rolle spielt. Auf der zweiten Disc findet man den kompletten Film THE INVISIBLE BOY, der in Deutschland unter dem Titel SOS RAUMSCHIFF firmiert. Sowohl die TV-Episode als auch der Film zeichnen sich durch ein exzellentes Schwarzweißbild aus, das nichts über das Alter des Ausgangsmaterials verrät. Einziges Manko bei THE INVISIBLE BOY ist das Fehlen einer deutschen Tonspur. Dafür kann man zu dem Originaldialog deutsche Untertitel hinzuschalten, falls Bedarf dazu besteht.

Neben der erwähnten TV-Episode bekommt man auf der ersten Disc noch Ausschnitte aus einer MGM-Sendung aus den 50ern geboten, in der es um FORBIDDEN PLANET geht, sowie eine Menge Deleted Scenes, die leider nur in VHS-Qualität vorliegen. Sehr interessant sind neu aufgefundene Ausschnitte mit Testaufnahmen für die Special Effects des Films.

Die zweite Disc bietet neben THE INVISIBLE BOY eine Reihe von interessanten Dokumentationen. Die TV-Doku Watch The Skies beschäftigt sich mit der Bedeutung der SF-Filme aus den 50er Jahren für heutige Regisseure. Namhafte Regisseure wie Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott und James Cameron erzählen einiges über die Filme, mit denen sie aufgewachsen sind. Weiter geht es mit zwei Dokumentationen über die Entstehung von FORBIDDEN PLANET und über Robby Robot, bei man einige interessante Interviewpartner, wie den SF-Autor Alan Dean Foster oder die Darsteller Leslie Nielsen und Anne Francis, zu sehen bekommt. Alle Dokumentationen bieten für den geneigten Zuschauer eine Menge Informationen. Abgerundet wird die Doppel-DVD mit einer Trailershow von klassischen SF-Filmen aus dem Warner-Programm.

Die Doppel-DVD ist mit Sicherheit eine der besten Special Editions, die in diesem Jahr erschienen ist. Der Zuschauer bekommt für sein Geld viel geboten und wird umfassend über den Film informiert. Neben der regulären Doppel-DVD gibt es auch eine Edition in einer Tin-Box, der, neben Lobbycards, auch eine Figur von Robby Robot beigelegt ist. Alles in allem eine runde Mischung für jeden Filmfreund.

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