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SF Film Blog

The Abyss

Bewertung: 5 / 5

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Regie: James Cameron
Darsteller: Ed Harris, Mary Elizabeth Mastrantonio, Michael Biehn, Leo Burmester, Todd Graff
USA, 1989

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Die Benthic Petroleum Company testet eine neue Art, Öl zu fördern und zwar mittels einer unterseeischen Plattform, die Deep Core. Unter der Leitung von Virgil "Bud" Brigman ist man dem erhofften Ziel, die Effizienz einer solchen Anlage zu beweisen schon sehr nahe gekommen, als die US Navy sich in die Unternehmung einschaltet. Eines ihrer Atom-U-Boote ist in der Nähe gesunken und jedes ihrer Rettungsschiffe würde zu spät kommen. So willigt Benthic und Brigman ein, eine Rettungsmission durchzuführen. Die Deep Core wird zur letzten Position des U-Bootes geschleppt. Was Brigman zusätzlich noch Ärger bereitet - seine Fast-Ex-Frau Lindsey Brigman, die Architektin der Plattform, kommt zusammen mit einigen Navy Seals an Bord.
Kurz nachdem die Deep Core an ihrer vorbestimmten Position angekommen ist, tauchen die Seals zu ihrem gesunkenen Boot und bergen die Codetabellen, sowie einen Atomsprengkörper. An Bord befanden sich nur noch Leichen.
Dann passiert die Katastrophe: Während eines Sturm werden alle Versorgungsleitungen zum Mutterschiff abgerissen, zudem zieht dieses die Deep Core noch knapp vor einem Abgrund, ein abgebrochener Kran, der auf die Unterseeplattform kracht, ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem "i". Alle richten sich tief am Meeresboden auf einige sehr kalte und karge Nächte ein, in der Hoffnung auf Rettung.
Während Lt. Hiram Coffey, der Leiter der Seals-Gruppe immer mehr an Kaustrophobie und Tiefenrausch zu leiden scheint, passieren seltsame Dinge um die Plattform. Lichter tauchen auf und verschwinden wieder in der Tiefe des Abgrundes. Bis plötzlich ein lebendig erscheinender Schlauch aus Wasser in der Plattform erscheint und offenbar eine Kontaktaufnahme zu suchen scheint. Brigman und seine Frau sind davon begeistert, Coffey glaubt jedoch an eine Invasion feindlicher Kräfte und bringt die Deep Core in seine Hand. Er macht den Sprengkörper scharf und schickt ihn mit einem Unterseeroboter in die Tiefe, wo sich die seltsamen Wesen zu befinden scheinen. Brigman und seine Leute können sich jedoch in einem waghalsigen Unternehmen befreien und Coffey überwältigen.
Allen ist klar, dass der Sprengkopf entschärft werden muss, jedoch liegt er so tief, das kein normaler Taucheranzug oder ein vorhandenes U-Boot ihn erreichen könnte. Brigman greift auf einen experimentellen Taucheranzug mit Flüssigkeitsatmung zurück, um in den Abgrund zu steigen.

Der Film macht nun eine entscheidende Wendung. Während Brigman in den tiefschwarzen Abgrund fällt, nur mit einer schwachen Datenverbindung mit der Deep Core verbunden, wird seine Einsamkeit förmlich sichtbar. Erdrückend, als der riesige, offenbar Bodenlose Abgrund in voller Breite gezeigt wird und in der Mittel das kleine Licht, welches nach unten fällt - Brigman, immer am Rande zwischen Leben und Tod.
Am Meeresboden angekommen, ist sein Sauerstoffvorrat erschöpft, er nimmt über die Tastatur Abschied von seiner Ex-Frau und gesteht ihr seine ewige Liebe - trotz aller Streitereien, die sie immerzu hatten. Er nimmt seine letzten Kräfte zusammen und entschärft die Atombombe (einziger Kritikpunkt an diesem Film: dass er ewig ohne Kontrolle und Steuerung in den Abgrund fällt - genau neben die Bombe - aber das trübt keinesfalls den Genuss). Seine Mission erfüllt, so macht sich Bud Brigman nun daran, die letzten Minuten seines Lebens zu erleben, sein Sauerstoff ist zuende.
Da taucht ein engelsgleiches Wesen auf, nimmt ihn an der Hand und zieht ihn weiter in den Abgrund. Nur noch in Schemen kann Brigman erkennen, das er nach sandigem Meeresboden nun plötzlich über Anlagen, Stationen und über eine riesige Stadt geführt wird. Das Wesen, Bud im Schlepptau, taucht in eines der Gebäude ein und bringt ihn in einen Raum, der mit Sauerstoff gefüllt wird.

Hier gibt es einen definitiv entscheidenden Unterschied zwischen der normalen Kinoversion und dem Directors Cut.

In der Kinoversion konfrontieren die Wesen, auf seine Frage, warum man ihn gerettet hat, ihn mit seinen letzten Worte an seine Frau. Die Schuld, einen Sprengkörper zu ihnen hinunter geschickt zu haben, ist durch seine Aufopferung abgegolten.
Die ganze Stadt, die komplette Umgebung samt der Ebene, auf der die Deep Core sich befindet, beginnt sich nun zu heben bis sowohl die Stadt der Wesen als auch die Plattform sich über dem Meeresspiegel befinden. Alle Menschen steigen aus ihren Gefährten und freuen sich über das Wiedersehen.

An sich gibt das nicht viel Sinn und das habe ich mir auch gedacht, bis ich eines Tages in einem Kino den Directors Cut sah...

Dieser knüpft an der Situation "Brigman im Raum" an - jedoch konfrontieren ihn die Wesen ihn mit einer Vielzahl von Bildern aus der Medienwelt, aus der Geschichte der Menschheit: Krieg, Umweltverschmutzung, Hunger, Morden, Atomexplosionen, Völkermord und viel mehr. Eine einzige Anklage. Sie zeigen auch Brigman, was sie für ein Urteil über die Menschheit gefällt haben. Überall an den Küsten der Erde bäumen sich gigantische Flutwellen auf, bereit, alle Menschen zu verschlingen, die Erde von ihrem Schandfleck zu befreien. Brigman weiss nicht, wie er die Menschheit verteidigen, sich rechtfertigen soll - ihm ist die Schuld seiner Rasse bewusst. Doch plötzlich, kurz bevor die Flutwellen brechen, erstarren sie in ihrer Bewegung. Auf Brigmans Frage "Warum?" präsentieren sie ihm seine Liebeserklärung an seine Frau. Sie haben die Menschheit gewarnt und ihr eine zweite Chance gegeben. Nun aber zusammen mit ihnen - deswegen offenbaren sich die Wesen an der Meeresoberfläche.

Jetzt hat alles einen Sinn und man bleibt sprachlos aufgrund der dramatischen Szenen. Die damals wegweisenden Special Effects sind auch heute noch wunderschön - ohne viel Klimbim - es stehen in diesem Film nicht die Action- und Computerszenen im Vordergrund, sondern in der ersten Hälfte die aufkeimende Liebe zwischen den Brigmans, in der zweiten Hälfte die Einsamkeit, die Verlorenheit und die Sünde.
Wenn man diesen Film sehen will, der lange Zeit übrigens zu meinen Lieblingsfilmen zählte, bitte nur den Directors Cut. Es stellt sich hier einfach nur die Frage ob man sich einen netten oder einen tollen Film ansehen möchte.

Meine Bewertung für den Directors Cut: 9 von 10 Punkten

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