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Threads
Film - Science Fiction (F)

Titel: Threads
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Barry Hines
Darsteller: Karen Meagher, Reece Dinsdale, Harry Beety, David Brierly, Nicholas Lane, Rita May, Henry Moxon u. a.
Laufzeit: 110 min
TV-Film der BBC (1984)

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

England, Sheffield - in einem unbestimmten Jahr. Die Familien Beckett und Kemp nähern sich an, da ihre Kinder planen zu heiraten und ein Kind erwarten. Die beiden, Ruth und Jimmy, planen die Hochzeit, richten sich eine eigene Wohnung ein. Im Hintergrund bahnt sich im Iran eine Krise an; die Sowjetunion marschiert von Afghanistan aus in das Land ein und besetzt die Ölfelder; die USA protestiert dagegen und lässt ihre Truppen aufmarschieren. Nach viel diplomatischem Geplänkel sprechen vereinzelt die Waffen, ein amerikanisches U-Boot wird versenkt, eine sowjetische Basis als Antwort darauf mit einer taktischen Nuklearwaffe angegriffen. In Ost-Deutschland brechen gewalttätige Aufstände aus, die von den dortigen Militärs gandenlos beantwortet werden.
Clive Sutton ist Bürgermeister der Stadt Sheffield und wird in dieser Krise aufgefordert, die völlige Verantwortung für seinen Distrikt zu übernehmen und sich auf einen Kriegsfall vorzubereiten. Verschiedene Fachkräfte werden einberufen, um jeweils einen Bereich zu managen, wie Verkehr, Nahrung, Medizin oder Information.
Nachdem im persischen Golf der amerikanische Flugzeugträger Kittyhawk zerstört wurde, wird die Bevölkerung über eventuelle Schutzmaßnahmen bei einem Nuklearschlag informiert. Überall beginnt man verstört, sich Unterkünfte in Wohnungen und Kellern einzurichten; die Supermärkte werden gestürmt, Benzin wird nur noch an Behörden ausgegeben.
Verzweifelt versuchen die Bewohner der Stadt Nachrichten der BBC, dass im nahen Osten offenbar zwei schwere Atombomben explodiert seien, zu ignorieren.
Schließlich eskaliert die Krise: Über der Nordsee findet eine Atomexplosion statt, die weite Teile der britischen Kommunikation lahmlegt. Wenige Minuten später dröhnen über Sheffield die Sirenen.

Was nun in diesem Spielfilm folgt, lässt einen schockierenden Film wie The Day After blass aussehen. In dem amerikanischen Streifen wird ein Nuklearschlag nahe Kansas City betrachtet, die Menschen vor, während und nach der Explosion. In The Day After jedoch wird das Grauen und das Entsetzen auf die Ereignisse während der Explosion fixiert, danach beschreibt der Film die oft hilflosen Bemühungen, Ordnung in das Chaos zu bringen, und beschränkt sich im Grunde auf das Areal der Universität Kansas.
In Threads jedoch versucht man sich ab dieser Minute immer mehr hinter irgendeinem Kissen zu verstecken, denn was Mick Jackson den britischen Zusehern hier vorhält, ist das Grauen eines Atomkrieges ohne jeglichen Filter, in seiner ganzen Konsequenz. Es folgen sich einprägende Bilder, die man kaum wieder vergisst - wird in The Day After schnell hin- und hergeschnitten, hält man in Threads gnadenlos drauf. Das unbändige Entsetzen der Menschen schwappt buchstäblich durch den Fernseher zum Zuschauer durch, und man kann nur noch mit offenen Mund zusehen...

Panik und Chaos breitet sich aus, die erste Schockwelle, die über die Stadt rauscht, lässt vermuten, dass das Schlimmste vorbei ist - die letzten Handgriffe an den Behelfsbunkern werden durchgeführt -, bis die Feuerwalze über Sheffield rast und Menschen, Tiere und Häuser in Flammen aufgehen lässt.
Weiter wird das Schicksal der beiden Familien Beckett und Kemp verfolgt: Nach dramatischem Siechtum überlebt nur noch die schwangere Ruth. Ihr Schicksal wird in mehreren Zeitsprüngen bis zu 15 Jahre nach der Explosion geschildert. Sie wandert durch Krankenhäuser, in denen entsetzliche Szenen dargestellt werden, an Lagern vorbei, in denen Kriminelle gehalten werden (es gibt nur noch eine Strafe: die Todesstrafe). Ihre Tochter wird glücklicherweise gesund geboren, ihre bevorstehende Zukunft, die ebenso dargestellt wird, wünscht man aber keinem Menschen.
Ebenso kann man die Notstandsregierung um Sutton begleiten, die hilflos dem Zusammenbruch jeglicher Strukturen beiwohnen muss und schließlich in ihrem Bunker stirbt, als Luft, Nahrung und Wasser zur Neige gehen.
Von Anbeginn des Filmes werden in emotionslosen und stillen Texteinblendungen Fakten und Prognosen über den Atomkrieg geliefert; diese, zusammen mit den Bildern der nächsten Wochen, Monate und Jahre, beschreiben den völligen Niedergang der Zivilisation. Menschliches Leben hat keinen Wert mehr, an oberster Stelle steht die Nahrungsbeschaffung, was angesichts des nuklearen Winters, der Dunkelheit und der Strahlung meist zum Tode führt.
Kinder, die Jahre nach der Explosion geboren werden, können kaum vollständige Sätze von sich geben, da keiner Zeit für eine Ausbildung hat - wer gesund ist, muss arbeiten - hierfür gibt es Essen.

Threads lässt jegliche Hoffnung verschwinden, dass Vorbereitungen von Behörden und Organisationen nach einem Atomkrieg in irgendeiner Weise greifen. Es gilt das Recht des Stärkeren, der Schwache stirbt. Die Zivilisation wird mindestens einhundert Jahre zurückgeworfen - falls angesichts der Strahlung die Population nicht ganz ausstirbt.

Meine fassungslose Bewertung: 10 von 10 Punkten

 

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