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The Day After - Der Tag danach

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Titel: The Day After - Der Tag danach
Originaltitel: The Day After
Regie: Nicholas Meyer
Drehbuch: Edward Hume
Darsteller: Jason Robards, JoBeth Williams, Steve Guttenberg, William Allen Young, John Cullum u.a.
Musik: David Raksin
Laufzeit: 123 min - deutsche Version gekürzt auf 103 min
FSK: 12 Jahre
USA, 1983

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Die Sowjetunion hat entlang der deutsch/deutschen Grenze ihre Armee aufmarschieren lassen, die Situation ist sehr gespannt. Recht unbeeindruckt davon, leben die Einwohner von Kansas City und Umgebung ihr alltägliches Leben, in Kürze werden eine Farmersfamilie, ein am nächsten Tag heiratendes, junges Paar, Klinikärzte, Studenten und ein Luftwaffenhelfer vorgestellt. Als die Nachrichten aus dem Radio immer schlimmer werden, wechselt die Stimmung zwischen "Uns kann hier nichts passieren" und Besorgnis - da sich in unmittelbahrer Nähe der Stadt der Whiteman-Luftwaffenstützpunkt befindet. Beeindruckt von den ständigen Mahnungen aus den Medien sich vorzubereiten, richten sich vor allem die am Rande der Großstadt Lebenden auf eine mögliche Katastrophe ein - man baut Keller aus und versorgt sich mit Lebensmitteln.
Kurz darauf eskaliert die Situation, die Rote Armee marschiert in Westdeutschland ein; Wiesbaden, Köln und das Nato-Hauptquartier werden mit Nuklearsprengkörpern vernichtet.
Dr. Russel Oakes ist auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz an der Universitätsklinik Kansas, als er die drohenden Nachrichten auf der Autobahn empfängt und kurzerhand zu seiner Familie, welche in der Stadt lebt, zurück will - anders als viele Tausend andere.
Billy McCoy wird zu seinem Dienst als Luftwaffenhelfer gerufen, findet aber mit seinen Kollegen nur noch eine automatisch versiegelte Raketenabschussbasis vor, anders als seine Kollegen, die sich in einem Bunker dort verstecken wollen, desertiert er und will zu seiner Frau zurück, die er vor kurzem geheiratet hat.
Steve Klein will am nächsten Tag heiraten, er trampt aus Kansas heraus zum Hof seiner zukünftigen Frau.
Der Farmer Dahlberg versucht, seine Frau davon zu überzeugen, sich in den Keller in Sicherheit zu bringen, diese jedoch klammert sich an die Hoffung und putzt noch das Haus (eine Szene die auch in dem Zeichentrickfilm When the Wind Blows beschrieben wird).

Dann explodieren über Kansas City zwei Atombomben.

 

Und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Inmitten der zusammenbrechenden Zivilisation versucht Dr. Oakes auf seinem Klinkgelände das Chaos zu organisieren, scheitert aber an der Menge der Verletzten, die das Krankenhaus erreichen.
Der Sohn der Familie Dahlberg ist, nachdem er in den Explosionsblitz gesehen hat, erblindet, die Tochter leidet an schweren Strahlenschäden. Billy McCoy wandert mit einem stummen Landstreicher durch die vom Fallout verstrahlte Landschaft, bis er sich in einem überfüllten Lager der US-Army wiederfindet - umgeben von Sterbenden bemerkt er auch an sich Anzeichen der Strahlenkrankheit. Am Ende des Filmes gibt Oakes auf und wandert nach Kansas City, zum Ort, wo das Haus seiner Tochter stand. Inmitten von qualmenden Trümmern und verbrannten Leichen stirbt er. Zur gleichen Zeit wird im Universitätsklinikum ein Kind geboren - aber in welche Zeit...

 

Als der Film 1983 zum ersten Mal vorgeführt wurde, brach weltweit Entsetzen über die drastischen Darstellungen der Folgen eines Atomkrieges aus. Ich kann mich erinnern, ihn als Zehnjähriger damals gesehen zu haben; die darauf folgenden Diskussionsrunden, die eingefügt wurden, um die Bevölkerung zu beruhigen, hinderten mich nicht daran, wochenlang schlecht zu schlafen. Die Bilder von verglühenden Männer, Frauen und Kindern, von aufschreienden Menschen, die eine Sekunde später nicht mehr existieren, hat nicht nur mich bewegt. Eine ganze Generation hat dieser Film aufgerüttelt und ihnen klargemacht, was es heißt, auf den Knopf zu drücken.
Wie es der Luftwaffenhelfer McCoy so klar und deutlich ausdrückt: Der Krieg ist schon zu Ende, noch bevor die Bomben eingeschlagen haben. Und alle verlieren. Die Ansprache des US-Präsidenten gegen Ende des Filmes, in der er an die Tapferkeit und den Durchhaltewillen der Bevölkerung appeliert, spricht Hohn. Die Menschen, die diese Ansprache hören, wenden sich nur noch stumm ab.
Zwar gleitet The Day After manchmal etwas zu sehr ins Melodramatische ab, jedoch wird die Gesamtaussage, das reine Entsetzen, das dieser Film auslöst, dadurch nicht beschädigt.

The Day After gehört zur Allgemeinbildung eines jeden Menschen - um ihn darüber aufzuklären, dass sich hinter tollen Mini-Nukes und panzerbrechenden taktischen Nuklearwaffen, die heute durch die Medien geistern, nur eines verbergen kann: das eigene zerstörte Schicksal, das hier droht - und die große Verantwortung, beizutragen, dass so etwas nie geschehen mag.
The Day after ist Fiction - möge es so bleiben!

 

Meine Bewertung: 9 von 10 Punkten

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