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Star Trek (Film)
Science Fiction (F)

Titel: Star Trek
Originaltitel: Star Trek
Regie: J. J. Abrams
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Produktion: J. J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Eric Bana, Zoe Saldana, Karl Urban, John Cho, Anton Yelchin, Simon Pegg, Bruce Greenwood, Leonard Nimoy
Musik: Michael Giacchino
FSK: 12 Jahre
Laufzeit: 127 min
USA 2009

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Gleich dreifach wurde ich bezüglich des neuen Star-Trek-Kinofilmes vorgewarnt. Nach der Lektüre des ersten Bandes von ST: TITAN, deren erstes Abenteuer ja in den romulanischen Raum führt und als Fortsetzung des TNG-Zweiteilers "Wiedervereinigung" sowie des 10. Star-Trek-Filmes "Nemesis" fungierte, konnte man sich die postapokalyptische Gestaltung des ST-Franchise nach dem desaströsen "Nemesis" zu Gemüte führen. Nicht minder überrascht war ich, als das Prequel zum neuen Kinofilm - die vierteilige Comicreihe "Star Trek: Countdown" - diese Storyline weiterführte und mit der Zerstörung Romulus endete. Natürlich entkam einer der Helden und auch der Bösewicht - und bereitete so die Bühne für Abrams Star-Trek-Spektakel.
Und zu guter Letzt - nach dem auf YouTube der erste Trailer zu sehen war, auf dem hektisch und (kaum etwas zu erkennen) wild mit Special Effects herumgeworfen wurde, schwand meine Hoffnung, dass das ein vernünftiger Film werden kann.

Dieser Meinung war ich auch noch kurz vor Filmbeginn.

Etwa 10 Minuten später - nach dem James-Bond-artigen Einleitungsintro - saß der nicht mehr ganz so jugendliche Rezensent mit offenem Mund im Kinosaal und dachte sich: "Das ist Star Trek????"

Zur Story: Der die Romulus-Katastrophe überlebende Captain eines Minenschiffes, names Nemo, schwört ewige Rache und macht die Föderation für die Zerstörung seines Heimatplaneten und den Tod seiner Familie verantwortlich. Über weitere Hintergründe schweigt sich der Film meist aus - diese bleiben dem Comic vorbehalten. Kurz nach dem Erscheinen Nemos in seiner relativen Vergangenheit stößt er auf die USS Kelvin - und tötet während des nachfolgenden Kampfes James T. Kirks Vater. Seine schwangere Mutter, auf demselben Schiff reisend, kann rechtzeitig entkommen. Das weitere Leben von Kirk ist das eines klugen, aber flegelhaften Jungen, der erst eine konkrete Richtung in sein Leben bekommt, als er nach einer Kneipenschlägerei Captain Christopher Pike begegnet, der ihn einlädt, als Kadett zur Sternenflotte zu kommen.

Parallel beobachten wir auch den Werdegang des Halbvulkaniers Spock, der als Sohn einer menschlichen Mutter von seinen Mitschülern ausgegrenzt und gemobbt wird - unterschwellige Agressivität und ein zerissenes Ich prägen den jungen Spock und machen ihn auf allen Welten zum Außenseiter. Getrieben ist er nur durch den Ergeiz, als erster Vulkanier in Starfleet sich selbst zu beweisen.

Während des Trainings auf der Akademie taucht Nemos krakenartiges Schiff wieder auf, 25 Jahre nach der Zerstörung der USS Kelvin. Es steuert Vulkan an und beginnt mit der Zerstörung des Planeten. Die gesamte verfügbare Sternenflotte wird mobil gemacht, unter anderem kommt die spätere Kernbesatzung der USS Enterprise ebenfalls auf ihr künftiges Schiff - Uhura (die im Übrigen eine romantische Beziehung mit Spock unterhält), Sulu, Chekov und eben Kirk sowie Spock. Im Hintergrund sah man sogar Schwester Chapel herumlaufen ... Captain Pike erreicht Vulkan jedoch zu spät, der Planet wird von Nemo zerstört. In der Hoffnung, mit Nemo verhandeln zu können, fliegt er zu dessen Schiff - währenddessen bricht zwischen dem amtierenden Captain Spock und seinem kommissarischen Ersten Offizier Kirk ein offener Konflikt aus ...

Abrams wendet modernes Film-Sehen konsequent auf den neuen Star-Trek-Film an. Da wird blitzschnell geschnitten, mit farbenfrohen CGI- und Special-Effekten nur so geprotzt und eine beziehungsreiche Story eingeflochten, die auch ohne den ganzen F/X-Kram funktionieren könnte. Dachte ich anfangs, der Film würde vor lauter CGI kaum laufen können, war ich sehr angenehm überrascht, als ich zwischen den Effekten und der Geschichte ein angenehmes Gleichgewicht vorfand. Letzteres war sogar interessant - zwar beherrschte der Konflikt mit dem Romulaner aus der Zukunft den Film, jedoch waren alle Pausen und Ecken angefüllt mit zwischenmenschlichen Beziehungen vor allem zweier durchaus neu interpretierter Charaktere. Besonders die neue Darstellung des Spock als facettenreichem und unergründlichem Egozentriker gefällt und lässt den kumpelhaften Kirk viel besser als Gegenpart erscheinen. Lediglich die Figur des siebzehnjährigen Chekov wurde etwas übertrieben dargestellt - wobei seine extrem akzentreiche schiffsweite Durchsage herrlich anzusehen war. Jeder der späteren Helden bekam seine eigene kleine Geschichte bzw. Szene, in der die bekannten Ticks und Tricks dargestellt werden konnten. Amüsant für den wissenden Fan und lustig für den Neuling. Besonders amüsant - die minutenlange "Behandlung" Kirks auf dem Flur der Enterprise durch einen überforderten McCoy.
Ebenso überraschend der Plot - Abrams hält sich hier alle Karten offen und begeht nicht den Fehler, in das übliche "Alles wird gut" von Star Trek zurückzufallen. Hier besteht nur die Gefahr, dass sich die Fans aufgrund der Existenz zweier paralleler Handlungsebenen etwas verwirren.

Fazit: Star Trek 11 hat mich grundlegend überrascht und mir einen unterhaltsamen, spannenden und amüsanten Abend geschenkt.

Star-Trek-Übersichtsseite

Kommentare (3)
  • Max  - Star Trek
    Erst hab ich gezögert. Aber jetzt schau ich mir den Film doch an.
  • raps  - Was das Ausland sagt
    Ich habe in den letzten Tagen einige Rezensionen in der englischsprachigen
    Blogosphäre gelesen. Dort sind mir eher Hinrichtungen ins Auge gefallen. Abigail
    Nussbaum etwa glaubt (wenn ich mich recht erinnere)
    [http://wrongquestions.blogspot.com/ - Eintrag vom 14. Mai], in dem Film gehe es
    darum, den gottgegebenen Weg Kirks zum großen Raumschiffkommandanten zu
    bebildern (und das, obwohl er in dem Film einfach nur ein egozentrisches
    Arschloch sei). Adam Roberts bemängelt in seiner Kritik
    [http://punkadiddle.blogspot.com/2009/05/star-trek -2009.html] u.a. den Verrat
    an allem, wofür Star Trek einmal stehen sollte: ""Trek09 is a text so
    absolutely incapable of representing a collective —a functioning group, a
    society— that it strays into rank idiocy. It is teenage wish-fulfilment
    bang-zap-frot fantasy all the way through. But (and this, I’d say, is what
    people celebrating the Star Warsification of the Trek franchise in th...
  • Rusch  - Kirk
    Kirk war auch früher schon ein egozentrischer Arsch. Daran hat sich nichts
    geändert. Aber er ist halt ein sympathischer egozentrischer Arsch. :lol:
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