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Der Spiegel im Spiegel - Der erste Buchstabe

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Reihe: ~
Titel: Der Spiegel im Spiegel  - Der erste Buchstabe
Originaltitel: ~
Autor: Michael Ende
Hörbuchumsetzung: Annelie Krügel, Klaus Ude
Titelbild: mediabühne
Sprecher: Mario Adorf, Andreas Fröhlich, Jens Wawrczeck, Oliver Rohrbeck, Joachim Kerzel, Hans-Jürgen Wolf, Helmut Krauss, Frank Glaubrecht, Carlo v. Tiedemann, Tobias Meister, Annelie Krügel, Regina Lemnitz, Karin Buchholz, Erich Räuker, Gilla Cremer, Klaus Dittmann, Sven Dahlem, Peter Hawig, u.v.a.
Dauer: 150 Minuten
Buch/Verlagsdaten: Steinbach sprechende Bücher, 2011, ISBN 978-3-86974-070-6

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Michael Ende ist für seine phantasievollen und sehr phantastischen Geschichten bekannt. Während Jim Knopf noch ein reines Kinderbuch war, bewegen sich Bücher wie Momo oder die unendliche Geschichte sehr stark in der Phantastik und sind wegen ihrer tieferen Botschaft eher etwas für ein älteres Publikum. Die Gesetze von Raum und Zeit scheinen aufgehoben zu sein und dieser Ideenreichtum findet sich in noch stärkerer Form in der Sammlung „Der Spiegel im Spiegel“. Der Titel greift den Gedanken auf, wie wohl ein unendlich gespiegeltes Spiegelbild aussehen mag. Jedes Ebenbild ist leicht verändert und so sind all diese Geschichten nur Spiegelungen und Metaphern unserer Welt. Diese Sammlung ist aber definitiv kein Text für Kinder und Jugendliche. Die Erzählungen sind allesamt erschenkend und verstörend. Die Protagonisten lehnen sich gegen ihr Schicksal auf und scheitern alle. Manche bewusst, manche unbewusst und manche werden sich ihres Scheiterns nie bewusst.

1983 erschien die Sammlung erstmals als Buch mit 30 Geschichten von denen nur 14 für dieses Hörbuch ausgewählt und die restlichen in einer zweiten Ausgabe veröffentlich wurden. DAS Ganze ist eine künstlerische Zusammenarbeit zwischen Michael Ende und seinem Vater Edgar, der ein surrealistischer Maler war. Sein Erbe hat auch in Michael Endes Schaffenswerk Einzug gefunden und war eigentlich in all seinen Büchern zu spüren, doch nirgendwo so stark wie in dieser Sammlung. Als Leser, bzw. Zuhörer bekommt man phantastische Szenarien geboten, die sich schnell entfalten und ebenso schnell zu einem Ende finden. Es sind Sternschnuppen, der Phantasie, die tatsächlich auch wie Spiegelbilder untereinander wirken, denn Elemente einer Geschichte finden sich in anderen wieder. Fast zwangsläufig such der Leser nach einem roten Fanden, wird aber nicht recht fündig. Man sucht die Weisheit hinter den Geschichten, doch auch diese will sich nicht greifen lassen. Vielleicht aber soll man die Geschichten nur jede für sich als surreales Literaturstück begreifen. Man hört die Eindringliche Geschichte von einem Bräutigam, der stets versucht seine Braut zu finden und sie immer erst erreicht, als er ein Greis ist. Die Braut erkennt ihn nicht uns sucht ihrerseits, doch als sie endlich ihren Zukünftigen findet, ist sie eine Greisin und wird in diesem unendlichen Teufelskreis nicht erkannt. Man liest von einem Mann aus Buchstaben, der auf sein Ebenbild schießen soll, von einer Bahnhofskathedrale im Ewigen Eis, von der kein Zug jemals abfährt und die alle Bewohner regelmäßig mit Geld überschüttet, dass diese horten. Ein Tänzer wartet hinter dem Vorhang darauf, dass sich dieser öffnet, obwohl er sich fast sicher ist, dass dies nie geschehen wird. Er wagt aber nicht seinen Platz zu verlassen, denn der Vorhang ist das einzige Orientierungsmittel in einer sonst dunklen Welt. Eine Tür wird von zwei Soldaten bewacht, doch sie führt ins nirgendwo und ein Prinzessin schickt den Helden in sein Verdammnis um sich selbst zu finden und zu töten.

Man sieht, die Geschichten Michael Endes sind phantastisch und surreal. Antworten gibt es keine, sondern nur Fragen und Antworten erhalten Leser wie Protagonist nie. Das ist aber nicht wichtig, denn die Geschichten sind als Gesamtwerk konzipiert und als solches Funktionieren sie wunderbar. Man kann sich zurücklehnen und das Geschehen auf sich wirken lassen. Michael Ende baut eine dichte, faszinierende Atmosphäre auf, die durch die sehr gelungene, eindringliche Hörbuchfassung noch verstärkt wird. Obwohl die Geschichten allesamt negativ sind, ziehen die Texte den Zuhörer nicht runter, denn dafür ist die Prosa zu surreal und unwirklich. Alles in allem ist das Hören dieses Buchs eine großartige Erfahrung, die den Leser in phantastische Welten führt und sehr zum Nachdenken über das Gehörte anregt. Diese Produktion ist eine Benefizproduktion und ein Großteil der Erlöse komm der Deutschen Muskelschwundhilfe zugute. Aus diesem Grund war es auch möglich, eine so große Vielzahl von ebenso bekannten wie auch guten Sprechern für dieses Hörbuch zu bekommen.

So kommt am Ende eine großartige Umsetzung der Geschichten zustande, die sehr dezent mit Geräuschen und Musik unterlegt wurde, was zusätzlich Atmosphäre schafft. Allen Freunden der Phantastik sei Audiofassung oder auch nur das Buch empfohlen.
10 von 10 Punkten.

Die Geschichten im Einzelnen

Ein Winterabend
Es ist ein Zimmer und zugleich eine Wüste
Die Hochzeitsgäste waren tanzende Flammen
Dieser Herr besteht nur aus Buchstaben
Unter einem schwarzen Himmel liegt ein unbewohnbares Land
Hand in Hand gehen zwei eine Straße hinunter
Die Bahnhofskathedrale stand auf einer großen Scholle
Der Sohn hatte sich unter der kundigen Anleitung
Langsam wie ein Planet sich dreht, dreht sich der große runde Tisch
Schweres Schwarzes Tuch
Die Mansardenkammer ist Himmelblau
Eigentlich ging es um die Schafe
Der Zirkus brennt
Verzeiht mir, ich kann nicht lauter sprechen

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