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Project Itoh - The Empire of Corpses

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Genre: Steampunk / Mystery
Titel: Project Itoh - The Empire of Corpses
Originaltitel: Shisha no Teikoku
Regie: Ryotaro Makihara
Format: 16:9 – 1920 x 1080 p
Sprache: Deutsch, Japanisch (Dolby Digital 5.1 / DTS HD MA 5.1)
Daten: KAZÉ (April 2017), circa 120 Minuten, UVP 34,95 EUR, FSK 16, EAN: 7630017510396

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

empire of corpses1 4Seit es Viktor Frankenstein erstmals gelang, einen toten Körper wiederzubeleben, ist die Leichentechnologie im 19. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken. Seelenlose Leichen werden mit einer sogenannten Necroware ausgestattet und als Diener, Arbeiter und Soldaten eingesetzt. Das Wiederbeleben von Leichen ist dem Staat vorbehalten, doch dem jungen John Watson gelingt es, seinen verstorbenen Freund Friday zurückzuholen. Als er erwischt wird, muss er als Agent arbeiten, wobei seine Mission ganz seinem Interesse entspricht. Er soll einen russischen Leichentechnologen finden, der angeblich im Besitz der Notizen des legendären Frankenstein ist ...

Hinter dem Pseudonym Project Itoh steckt der 2009 verstorbene Science-Fiction-Autor Satoshi Ito. Drei seiner Romane wurden als Anime-Filme von drei verschiedenen Studios umgesetzt. „The Empire of Corpses“ ist der erste in Deutschland erschienene Film und verbindet Steampunk- und Mysteryelemente zu einer rasanten Geschichte mit philosophischen Gedankenspielen. John Watson setzt alles daran, seinem toten Freund seine Seele zurückzugeben beziehungsweise sie in ihm wiederzufinden. Nach seiner Wiedererweckung kann Friday nicht sprechen und bewegt sich wie eine Marionette an Fäden. Er nimmt Johns Befehle entgegen und dokumentiert ihre gemeinsame Reise in einem Notizheft. Im Verlauf der Handlung stellt sich für John die Frage, wie viel er für die Rettung seines Freundes bereit ist zu opfern – und ob er ihn überhaupt wirklich zurückholen kann.

empire of corpses1 2Der Einstieg in die Geschichte ist etwas holprig geraten, denn die Wiedererweckung von Friday wird nur kurz umrissen, ehe John auffliegt und sich prompt in Indien wiederfindet. Dort sieht er sich sofort einem Angriff von explodierenden Leichen ausgesetzt und tritt mit Friday eine wilde Flucht an. So bekommt man von Beginn an reichlich Action geboten, allerdings fällt es zunächst schwer, eine Bindung zum Protagonisten aufzubauen, zumal John kein einfacher Charakter ist. Er wirkt kühl und verbissen – einzig dem toten Friday gegenüber zeigt er sich mitfühlend. Die Tiefe ihrer einstigen Freundschaft lässt sich nur erahnen, wird jedoch im Verlauf der Handlung immer deutlicher. Auch wenn letztlich die ganze Welt bedroht wird, ist „The Empire of Corpses“ vor allem das sehr persönliche Drama zweier ehrgeiziger Freunde.

In Indien stößt der grobschlächtige Captain Frederick Burnaby zu der kleinen Truppe, ein breiter Kerl, der gerne einen über den Durst trinkt, aber auch die eine oder andere tiefsinnige Frage im richtigen Moment stellt. Über seiner Hintergründe erfährt man nur wenig und bis zum Ende bleibt Burnaby ein lauter Nebendarsteller. John wird zu Beginn mehrmals von der mysteriösen Hadaly Lilith gerettet, einer bildhübschen jungen Frau, die schweres Geschütz auffährt und ein klischeehafter Animecharakter ist. Sie wünscht sich das, was John Friday zurückgeben will: Eine Seele. Wieso sie glaubt, keine zu haben, erfährt man erst am Ende der Geschichte.

empire of corpses1 1Johns Reise führt über Indien zunächst nach Afghanistan und Japan und schließlich in die Vereinigten Staaten. Das 19. Jahrhundert ersteht dabei in phantastischen Bildern wieder auf und wird als düsterer Steampunk inszeniert. Die wiederbelebten Leichen sind mit riesigen Analysemaschinen verbunden, die mit Lochkarten arbeiten, doch auch alltägliche technische Geräte weisen steampunkige Verbesserungen auf. Die Macher haben hier viel Liebe zum Detail bewiesen und so wirkt die Welt durchweg authentisch, sodass man über den holprigen Handlungsaufbau in der ersten Hälfte hinwegsehen kann. Der Film enthält zudem viele Zitate bekannter Werke, von „Frankenstein“ bis „20.000 Meilen unter dem Meer“, wobei es zum Ende hin etwas zu viel des Guten wird. Überhaupt wäre in diesem Spektakelt manches mal weniger mehr gewesen.

Visuell gehört „The Empire of Corpses“ mitunter zum Besten, was das Steampunkgenre aktuell zu bieten hat. Der Film wartet mit spektakulären Bildern auf, an denen man sich kaum satt sehen kann. Über verschiedene Lichtstimmungen wird viel Atmosphäre erzeugt, zudem haben die Charaktere sehr spezielle Designs erhalten, für die sich der Künstler redjuice (Guilty Crown) verantwortlich zeigt. „Project Itoh“ punktet so mit einem sehr modernen Look, der auch im retro-futuristischen Steampunksetting funktioniert. Hervorzuheben sind die schicken Hintergründe, die mit vielen Details aufwarten, ganz so, wie man es sich von einem Film wünscht. Die sind Synchronisation ist sehr gelungen – man merkt, dass die Hauptrollen mit erfahrenen Sprechern besetzt wurden, die aus anderen Animes bekannt sind.

“The Empire of Corpses“ kommt in der Collector’s Edition sowohl als DVD als auch als Blu-ray in einem schicken Steelbook daher. Leider wurde auf ein Booklet verzichtet, dafür kann man den Film auf allen Geräten daheim anschauen. Ein kleines Artbook wäre jedoch schöner gewesen, vor allem bei dem doch recht hohen Preis. Animes sind eben doch noch ein Nischenprodukt.


Fazit

Nach einem holprigen Start erweist sich „The Empire of Corpses“ als düsterer Steampunk mit spektakulären Animationen. Der Film punktet mit seiner dichten Atmosphäre und der tiefen Freundschaft zwischen John Watson und Friday, die den Tod überdauert.

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