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Der Herr der Welt

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Titel: Der Herr der Welt
Originaltitel: the lord of the world (1907)
Autor: Robert Hugh Benson
Übersetzung: Christoph von Zastroph
Titelbild: Umberto Boccioni
Buch-/Verlagsdaten: Edition Auvidarte, September 2012, 389 Seiten broschierte Ausgabe, ISBN: 978-3-941291-19-5

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Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)


Der Roman Der Herr der Welt von Robert Hugh Benson stammt aus dem Jahre 1907 und wurde in der Herder Bibliothek im Jahr 1960 neu aufgelegt. Der Hintergrund der Geschichte ist die Angst vor einem Krieg, der die ganze Welt erfassen könnte. Das diese Angst nicht unbegründet war, lehrt die Geschichte, als 1914 der Grosse Krieg ausbrach, wie er bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges genannt wurde. Der soziale Hintergrund ist die Angst des Einzelnen vor dem eigenen Tod, dem Untergang der Kultur und der Religionen.
In den Vordergrund rückt Julian Felsenburgh, Staatsmann und ein gekonnter Redner. Allerdings weiss niemand wirklich, wer er ist. Er taucht aus der Versenkung auf, ruft die Menschen auf, zusammenzuhalten und kennt niemand seine wahren Ziele. Felsenburgh gelingt es, die Menschen zum Frieden zu bekehren, motiviert sie Streitigkeiten zu unterlassen. Allerdings ist seine weitere Absicht, die freiwillige Selbstaufgabe und Unterwerfung dem Ziel des absoluten Frieden und des Gottwerdens eher fragwürdig anzusehen. Wie so oft setzt beim Menschen das logische Denken aus und Julian Felsenburgh hat alle Menschen auf seiner Seite, ist der Befreier der Menschheit, ein Erlöser, ein Messias oder gar Antichrist persönlich? So gelingt es ihm, den drohenden Krieg im letzten Augenblick abzuwenden. Sein Traum, der absolute Weltfrieden rückt in greifbare Nähe. Verwunderlich wird die Sache, als dass die Staatsspitzen der unterschiedlichen Länder ihm die unterschiedlichsten Würden und Ämter anbieten. Nachdem eine erste UNO-ähnliche Organisation gegründet wird, stimmt Julian Felsenburgh zu. Plötzlich ist er der Herr der Welt. Mit seiner Ernennung sterben die Religionen aus und werden durch eine neue Religion ersetzt, der Gottwerdung des Menschen. Doch wie dem so ist, wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn wer etwas Neues schafft, will auch keine Gegner, egal ob sie religiös sind oder nicht. Der Vatikan steht ihm entgegen, noch kulturell, noch sozial. Eine Art Kollektivherrschaft wird angestrebt und doch ist jeder Mensch, ähnlich dem Kommunismus einer steuernden und regelnden Einheit unterworfen.
Im Zusammenhang mit der Erzählung sollte man etwas mehr über den Autor wissen. Er war selbst ein Priester der anglikanischen Kirche, bis er zum Katholizismus konvertierte und dort Priester wurde. Allerdings wurden seine Fragen, die er in der anglikanischen Kirche stellte, auch nicht in der katholischen Kirche beantwortet. So gesehen ist Robert Hugh Benson ein sehr gläubiger Mensch, der aber in seiner Erzählung die Religionen abschafft. Er unterzieht nicht nur das Christentum einer Glaubensprüfung, sondern auch die Politik.

Der Roman endet mit einer Folge loser Handlungsstränge. Er gibt keine, ja er will gar keine Lösung geben, ausser dass die Erde verschwindet. Robert Hugh Benson beeindruckt durch seine klaren Gedanken und seine Vorhersehung. Wenn man so will, nimmt er in seiner Beschreibung Adolf Hitler voraus, der später Massen beeinflusste. Der Roman ist ein sozialkritisches Werk und sollte in Ruhe gelesen werden, wer schnelle Unterhaltung erwartet, wird sicherlich enttäuscht.

Ich hatte vor Jahren die Ausgabe des Verlages Johann Wilhelm Naumann in der Hand. Im Vergleich dazu ist die Neuausgabe des Herausgebers sehr gelungen. Eine erfolgreiche Ergänzung für Sammler und Leser. Das qualifizierte Vorwort von Jürgen Eglseer bietet weiteres Hintergrundwissen. Wer mehr über den Geistlichen wissen will, der von der anglikanischen Priesterweihe zur katholischen Priesterweihe kam, sollte bei Wikipedia nachlesen.

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