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Phantast
| White Noise - Schreie aus dem Jenseits |
| Film - Horror & Mystery (F) | |||||
In diversen Magazinen erfreuen sich Rubriken mit dem Titel "Was wurde eigentlich aus...?" größter Beliebtheit. Wäre diese Kurzkritik eine Zeitungskolumne, würde sie sich Michael Keaton widmen und die Antwort auf die Frage gleich selber geben: "Er ist dem Irrglauben verfallen, mit Hilfe von B-Movies ein Leinwand-Comeback schaffen zu können." Zu den ungelösten Rätseln des Kino-Alltags zählt für mich, warum so mancher ehemalige Star anscheinend wahllos Filmrollen übernimmt. In einem Falle wie jenem von Michael Keaton doppelt schade: Der Mann ist zweifelsohne ein guter Schauspieler mit Charisma, dessen Eintrittskarte in die oberste Liga "Batman" war. Eine Superhelden-Verfilmung, die sogar einem eingefleischten Superhelden-Verweigerer wie mir durchaus gefallen konnte. Seither ist es um Keatons Karriere jedenfalls nicht mehr zum Besten bestellt. Zum Inhalt: Das Leben des Architekten Jonathan Rivers (Michael Keaton) steht anscheinend unter einem guten Stern. Er ist glücklich mit Anna (Chandra West) verheiratet, stolzer Vater eines kleinen Jungen und im Begriff, zum zweiten Mal Vater zu werden. Alles scheint perfekt. Da der Film aber nicht nach fünf Minuten zu Ende sein kann, folgt ein schlimmer Schicksalsschlag: Seine Frau Anna stirbt bei einem mysteriösen Unglück. Für Jonathan bricht die Welt zusammen und er vergräbt sich völlig in seiner Arbeit. Der Film laboriert an mehreren Problemen: Zum einen ist das Interesse an Mystery-Filmen (1994 von "Akte X" initiiert) in den letzten Jahren erheblich abgeflaut und wird derzeit künstlich durch japanische Importe à la Ringu in scheinbar soliden Höhen gehalten. Und genau aus diesem Punkt hätte der Film enorme Stärken beziehen können: Sind die "Botschaften" paranormalen oder doch irdischen Ursprungs? Den größten Reiz bezog Akte X meiner Meinung nach aus der (in den ersten Staffeln) nie eindeutigen Zuordnung der Natur der Phänomene, mit denen Mulder und Scully konfrontiert waren: Hatten tatsächlich Aliens die Hände im Spiel oder inszenierte die Regierung eine gigantische Verschwörung unter dem Deckmantel vorgeblicher Außerirdischer? Waren Geistererscheinungen real oder existierten sie nur in der Einbildung der Beobachtenden? Für mich verlor Akte X exakt zu jenem Zeitpunkt jegliche Anziehungskraft, als klar wurde, dass Mulders Verschwörungstheorie rund um Aliens zutraf. Ähnlich in diesem Film: Anfangs noch um einen halbwegs realistische Darstellung der Tonbandstimmen bemüht (Raymond erklärt Jonathan, dass er Geduld haben müsse, bis er, falls überhaupt, Kontakt mit Anna herstellen könne), fährt White Noise schon bald mit allen Klischees und Übertreibungen auf, die nur denkbar sind. Jegliche Subtilität verpufft im Tante Emma-Laden der Esoterik-Gigantonomie. Man gestatte mir einen Vergleich: Im großartigen Contact sieht (und hört) man als Zuschauer minutenlang nichts anderes als die Suche idealistischer Wissenschafter nach außerirdischen Signalen. Mit Headsets vor Computern sitzend, lauschen sie nach eindeutigen Hinweisen extraterrestrischer Botschaften. Und das ist um Längen spannender als Aliens auf einem Betriebsausflug vom Sirius, die mal eben an der Tür anklopfen. Übertreibe ich? Nein, denn die Handlung von White Noise wird mit jeder Filmminute kruder und lächerlicher, bis hin zum an Stupidität nur schwer zu übertreffenden Schluss. Ganz zu schweigen von völlig rätselhaften Plot-Twists, die in keinem Zusammenhang zum Film zu stehen scheinen. In Punkto Schauspielerei kann und muss man keine großartigen Erwartungen bei einem solchen Film hegen. Ein Akteur wie Keaton wird in diesem Sinne nicht gerade zur Performance seines Lebens gedrängt und der Rest der Schauspieler (die ohnedies nur Nebenfiguren sind, da Keaton fast jede Szene beherrscht) schließt sich dem nahtlos an. Angesichts der wenig dankbaren Rollen (der korpulente, lebensfremde Esoteriker Marke "Gemütlicher Kumpeltyp"; der hübsche weibliche Aufputz in Form von Deobrah Ungar, die in diesem Film eigentlich nur dazu eingeführt wird, damit Jonathan nicht ständig Selbstgespräche führt). Fazit: Anfangs subtiler, einfühlsamer Mystery-Thriller, dem aber nach einem Drittel Laufzeit die Luft ausgeht und deshalb mit unlogischen und zum Gähnen uninteressanten Versatzstücken aus anderen Filmen sowie schockierend unschockierenden Pseudo-Gruseleffekten gefüllt wurde.
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