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Underworld: Blutfeind

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Titel: Underworld - Blutfeind
Originaltitel: UNDERWORLD Blood Enemy
Autor: Greg Cox
Übersetzer: Jan Dinter
Verlag: Panini/Dino, 2006, Seiten: 346, ISBN: 3-8332-1343-4

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

Nachdem mit “Underworld“ und “Underworld Evolution“ zwei Romane bei Panini erschienen sind, die sich jeweils eng an eine filmische Vorlage halten, versucht sich Greg Cox in “Underworld: Blutfeind“ diesmal im Erzählen einer selbst entworfenen Geschichte, die als Prequel zu den Kinostreifen einigen der dort erwähnten Ereignissen etwas mehr Substanz verleihen soll.

Wir schreiben das Jahr 1201 A.D.: Rudel marodierender Werwölfe überfallen regelmäßig kleinere Weiler und einsame Gehöfte, um sich am Fleisch der Normalsterblichen gütlich zu tun. In den Augen ihrer -ebenfalls- unsterblichen Vettern, der Vampire, stellt diese Unsitte insofern ein Ärgernis dar, als sie Vergeltungszüge der Menschen gegen sämtliche “Dämonen“ -also auch sich selbst- befürchten müssen. Daher jagen die aristokratisch auftretenden Blutsauger die “Bestien“, um sie vom Menschenfressen entweder durch Töten oder Versklaven abzuhalten.
Einer, der ihnen bei diesen Jagden treuste Dienste leistet, ist der werwölfische Sklave Lucian, welcher seinen Herren so sehr ergeben ist, dass er ihre Verachtung seiner Artgenossen vollkommen in sein eigenes Weltbild integriert hat. Doch auch wenn er ein exzellenter Jäger ist, der sich im Laufe der Jahrhunderte den Respekt seiner Herren erarbeiten konnte, wird er sich seines wahren Status immer dann gewahr, sobald er sich in verbotener Liebe nach der lieblichen Vampirprinzessin Sonja verzehrt.
Wie der Zufall es will kommen sich Diener und Herrin näher, nachdem ihre kleine Reisegesellschaft auf dem Weg zur Erweckungsfeier des Vampir-Ältesten Viktor von Menschen in einen Hinterhalt gelockt wurde, und es dem aufopferungsvollen Lucian gelingt, Sonja vor dem endgültigen Tod zu bewahren. Auf ihrer Flucht knüpfen die Beiden in den düsteren Katakomben eines gebrandschatzten Klosters erste zarte Liebesbande, doch heimgekehrt auf den Clan-Stammsitz, Ordoghaz, erkennen sie, dass ihre Liebe keine Zukunft haben kann. Dennoch wagen sie es! Als Sonja schwanger wird, erfährt schließlich auch Viktor von der Romanze. Wutentbrannt lässt er die Prinzessin hinrichten, während Lucian dem Wüten entkommen kann. Voller Hass und getrieben vom Gedanken der Rache erhebt sich derehemalige Sklave zum Führer der Werwölfe und beginnt einen Krieg, dessen Folgen auch noch im Jahre 2002 A.D. spürbar sind: ein unbekannter Gegner trachtet danach, sowohl Wölfe als auch Vampire endgültig auszulöschen.

Warum der Autor ausgerechnet die “Lucian liebt Sonja“-Schmonzette in den Mittelpunkt seines ureigenen Underworld-Romans stellen musste, weiß allein das fliegende Spaghetti-Monster, denn die Ausführungen des ersten Films zu dieser Episode vampirisch-werwölfischen Fraternisierens waren, wenn auch nicht erschöpfend, so doch vollständig genug, um den Ruf nach “Mehr!“ nicht aufkommen zu lassen.
Da der informierte Leser von Beginn an sowohl den Ausgang der Lucian-Lovestory als auch das Schicksal der wichtigeren Protagonisten kennt, hätte sich der Autor das eine oder andere metaphorische Bein ausreißen müssen, um ein befriedigendes Spannungs-Level zu generieren. Hat er aber nicht! Statt das Augenmerk auf weniger zentrale Plots -und damit auf etwas Unbekanntes- zu richten oder eigentümliche Innenansichten der Unmenschen zu liefern, verschwendet er Wort um Wort an eine durch und durch vorhersehbare, menschelnde Story, die in einem Barbara Cartland-Roman besser aufgehoben wäre, wobei erschwerend hinzukommt, dass er den Kitsch auch noch klischeehaft und unoriginell an den “Mann“ bringt.

Leider ist der Herz-Schmerz-Kram nicht das einzig Quälende an diesem Buch. Cox ´ Werwölfe und Vampire erscheinen trotz ihrer Neigung zu gelegentlichen Massakern kaum bedrohlicher als Schlümpfe -wohlgemerkt, die blauen, nicht die schwarzen-, sind weit davon entfernt, alptraumhafte Ungeheuer mit bemerkenswerten Fähigkeiten zu sein, denen die Unsterblichkeit quasi aus den Poren tropft. Stattdessen wirken sie in ihrer Interaktion wie kleinkarierte Spießer mit Rüstungen oder krankhafter Körperbehaarung. Cox ´ Kreaturen haben nichts Düsteres an sich, keinen eigenständigen kulturellen Background und kaum nennenswerte Eigenschaften. Der eigentliche Horror in diesem Roman erwächst dann auch eher aus Sätzen wie “Sie wird mit jedem Mal, an dem ich sie sehe schöner, dachte er leidenschaftlich. Wie die Verkörperung dessen, das rein und unbefleckt ist“ [S. 42 f.], welche dem Leser den einen oder anderen kalten Schauer über den Rücken jagen.

Darüber hinaus tragen einige Ungereimtheiten bzw. unbeantwortete Fragen zum unrunden Gesamtbild bei. So bleibt es unplausibel, wie ausgerechnet Lucian und Sonja der Falle der Dörfler entkommen können, während der Rest des Trupps scheinbar mühelos niedergemetzelt wird. Auch ergibt sich aus dem Text nicht, wieso es den Werwölfen im Laufe der Jahrhunderte nicht gelingt, den Vampiren den Arsch bis zu den Ohren aufzureißen. Eine Spezies, die während der Sommermonate gut und gerne zwei Drittel des Tages im dunklen Kämmerlein hocken muss, hat so gravierende Nachteile gegenüber den lupoiden Fulltime-Kämpfern, dass nach relativ kurzer Zeit Geschichten über sie mit den Worten “Es war einmal ...“ beginnen sollten; ... es sei denn, sie könnten ihre physische Benachteiligung irgendwie ausgleichen. So haben bspw. die Vampire aus dem RPGs der “Welt der Dunkelheit“ die Möglichkeit, übermenschliche Diener -Ghule- zu schaffen, die ihre Herren während der Ruhephasen schützen, bzw. die Fähigkeit, allerlei magischen Hokuspokus und Schutzzauber anzuwenden. Den Underworld-Sonnenscheinallergikern jedoch stehen diese Optionen nicht zur Verfügung.

Außer einigen überflüssigen Informationen zu altbekannten -und in der Gegenwart des zweiten Films zumeist schon toten- Charakteren trägt “Underworld Blutfeind“ kaum etwas Erhellendes bzw. Bedeutsames zum Setting bei. Dieses trübe Erkenntnis bezieht sich sowohl auf den hochmittelalterlichen Haupt-Handlungsbogen, als auch den Neben-Plot um die Ereignisse des Jahres 2002. Immerhin ist das Buch in einem lockeren, angenehmen, unkomplizierten Stil verfasst und von daher problemlos als Bahn- oder Klolektüre “nebenbei“ konsumierbar.

Fazit: Obgleich mit leichter Hand geschrieben, leidet der Roman an der Vorherbestimmtheit der Handlung, an wenig originellen Ansätzen und sehr klischeehaften Charakteren. Underworld-Junkies auf Entzug können ruhig ein Blick riskieren; Fans düsterer oder gehaltvoller Monster-Geschichten werden an “Underworld: Blutfeind“ kein Vergnügen finden.

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