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Tochter der Dunkelheit (Ruf des Blutes, Band 1)

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Titel: Tochter der Dunkelheit (2007)
Originaltitel: ~
Autor: Tanya Carpenter
Übersetzung: ~
Buch/Verlagsdaten: Sieben Verlag, 350 Seiten, ISBN: 978-3-940235-12-1

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor auf fictionfantasy findet man hier oder auf ihrer Webseite www.literatopia.de)

Melissa wächst bei einer Hexe auf, die jedoch ein dunkles Geheimnis birgt, das bei seiner Enthüllung zur Eskalation führt -  Melissa soll auf den Scheiterhaufen geworfen werden. Doch kurz bevor ihr Todesurteil vollstreckt wird, wird sie von Armand gerettet. Einem Vampir, der sie nachts häufiger besucht und ihr Avancen macht. Anfangs siezt er sie sogar, was ihm den Charme eines wahren Gentlemans verleiht, doch sehr bald lernt man auch seine grausamen Seiten kennen. Die Dunkelheit, in die er hineingeboren wurde. Auf Melissa wirkt diese Finsternis ebenso faszinierend wie abschreckend. Auch die Ashera unterhält ein freundschaftliches Verhältnis zu Armand, sieht es jedoch ungern, dass Melissa immer tiefer in seinen Bann gerät.

„Tochter der Dunkelheit“ fängt sehr vielversprechend an - Armand ist ein wunderbar sinnlich-bösartiger Charakter und die Mythologie der Muttergöttin Ashera macht sich in der Geschichte sehr gut. Als Leser lernt man die halbe Welt kennen: Von England über Amerika, Italien und Frankreich bis hin zu Ägypten werden düstere und exotische Schauplätze geboten. Zudem wird von Seite 1 an ordentlich Spannung aufgebaut, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann - bis irgendwann immer mehr neue Handlungsstränge angeknüpft werden und man die Geduld verliert. Melissa folgt keinem roten Faden, sondern „wird stattdessen zum Spielball ebenso sinnlicher wie gefährlicher Dämonen“. Die einzige Konstante im Roman ist Armands Wunsch, Melissa als ewige Gefährtin zu sich in die Dunkelheit zu holen. Zwar geht es auch um die Aufarbeitung der Vergangenheit der Protagonistin, in deren zerbrochenes Puzzle sich immer mehr Teile einfügen, doch sehr bald beschleicht einen das Gefühl, dass Tanya Carpenter den Überblick verloren hat. Und zum Ende hin wird man bei manch vorhersehbaren Enthüllungen nur fassungslos den Kopf schütteln.

Auch steht Melissa die Rolle der Protagonistin nicht besonders gut. Sie bringt sich immer wieder selbst in Schwierigkeiten - und wo der Leser anfangs noch mitfiebert, ob sie aus dem Schlamassel auch wieder herauskommt, so wird er doch irgendwann genervt sein und denken: „Nicht schon wieder “. Durch ihre Trotzigkeit und Selbstüberschätzung verspielt sie beim Leser einige Sympathiepunkte. Ganz anders sieht es dagegen bei Armand aus, der den ganzen Roman über nichts von seiner dunklen Aura einbüßt. Ihm scheint die Rolle des Vampirs auf den Leib geschneidert zu sein. Mal präsentiert er sich charmant und verführerisch, mal kalt und grausam. Auch die anderen Vampire sind gelungen - sie erinnern sehr an das Vampirbild von Anne Rice. Sündhaft schön und von adliger Anmut. Und sie sind verdammt gefährlich - Freunde des Bösen werden sich freuen, dass keiner von ihnen unnötigerweise seinen Moralischen kriegt.

Stilistisch ist der Roman nicht besonders außergewöhnlich, aber flüssig zu lesen und passend zum Genre. Insbesondere die erotischen Szenen sind Tanya Carpenter gut gelungen - man fühlt regelecht das Knistern. Die Spannung in der Dunkelheit. Ach ja: Vampire machen in ihrer Leidenschaft und Lust keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Und so kommt man in den Genuss der ein oder anderen homoerotischen Szene, die durchaus gefallen. Wobei hier gesagt sei, dass es nicht immer bei sinnlicher Erotik bleibt. Dieser Roman ist nichts für zarte Gemüter, wird doch gleich zwei Mal eine Vergewaltigung beschrieben, was ziemlich abstoßend wirkt. Das erste Mal noch nicht ganz so krass, da das Opfer unter dem Bann eines Vampirs steht und regelrecht berauscht ist. Das zweite Mal hingegen ist wirklich hart an der Grenze. Hier muss sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden, was er von der Darstellung hält. Im Rahmen der Handlung ist es jedoch realistisch.

Der Preis scheint für ein Softcover zunächst ziemlich hoch. Dabei sollte der geneigte Leser beachten, dass der Roman nicht wie auf der Verlagsseite angegeben 264 Seiten hat, sondern 350! Und dazu ist das Buch etwas größer im Format, die Seiten haben keine riesigen Ränder und die Schrift ist relativ klein. Qualitativ ist das Buch ebenfalls sehr gut verarbeitet, sodass sich der Preis verschmerzen lässt, wenn man ernsthaftes Interesse an der Geschichte hat.

Fazit:
Ein Roman mit vielen Licht- und Schattenseiten und an dem sich die Geister und diese Rezension scheiden. Nebencharaktere glänzen, wo die Protagonistin sich ins nächste Unglück stürzt. Der Leser bereist die Welt und erlebt Nächte zwischen schillernder Finsternis und blutigen Dramen. Dabei bleibt der rote Faden leider auf der Strecke. Nichtsdestotrotz hat der Roman seine Vorzüge, die man zu schätzen lernt, wenn man über die Schwächen hinwegsehen und homoerotischen Darstellungen etwas abgewinnen kann!

 

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