Titan

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Serie / Zyklus: ~
Titel: Titan
Originaltitel: Titan
Autor: Stephen Baxter
Übersetzer: Martin Gilbert
Verlag / Buchdaten: Heyne

Besprechung / Rezension von Christian Plötz

Zunächst klingt die Story sogar für Science-Fiction unglaublich: Die Nasa am Ende des alten Jahrtausends sieht noch älter aus als Biggs nach dem Challenger-Desaster 1986.
Die Columbia zerschellt beim Landeanflug in Edwards und die Regierung will die Mittel für die bemannt Raumfahrt ganz streichen. Die Nachricht von der Cassini-Sonde, dass auf dem Saturnmond Titan Spuren von Lebensformen entdeckt worden sind, rüttelt die Öffentlichkeit nicht sonderlich auf, die Stimmung schlägt mehr zu dem neo-isolationistischen Hardliner und republikanischen Präsidentschaftskandidaten. In diesem Wirrwarr treffen einige Astronautenveteranen und Träumer aus den oberen NASA-Etagen einen folgenschweren Entschluss, der Don Quixote als im Vergleich kühlen Realisten erscheinen lässt: Sie wollen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, nämlich den zwei übrigen Shuttleorbitern und einer alten, restaurierten Saturn-5-Rakete zu Titan aufbrechen!
Die Chancen, diese Mission zu überleben, sind unglaublich gering, aber ihr Forscherdrang ist stärker und die Aussicht, auf einer Erde festzusitzen, auf der die sozialen und politische Entwicklung der Menschheit völlig aus dem Ruder läuft und die Dekadenz ungeahnte Blüten treibt, lässt die fünf Astronauten den Plan entwickeln: "erst mal hinkommen, dann sehen wir weiter."

Ihr Aufbruch wird von schweren technischen Problemen überschattet, und einige kalte Krieger in der Airforce sähen es ebenfalls lieber, wenn sich das letzte Prestigeprogramm der Nasa in einen Feuerball verwandeln würde.
Der Titan könnte als Rohstoffquelle für die alte Erde von ungeahntem Nutzen sein, aber hier hat mittlerweile ein neuer kalter Krieg begonnen, zwischen der Nuklearmacht China, die inzwischen ein eigenes ehrgeiziges Weltraumprogramm gestartet hat, und dem Paranoiker im weißen Haus. Doch diesmal kommt die Welt nicht mit dem Schrecken davon. China bringt einen Asteroiden aus der Umlaufbahn und verrechnet sich dabei etwas. Jedenfalls sind die fünf Astronauten jetzt die einzigen Menschen im Kosmos und das macht die Situation an Bord nicht gerade einfacher.
Die Psyche eines Menschen ist nicht darauf ausgerichtet, in einem winzigen Stahlsarg durch die Unendlichkeit zu treiben und auch die Physis macht den Astronauten schwer zu schaffen. Als sie auf Titan ankommen, sind sie nur noch zu zweit und dabei beginnt das Leiden für diesen Adam und diese Eva erst hier!

Anmerkung: Im großen und ganzen hervorragende Hard-SF. Die Charaktere sind etwas arg stereotyp für meinen Geschmack, aber das wahrhaft großartige Finale entschädigt dafür mehr als ausreichend. Eine Vision, wie sie H. G. Wells nicht besser hätte formulieren können, und die Hoffnung auf den Sieg der Vernunft gibt. Wenn schon nicht auf der Erde, dann vielleicht auf den Sternen ...

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