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Succubus Blues - Komm ihr nicht zu nah

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Titel: Succubus Blues - komm ihr nicht zu nah
Originaltitel: Succubus Blues (2007)
Autor: Richelle Mead
Übersetzung: Alfons Winkelmann
Buch/Verlagsdaten: UBooks, 368 Seiten, ISBN 978-3-86608-095-9

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor auf fictionfantasy findet man hier oder auf ihrer Webseite www.literatopia.de)

Klappentext
Sukkubus (n.): Weibliche, lüsterne, attraktive, nachtaktive Dämonin, die sterbliche Männer verlockt und ihnen zu Gefallen ist.
Erbärmlich (adj.): Ein Sukkubus mit todschicken Schuhen und null gesellschaftlichem Leben. Siehe auch: Georgina Kincaid.
Wenn man schon für die Hölle arbeiten muss, dann doch wenigstens als Sukkubus, oder? Eine Frau kann alles sein, was sie möchte, ihre Klamotten sind einfach umwerfend und sterbliche Männer liegen ihr zu Füßen. Zugegeben, sie bezahlen oft mit ihrer Seele dafür - aber warum sich mit dem Kleingedruckten aufhalten?
Das Leben der Georgina Kincaid, Sukkubus in Seattle, ist allerdings weitaus weniger exotisch. Ihr Boss ist ein Dämon aus dem mittleren Management mit einer Schwäche für John-Cusack-Filme und trifft sie sich mit jemandem, nimmt sie ihm einen Teil seiner Lebensenergie, ob sie will oder nicht.
Bleibt wenigstens noch ihr Alltagsjob in der örtlichen Buchhandlung - also kostenlose Bücher, so viel sie lesen möchte, kostenlos White Chocolate Mocha, so viel sie trinken möchte, und leichten Zugang zum Bestseller-Autor Seth Mortensen alias „Er-Den-Sie-Um-Jeden-Preis-Haben-Möchte“

Wer diesen Klappentext liest, wird wohl denken: skurril. Ein erbärmlicher Sukkubus, der in einen Schriftsteller verknallt ist. Und ihr Boss, Erzdämon Jerome, erweitert dieses Bild um den Faktor des übernatürlich Grotesken. Keine Frage, so eine Story hat eine Menge Potential, bizarre Spuren im Leser zu hinterlassen. Aber fangen wir von vorne an: Georgina tut dem Kobold Hugh, einem guten Freund, den Gefallen, einen jungen Sterblichen mit Schwäche für Comics auf die Super-Böse-Dämonin-Tour zu beglücken. In düsterem Lackoutfit und mit Peitsche bewaffnet bereitet sie der männlichen Jungfrau die schönsten 6 Minuten seines Lebens und strahlt lange danach noch die besondere Energie aus, die sie erhalten hat. Sie fühlt sich gut - obwohl sie gegen die eigene Regel, nur schlechte Menschen zu verführen, verstoßen hat. Aber schließlich wird sie ihren Lieblingsautor Seth Mortensen treffen, der eine Lesung in der Bücherei, in der sie arbeitet, White Chocolate Mocha trinkt und ihren Chef regelmäßig vernascht, abhalten wird.

In den folgenden Wochen lernt sie Seth persönlich kennen, wobei dieser sich als höchst exzentrische Persönlichkeit entpuppt. Und überaus schüchtern. Aber da hätten wir ja auch noch Roman, der unbedingt ein Date mit ihr will. Doch unser Sukkubus verabredet sich nicht - warum? Sollte man selbst nachlesen! Das alles klingt erst einmal ziemlich nach Beziehungsverwirrungen. Gleichzeitig werden in Seattle Unsterbliche ermordet und angegriffen. Erzdämon Jerome, der mit dem Engel Carter zusammenarbeitet, hält sich allerdings bedeckt und rät Georgina lediglich, sich nicht einzumischen - was die Neugier des Sukkubus erst recht aufflammen lässt. Der Roman bewegt sich folglich zwischen Georginas Nachforschungen und ihrem verrückten Liebesleben.

Die Mischung aus groteskem Sukkubus-Alltag, heißen Verführungskünsten und der spannungsgeladenen Storyline um den mysteriösen Killer schafft eine düstere bis komische Atmosphäre, die einen ganz besonderen Charme hat. Besonders der Autor Seth Mortensen erhält beim Leser einiges an Sympathiepunkten - eine so liebevoll ausgestaltete Romanfigur findet man selten! Doch auch Georgina und ihre Freunde kommen ungemein gut an. Dabei sieht man über kleine Längen in der Mitte des Romans gerne hinweg, in denen Richelle Mead sich zu sehr auf das Beziehungsgeflecht und zu wenig auf die Story mit dem Killer konzentriert. Hier geht eindeutig Spannung flöten. Immerhin sind diese Längen größtenteils sehr unterhaltsam, wodurch man mit recht wenig Langeweile zum spannenden Finale kommt. Die Ereignisse beginnen ineinander zu stürzen, mehr oder minder schockierende Wahrheiten kommen ans Licht und das Ende hat wiederum etwas philosophisch Anmutendes. Abermals denkt man sich als Leser: skurril.

Zur Übersetzung sei gesagt, dass die ersten Seiten sich stellenweise etwas seltsam lesen - ob das am Übersetzer liegt oder am Stil der Autorin, der getroffen werden wollte, ist schwer zu sagen. Allerdings hat sich dieses Gefühl nach 10-20 Seiten verflüchtigt. Ob man sich nun rasend schnell an den Stil gewöhnt oder ob die Übersetzung einfach wesentlich besser wird, sei dahingestellt. Auch ein paar auffällige Fehlerchen haben sich eingeschlichen, von denen die meisten ein Lektor eigentlich hätte finden müssen. Nichtsdestotrotz erwartet den Leser eine gelungene Aufmachung: Das Cover von Agnieszka Szuba ist mal wieder absolut passend und anregend, das Buch selbst von sehr guter Qualität. 2 Wochen Rucksack, einmal intensiv gelesen und es sieht immer noch aus wie neu!

Fazit
Skurrilität ist das, was dieses Buch auszeichnet. Die Charaktere und die bizarren Situationen, die entstehen, wenn Unsterbliche versuchen wie Sterbliche zu leben, sind von einem unbeschreiblichen Charme! Georgina mit ihrem katastrophalen Liebesleben wirkt dabei tatsächlich etwas „erbärmlich“ - aber gleichzeitig verdammt sympathisch.

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