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Der Weg der Könige (Die Sturmlicht-Chroniken, Band 1)

Bewertung: 5 / 5

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Reihe: Die Sturmlicht-Chroniken, Band 1
Titel: Der Weg der Könige
Originaltitel: The Way of Kings (2010)
Autor: Brandon Sanderson
Übersetzer: Michael Siefener
Titelbild: Gerard Miley
Zeichnungen und Karten: Isaac Stewart, Ben McSweeney, Greg Call
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag (26.04.2011); 876 Seiten; 21,99 €; ISBN: 978-3-453-26717-6 (gebunden mit Schutzumschlag)

Eine Besprechung / Rezension von Asaviel
(weitere Rezensionen von Asaviel findet ihr auf fictionfantasy oder auf ihrem Blog " Asaviels Bücher Allerlei ")

Klappentext:
Roschar ist eine sturmumtoste Welt, die über Jahrtausende von übermenschlichen Kriegern regiert wurde, deren Schwerter jedes Leben auslöschen konnten. Doch die Krieger sind verschwunden und Roschar droht zu zerfallen. Das Schicksal der Welt liegt nun in den Händen derer, die es wagen, die magischen Schwerter zu ergreifen . . . Mit „Der Weg der Könige” eröffnet Brandon Sanderson das große Fantasy-Epos des 21. Jahrhunderts und zieht seine Leser in eine Welt, wie sie noch nie zuvor in der Literatur erschaffen wurde.

Dies ist die Geschichte von Dalinar, Heerführer von Alethkar und Bruder des ermordeten Königs. Seit dem Tod des Königs sind die Fürsten des mächtigsten Reiches von Roschar zerstritten, und der Krieg mit dem Barbarenvolk im Osten zieht sich länger hin als erwartet. Dabei trägt Fürst Dalinar nicht nur schwer an dem Vermächtnis seines toten Bruders, sondern auch an den unheimlichen Visionen, die ihn des Nachts überfallen: Visionen aus einem vergangenen Zeitalter, als die Völker von Roschar vereint waren, als die Menschen noch Seite an Seite mit den Göttern kämpften und die magischen Schwerter dem Schutz des Lebens dienten. Visionen, die in Fürst Dalinar nicht nur eine neue Hoffnung auf Einheit unter den Menschen wecken, sondern auch eine tiefe Furcht. Denn noch weiß keiner, welches Schicksal die Zukunft von Roschar für all jene bereithält, die das Rätsel der Vergangenheit lösen können . . .


Meine Meinung:
Dies ist nicht nur die Geschichte des Großprinzen Dalinars, von dem der Klappentext spricht. Es ist auch die Geschichte des ehemaligen Soldaten und jetzigen Sklaven Kaladin, der als Brückenmann in der Armee unweigerlich dem Tod geweiht ist. Und die Geschichte der jungen Frau Schalan, die von der Schwester der Königs Jasnah als Mündel angenommen wird. Doch Schalan hat diese Stelle nur ersucht, um der Prinzessin das Wertvollste zu stehlen, das diese besitzt und dann ihre Familie vor dem Untergang zu retten.
Diese drei Hauptcharaktere sind in eine völlig neue, faszinierende und fantastische Welt eingebettet. Diese Welt hat nichts mit der uns bekannten gemein. Nicht nur die Gesellschaftssysteme funktionieren anders, auch Sonne und Mond, selbst die Jahreszeiten nehmen ihren eigenen Lauf. Wie sieht das nun aus? Die Alethkar trennen strikt nach Mann und Frau. Dabei ist es aber nicht so, dass die Frauen nichts zu sagen hätten. Sie ziehen zwar nicht in den Krieg, soweit kennen wir das, aber sie sind die Schreiberinnen, die Wissenschaftlerinnen. Männer können im Allgemeinen weder schreiben noch lesen. Das ist auch nicht gewollt. Es ist eine weibliche Tätigkeit. So wie das Krieg führen eine männliche Aufgabe ist.
Roschar lebt ganz im Zeichen der Großstürme, die unregelmäßig, aber meistens vorhersagbar über die Welt hinwegziehen. Diese Großstürme sind so mächtige, dass jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze davor Schutz suchen muss. Tun sie das nicht, sind sie mit höchster Wahrscheinlichkeit des Todes. Auch die normalen Jahreszeiten wechseln sich nicht so regelmäßig, wie wir das kennen. Jahreszeiten dauern nur wenige Wochen und werden dann recht zufällig von einer anderen Jahreszeit abgelöst. So kann Winter auf Frühling folgen, Frühling auf Sommer, Herbst auf Winter. Es ist nicht vorhersehbar.
Auch die Magie ist von den Stürmen abhängig, denn sie funktioniert nur über in Edelsteinen gesammeltes Sturmlicht, das dann Magiern eingesetzt werden kann.
Man sieht also auf den ersten Blick, dass man als Leser hier etwas Großes vor sich hat. Eine gut durchdachte, andersartige Welt. Selbst die Flüche der Menschen sind auf ihre eigene Denkweisen, ihre religiösen Vorstellungen und insbesondere oft auf die Großstürme bezogen, was der Geschichte große Authentizität verleiht.
So fein ausgearbeitet die Welt ist, so vielschichtig sind auch die darin handelnden Charaktere. Natürlich die drei Hauptcharaktere, deren Entwicklung der Leser wechselnd verfolgt, aber auch andere wichtige Personen oder Nebencharaktere werden gründlich eingeführt und dargestellt, wodurch der Leser sich mit beinahe jedem von ihnen identifizieren kann.
Die Charaktere sind durch verschiedene Charakterzüge gekennzeichnet. Schlagfertigkeit und ein berechnender Verstand bei Jasnah, dasselbe gepaart mit einer naiven Art des Denkens, die an Unschuld glauben lässt bei Schalan. Präzision, Ehrenhaftigkeit und Entschlossenheit stellen Dalinar dar. In meinen Gedanken läuft er immer hoch erhobenen Hauptes durch die Geschichte. Kaladin ist verbittert, aber gleichzeitig äußerst ehrenhaft, zielstrebig und hat einen sarkastischen Humor. Dieser wird noch durch meinen absoluten Lieblingscharakter unterstützt. Das kleine Windsprengsel namens Syl. Sprengsel sind so etwas wie Geister. In den verschiedensten Arten bevölkern sie ganz Roschar. Syl begleitet Kaladin, ohne dass er geschweige denn sie selbst, weiß warum sie es tut. Außerdem ist dieses Verhalten völlig untypisch für ein Sprengsel. Es sind die Gespräche zwischen diesem ungleichen Paar, die den Leser immer wieder schmunzeln lassen:

„Wieso kennst du meinen Namen?“ [fragt Kaladin das Windsprengsel]
„Wieso kennst du ihn?“
„Weil es meiner ist, weil meine Eltern ihn mir gegeben haben… ach, ich weiß auch nicht…“
„Ich auch nicht!“ und sie nickte, als hätte sie ein wichtiges Streitgespräch gewonnen


Neben den drei Haupthandlungssträngen gibt es immer mal wieder Rückblenden in Kaladins Kindheit, die sein Verhalten und seine Einstellung näher beleuchten. Zusätzlich gibt es sogenannte Zwischenspiele, die teils bekannte, teils unbekannte Charaktere in den Mittelpunkt setzen und das Geschehen an anderen Orten in Roschar darstellen. Das fordert natürlich die Aufmerksamkeit des Lesers und insbesondere des Hörers eines Hörbuches.
Dieses Buch ist der erste Teil einer Geschichte die auf ungefähr 10 Bände ausgelegt ist. Dabei ist es im Deutschen der erste Teil des ersten Bandes. Denn das englische Buch „The Way of Kings“ wurde geteilt in „Der Weg der Könige“ und „Der Pfad der Winde“. Ich selbst hatte am Ende das Gefühl, dass wir jetzt erst an einem Punkt sind, an dem die Handlung beginnt.
Es wirkt so, als wären die knapp 900 Seiten des Buches der knapp 28 Stunden des Hörbuches einzig und allein dazu da gewesen, um die Welt und die Charaktere vorzustellen und dass jetzt, wo im Deutschen das erste Buch endet, die Handlung anfangen sollte. Obwohl ich generell gegen die Teilung von Büchern bin, muss ich sagen, dass sie hier an einer gelungen Stelle platziert ist. Es sind erste Entscheidungen gefallen, erste wichtige Handlungen geschehen. Man kann erahnen, was jetzt passieren wird und freut sich darauf bald Buch Nummer 2 in die Hände zu nehmen. Bis jetzt habe ich die Handlungen der Charaktere zwar mit Spannung verfolgt, habe sie beinahe alle lieb gewonnen, aber ich kann die einzelnen Stränge noch immer nicht zu einem großen Ganzen sortieren. Ich weiß nicht worauf alles im Endeffekt hinauslaufen soll.
Oliver Bierstedt, der diese Geschichte exclusiv für Audible gelesen hat, macht seine Sache gut. Er leiht jeder Person seine Stimme und es gelingt ihm, dass man beim Zuhören die Charaktere voneinander unterscheiden kann. Dabei gibt er der Geschichte aber nicht noch das besondere Etwas durch seine Art des Sprechens mit. Das ist also okay, aber keine überragende Leistung, die mich in Begeisterung stürzen würde.

Fazit:
Es ist beinahe unglaublich, was Brandon Sanderson hier gelingt. Er schafft eine völlig neue Welt, die dem Leser fremd ist, in der er sich erst zu Recht finden muss. Und ohne langweilige Erklärungen, seitenlange langweilige Beschreibungen, gelingt es dem Autor den Leser mit allem bekannt zu machen und dabei seine Charaktere in jedem Detail vorzustellen. Auch wenn sich natürlich Lieblinge herausbilden, so ist mir doch jeder Charakter ans Herz gewachsen. Es fehlte lediglich etwas an großer, übergeordneter Handlung, um zu verstehen, wohin die Reise uns führen soll. Aber umso begieriger bin ich nun Band 2 zu hören.

So vergebe ich 4 von 5 Punkten.

Über den Autor:
Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit phantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Sein Debütroman »Elantris« avancierte in Amerika auf Anhieb zum Bestseller. Seit seinen Jugendbüchern um den jungen Helden Alcatraz und seiner großen Saga um die »Kinder des Nebels« gilt der junge Autor auch in Deutschland als einer der neuen Stars der Fantasy. Er wurde auserwählt, Robert Jordans großen Fantasy-Zyklus »Das Rad der Zeit« fortzuschreiben. Brandon Sanderson lebt mit seiner Familie in Provo, Utah. (Quelle Amazon)

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