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Story : Die Klingonische Gesellschaft ist für Menschen schwer zu verstehen. Auf der einen Seite von dekadenten Adeligen geführt, kontrolliert ein starker Geheimdienst die Bevölkerung. Dem Tod wird nicht, wie etwa auf der Erde üblich, mit Angst oder Trauer begegnet und die gesamte Existenz einzelner Individuen kann mit dem großen Spiel, dem entfernt Schach ähnelnden komerex zha gleichgesetzt werden. Vrenn, ein junges Waisenkind, ist ein ausgezeichneter Klin-Zha-Spieler und wird nach überwältigenden Erfolgen vom unumstrittenen Großmeister dieser Disziplin adoptiert. Im mondänen Wohnsitz des Generals Kethas lernt Vrenn die Feinheiten des Spiels genauer kennen und reift zu einem versierten Taktiker heran. Schon rasch nach Antritt seines Militärdienstes steigt er in rasantem Tempo die Karriereleiter empor und als er ein eigenes Kommando angeboten bekommt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume angekommen. Doch die Sache hat einen Haken: Der Preis für sein erstes eigenes Schiff ist der Verrat an seinem Ziehvater Kethas. Aber Krenn, wie sich der junge Captain nun nennt, ist bereit, dieses Opfer zu bringen und rasch wird er zu einem der erfolgreichsten Kommandanten der Flotte. Kein Wunder also, dass man ihm einen besonderen Auftrag übergibt: Mit einem Kreuzer, dessen Waffensysteme deaktiviert sind, soll er in das Gebiet der Föderation fliegen, und den ersten Diplomaten der Menschen nach Qo'noS geleiten. Obwohl er mit Argwohn an diese Aufgabe geht und die Mission durch ein nahe stehendes Besatzungsmitglied fast in einem Fiasko endet, knüpft Krenn freundschaftliche Bande zu dem außergewöhnlichen Menschen. Als er ihn nach Jahren wieder zur Erde bringen soll, bedauert er diesen Schritt zutiefst. Doch die diplomatische Reise bringt mehr Erkenntnisse als gedacht, denn sowohl auf der Seite der Sternenflotte , als auch auf der der Klingonen sind Kräfte am werkeln, die dem brüchigen Frieden ein Ende setzen wollen...
Lobenswerte Aspekte : Wenn man bedenkt, dass dieses Buch bereits 1984 auf dem amerikanischen Büchermarkt auftauchte, kann man eigentlich nur anerkennend mit der Zunge schnalzen. Schon allein die Idee, einen Roman im Roman zu schreiben, ist für diese Pionierzeit der Star-Trek-Romane herausragend, vor allem dann, wenn man sich einmal vergleichend andere zeitnahe Publikationen wie " Das Klingon-Gambit " oder " Das Netz der Romulaner " ansieht. Das Werk ist sinnvoll in verschiedene Teile gegliedert und deren Einleitung mit klingonischen Sinnsprüchen passt sich gut in die laufende Handlung ein. Gewagt, aber überaus gelungen ist der Schachzug, Kirk , McCoy und Spock zu Nebenfiguren einer inhaltlich und zeitlich völlig abweichenden Handlung zu degradieren, wobei kleinere und größere Referenzen innerhalb des Klingonenen-Romans auf Pille (vgl. S. 187ff.) oder Spock (vgl. S. 203ff.) immer mal wieder die eigentlichen Helden ins Gedächtnis zurückrufen. Doch gerade die Tatsache, dass Crewmitglieder der Enterprise nur genutzt werden um die eigentlichen Story einzuleiten (vgl. S. 7ff.), um sie mit nichts weiter als einem Logbucheintrag Kirks zu beenden (vgl. S. 329f.), macht diesen Roman so besonders und zu einem Vorreiter von eigenständigen Romanserien wie Peter Davids Reihe "Die neue Grenze", denn die Entwicklung unabhängiger Charaktere auf diese Weise darzustellen, eröffnet neue Perspektiven. Dabei soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass sich dieses Werk von seinem Original entfernen würde - ganz im Gegenteil! Mit Verweisen auf Triskelion (vgl. S. 29), saurianischen Brandy (vgl. S. 127) oder den klingonischen Teufel (vgl. S. 266) wird einfühlsam und subtil auf TOS-Epsioden wie " Meister der Sklaven ", " Kirk:2=? " oder " Das Gleichgewicht der Kräfte " verwiesen, ohne sich in quälenden Endlos-Rückblenden zu verlieren. Besonders beeindruckend ist die Integration Carter Winstons in die Geschichte (vgl. S. 286ff.), da mit seinem Auftritt auch dem Trickfilmableger TAS ein Platz im Reigen der offiziellen Quellen zuteil wird. Schließlich sind auch der ironische Umgang mit vorhersehbaren Handlungselementen (vgl. S. 172), die augenzwinkernde Betrachtung von Demonstrationskultur auf der Erde (vgl. S. 176) und die Erwähnung von Schiffen der Mann-Klasse (vgl. S. 147), der Rickenbakker-Klasse (vgl. S. 157) und der Baton-Rouge-Klasse (vgl. S. 214) berücksichtigt die " Star Trek Spaceflight Chronology ", die zur damaligen Zeit noch als Standardwerk für das Star-Trek-Universum galt, und erst im Laufe von TNG bedeutungslos wurde. Kritikwürdige Aspekte : Auch wenn Kirk anders denken mag, und Spock "[...] fast zweihundert Kopien [...]" (S. 329) des Buches für die Schiffsbibliothek der USS Enterprise bereitstellte, hält dieses Werk bei weitem kein inhaltliches Feuerwerk bereit. Die Handlung ist mäßig, die Figuren sind nicht immer überzeugend und die Namenswelt im Deutschen etwas gewöhnungsbedürftig: Über einen "Kothke" (vgl. S. 92) kann man vielleicht, ab einem gewissen Reifegrad noch hinwegsehen, doch warum ein Manager ausgerechnet " Akten " (S. 33) heißen muss, ohne dass man den Namen durch eine Schriftanpassung etwas abhebt, bleibt ein Geheimnis des Romans. Noch mysteriöser die unverständliche Moral. Natürlich geht es, wie es Mitte der achtziger Jahre 'hip' war, um Atomwaffen und das Gleichgewicht des Schreckens , doch der viel zu umständliche Weg, um diese Balance zu erhalten, verzerrt die Lehre, die der Leser aus der Handlung ziehen soll, viel zu stark. Der Spannungsgrad ist starken Schwankungen ausgesetzt; während die Kapitel über Krenns Aduleszenz und sein Dienst auf den verschiedenen Schiffen spannend zu lesen sind, sind die Geschehnisse auf der Erde vergleichsweise langatmig und zäh, und gute Ansätze, wie die Rückkehr von Charakteren wie Kelly oder Zharn, werden durch einen Mangel an Informationen zu ihrer Vergangenheit und die halbherzige Einbindung in den größeren Handlungskorpus gehörig gegen den Baum gefahren. Übersetzung : Wie heißt es auf Seite 15 so schön? " Ein italienisches Sprichwort lautet: traduttore, tradittore - der Übersetzer ist ein Verräter. " Recht hat der Mann! Auch hier wird natürlich fleißig an der gewohnten Synchronisation gehässiger Verrat begangen. Wieder einmal tauchen Begriffe auf, die in der deutschen Synchronisation der Reihe nicht zu hören sind. So liest man von " Kriegsschwalben " (S. 86), vom " Diskus " (S. 149), dem " Solaren Senat " (S. 173) oder " terrestrischen Streitkräften " (S. 283). Auch " romulanisches Bier " (S. 8) und Rands Ernennung zum " Verwaltungsoffizier " (S. 7) sollten in dieser Auflistung nicht fehlen, die auch durch die merkwürdige Formulierung " Flugboot " (S. 152) Ergänzung finden sollte. Natürlich dürfen auch verschiedene Formen des " Desaktivierens " (vgl. S. 62, S. 129 oder S. 258) und die unnötige Verwendung des Präfixes " Erg -" (vgl. S. 263 und S. 288) keinesfalls vergessen werden! Doch weder die merkwürdige Wortwahl und falschen Begriffe noch die wenigen Flüchtigkeitsfehler (z.B. S. 50: " Maibli " statt " Mabli "), sondern die verwirrende Übersetzung stören beim Lesen. So wird der englische Begriff " Marines ", der in etwa mit "Fusstruppen" oder "Infanterie" wiedergegeben werden kann, hier schlecht mit " Marine " (S. 91) übersetzt, was im Deutschen jedoch in einem direkten Gegensatz zur häufig erwähnten Flotte steht, und der Übersichtlichkeit keineswegs zugute kommt. Und wenn man schon die " Sternenflotte " mit " Starfleet " (S. 9) so beibehält, wie im englischen Original, warum macht man sich dann die Mühe, Schiffsnamen wie " Blaues Feuer " (S. 85)", " Todeshand " (S. 87) und Fechter " (S. 122) in unsere Sprache zu übertragen, nur um die " Flying Fortress " (S. 157) englisch zu belassen? Immerhin existiert mit der Bezeichnung " Fliegende Festung " ein gebräuchliches deutsches Äquivalent! Anachronismen : Aber weder die Handlungsschwierigkeiten und Figurenschwäche, noch die Spannungsschwankungen und Übersetzungsmängel spielen den Königsmörder für dieses Buch, sondern seine Unzahl an Anachronismen - und mit 'Unzahl' meine ich, dass ich bei allem guten Willen wirklich nur einen Bruchteil dieser vielen Fehler überhaupt wiedergeben kann. Wie aber konnte es dazu kommen? In erster Linie liegt dies darin begründet, dass der Autor John M. Ford den Klingonen, wie man sie als böse Gegenspieler aus TOS bis dahin kannte, mehr Hintergrund verleihen wollte. Aus diesem Grund schuf er beispielsweise eine eigene Sprache für das Kriegervolk, die er Klingonaase nannte (vgl. S. 177). Und tatsächlich nehmen häufig verwendete Begriffe wie " Kai " (vgl. S. 109 oder S. 136), " g'dayt " (vgl. S. 98 oder 143) oder " khest " (vgl. S. 91 oder S. 148) hier den Gebrauchswert ein, den Begriffe wie " petaQ " oder " Qapla' " bei späteren Serien besetzen. Da liegt jedoch auch gleich das Problem. Die spätestens seit dem dritten Kinofilm " Auf der Suche nach Mr Spock " 'offizielle' Klingonensprache , das vom Linguisten Marc Okrand entworfene ' thlIngan Hol' , hat das Klingonaase in den Abgrund des Vergessens gestoßen, und folgende Serien wie TNG, DS9, Voyager und sogar Enterprise hielten sich an Okrands Entwurf fest, ohne Fords Sprachvariante auch nur einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Somit plagt man sich während des gesamten Buches mit einer halbausgegorenen Fantasiesprache herum, der jegliche Relevanz fehlt. Doch es kommt noch schlimmer. Auch wenn die TOS-Klingonen ganz anders aussahen als in den Filmen und der Serie, schloss sich spätestens seit den ENT-Folgen " Die Heimsuchung " und " Die Abweichung " der Kreis, und die kulturellen, sozialen und sprachlichen Eigenarten der Spezies wurden damit de facto in eine Traditionslinie gesetzt. Die Beschreibungen Fords erzählen allerdings von einer ganz anderen Gesellschaft, die in so vielen Punkten vom heute etablierten Klingonenbild abweichen, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. In ihrer Dekadenz, Todesverachtung, Aristokratie, Taktikbesessenheit und Intrigenspinnerei sind die hier beschriebenen Figuren eher mit Romulanern wie dem Captain in " Spock unter Verdacht " vergleichbar, kaum aber mit den kampfeswütigen Stirnwulstträgern, die man sonst kennt, und gerade diese Überschneidungen lassen jene Unterschiede schmerzlich vermissen, die beide Spezies beispielsweise bei TNG deutlich voneinander unterschied. Viele kleine Details verstärken diesen Eindruck noch weiter: Klingonen haben Götter (vgl. S. 14 und " Die Front ") und einen Imperator (vgl. S. 245 und " Der rechtmäßige Erbe "), schlafen auf Matratzen (vgl. S. 69 und " Wiedervereinigung, Teil 1 ") und glauben an ein Jenseits auf Raumschiffen (vgl. S. 78 und " Die Barke der Toten "). Hinzu kommt, dass sie statt klingonischem Blutwein dauernd saurianischen Brandy trinken (vgl. S. 126 und S. 132) oder einen StaSi-gleichen Geheimdienst unterhalten (vgl. S. 133ff.), doch noch weniger glaubhaft sind die Ausssagen, dass klingonische Captains viel Büroarbeiten erledigen müssen (vgl. S. 217), Kaffee den Erfindern des Raktajinos unbekannt ist (vgl. S. 71) und dass die ach so tapferen Krieger vor dem großen Geschäft stets die Klotür abschließen (vgl. S. 236).
Zu den sprachlichen und kulturellen Fehlgriffen gesellen sich schließlich auch noch einige temporale. Der Roman, dessen Handlung um 2220 herum angesiedelt sein soll, markiert angeblich die nicht nur die Erfindung des Transporters (vgl. S. 218ff.), sondern auch den Durchbruch der Warp-Fünf-Grenze (vgl. S. 10), was jedoch schon längst Alltag auf der 2151 vom Stapel laufenden Enterprise unter dem Kommando Jonathan Archers ist. Dieser stellte auch den Erstkontakt zu den Klingonen her (vgl. S. 10) und legte die Strecke, für die Krenn hier bei Warp vier über ein Jahr brauchen soll, bei etwa gleicher Geschwindigkeit innerhalb weniger Tage zurück (vgl. S. 134 und " Broken Bow "). Doch wer weiß, vielleicht kannte Archer ja auch eine Abkürzung? Oder ist er auf ein Wurmloch gestoßen? Eines, dass ihn vielleicht in der Zeit zurückkatapultierte? Das würde jedenfalls auch erklären, warum die Gründung der Föderation, an der Archer ja laut " Stunde Null " beteiligt war, mal eben in die dreißiger Jahre des 22. Jahrhunderts verlegt wurde. Doch diese Fehler sind vor allem in der Verwendung der " Spaceflight Chronology " begründet, die 1987 bereits mit der ersten Staffel TNG ad absurdum geführt wurde, 1984 jedoch noch eines der maßgeblichen Werke zur Star-Trek-Zeitlinie darstellte. Dass Ford ferner den Aussagen später gedrehter Folgen und Filme widersprach, liegt in der Natur der Dinge, und kann dem leider bereits verstorbenen Autor eigentlich nicht vorgeworfen werden. Bei allem Verständnis stören jedoch die Verweise auf Geldwirtschaft (vgl. S. 15, S. 146, S. 180, S. 185, S. 191, S. 192, S. 264, S. 265 und S. 300), der Fortbestand des Fernsehens (vgl. S. 175 und " Die Neutrale Zone ") und der USA (vgl. S. 164 und " Kontakte "), die Verortung der Babelkonferenz auf der Erde (vgl. S. 283 und " Babel One ") oder die abweichende Beschreibung von Rigelianern (vgl. S. 265 und " Dämonen "). Dass dann auch noch die RADE, die uns bei ENT unter dem Namen Terra Prime und in Crispins Roman ' Sarek ' als IGEM vorgestellt wurde, auftaucht (vgl. S. 267), macht den schalen und abgestandenen Geschmack dieses Werkes perfekt und es scheint dabei fast unerheblich, dass Ford immerhin der erste war, der mit dieser Idee auftrumpfen konnte. Den Abschluss dieser Fehlersammlung soll, wie im Buch auch, mit dem Logbucheintrag des Captains der Enterprise enden (S. 329): " Ich denke auch an die vielen und nun nicht mehr löschbaren Logbucheinträge, in denen ich die Klingonen als 'grausame und heimtückische Mörder' bezeichnete. [...] Nun, unsere Erfahrungen mit den Klingonen sind nicht gerade sonderlich angenehm, aber ich glaube, in Zukunft werden ich in Bezug auf meine Lochbuch-Formulierungen vorsichtiger sein. In der Zukunft? Dem Unentdeckten Land ? Das hab ich aber ganz anders in Erinnerung... Fazit : Für seine Zeit war dieses Buch sicherlich ein außergewöhnliches Werk, doch mittlerweile ist es längst ein trauriges Beispiel für einen weiteren Roman, der vom offiziellen Kanon rücksichtslos eingeholt wurde. In Sprache, Kultur und Zeit, aber auch in anderen Bereichen widerspricht " Der letzte Schachzug " mittlerweile allem, was TOS, TAS und den ersten zwei Kinofilmen an Star Trek folgte. Die magere Story, der unbeständige Spannungsbogen und die abweichende Übersetzung tun ihr Übriges, um dem Lesen heute den Sinn zu nehmen und den wenigen positiven Aspekten gelingt es nicht, das verzerrte Bild wieder zurecktzurücken. Denkwürdige Zitate : " Eine Frage, die töricht erscheinen mag, ist törichter Ignoranz vorzuziehen. " Kethas, S. 73 " Es gibt da eine Sache, die in den Büchern unerwähnt bleibt. Ich meine die Stelle - die einzige Stelle - an der Orionerinnen nicht grün sind. " Kothke, S. 92 " Ich mache mich jetzt auf den Weg, um die Windeln meines Enkels Leonard zu wechseln und ich verspreche ihnen, dass ich dabei an Sie denken werden. " Thomas Jackson McCoy, S. 191 " Ihre Technik findet gewiß das Interesse unserer Physiker. Bestimmt werden sie sich fragen, warum Ihr Transportersystem einen so gräßlichen Lärm macht. " Krenn, S. 214f. Bewertung : Kein 'Kai' dem Buch!
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