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In meinen Taschen die Sterne wie Staub

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Titel: In meinen Taschen die Sterne wie Staub
Originaltitel: Stars in my Pocket Like Grains of Sand (1984)
Autor: Samuel R. Delany
Übersetzung: Annette von Charpentier
Verlag: Bastei Lübbe 22084, 442 Seiten, ISBN-10 3-404-22084-6

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Die Domäne der Menschheit umfasst mehr als 6000 Welten, doch es besteht keine Einigkeit. Zwei große Fraktionen, die „Sygn“ und die „Familie“, bilden so etwas wie politische Blöcke. Beide Seiten stehen für Philosophien, die den Weg aus dem Dilemma der sogenannten Kulturfuge bieten sollen. Darunter versteht man den selbstzerstörerischen Untergang einer ganzen Kultur, dem immer wieder ganze Welten zum Opfer fielen. Die Welt Rhyonon jedoch wurde von einer außerirdischen Kultur vernichtet und einzig allein Ratte Korga konnte dieses Inferno überleben. Korga hatte sich auf eigenen Wunsch seinen Willen ausschalten lassen und als bedingungsloser Sklave gelebt. Auf ihn trifft nun der Industriediplomat Marq Dyeth, der sich zu Korga hingezogen fühlt. Korga erwidert die Gefühle, doch die Beziehung der beiden entwickelt sich zur Bedrohung und die Gefahr einer Kultur-Fuge wird greifbar.

Es fällt schwer, den Inhalt dieses Romans in passenden Worten zusammenzufassen, denn Autor Samuel R. Delany bedient sich einer sehr komplexen Sprache. Mehr noch, er versucht den Roman in einer Sprache zu Papier zu bringen, wie sie vielleicht zu Lebzeiten von Marq und Korga üblich sein könnte. Das Buch stellt also auch eine Art Experiment dar und man muss sagen, dass es dem Autor gelungen ist. So wie jemand aus dem 15. Jahrhundert Probleme hätte mit einem Text von heute, ergeht es uns mit diesem Buch, und das ist eine wirklich interessante Erfahrung. Und natürlich bedeutet dies auch, dass dieses Buch sehr schwer zu lesen ist und man zunächst nur sehr wenig versteht, da einem der Hintergrund fehlt und zudem Delany dem Leser keine Hilfestellung gibt. Außerdem gibt es keine wirkliche Rahmenhandlung, sondern nur eher schlaglichtartige Episoden, die die Sache auch nicht leichter machen. Obwohl Delanys Sprache über Strecken wirklich großartig ist, hat man am Ende als Leser ein ungutes Gefühl. Wirkliche Antworten auf all die Fragen, die sich einem während des Lesens gestellt haben, werden nicht gegeben, und es keimt die Erkenntnis, dass das Buch tatsächlich kaum eine Rahmenhandlung hatte.

Es gab eine geplante Fortsetzung mit Titel „The Splendor and Misery of Bodies, of Cities”, die eigentlich im Folgejahr hätte erscheinen sollen, aber erst Mitte der 90er in Fragmenten erschien. Vielleicht wusste Delany am Ende selbst nicht mehr weiter. Eine positive Anmerkung aber noch: Dieses Buch ist das erste, das ich gelesen habe, das so etwas wie ein Internet vorhersagte. Vielleicht hat sogar der in diesem Buch benutzt Begriff Web einen Einfluss auf den Term World Wide Web gehabt, wer weiß. Und die Szene mit den Tausenden, die herbeiströmen, um Rat Korga zu sehen, erinnern an die Instant Mobs, die moderne Kommunikationsplattformen heutzutage hier und da verursachen. Man sieht, ein paar Jahrzehnte sind vergangen, und manches wird verständlicher. Vielleicht wird der Roman für den Leser des 22. Jahrhunderts vollkommen verständlich.

Fakt aber ist, dass es keine wirkliche Rahmenhandlung gibt. Vieles bleibt offen und wäre wohl in der nie erschienenen Fortsetzung behandelt worden. Der Eindruck bleibt, dass sich Delany mit seinem zu hohen Anspruch ein wenig verzettelt hat und am Ende kam ein Buch heraus, dass trotz einer ungewöhnlichen sprachlichen Vielfalt vom Inhalt her leer wirkt. Insgesamt also eher enttäuschend.
6 von 10 Punkten.

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