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SF Film Blog

Star Trek: Treffen der Generationen

Bewertung: 0 / 5

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Titel: Star Trek: Treffen der Generationen
Originaltitel: Star Trek: Generations
Regie: David Carson
Drehbuch: Ronald D. Moore, Brannon Braga
Musik: Dennis McCarthy
Darsteller: Patrick Stewart, Jonathan Frakes, Brent Spiner, Levar Burton, Michael Dorn, Gates McFadden, Marina Sirtis, Malcolm McDowell, James Doohan, Walter Koenig, William Shatner, Whoopi Goldberg u. a.
FSK 12
Laufzeit: 118
USA 1994

Eine Besprechung / Rezension von Andreas C. Lazar
(weitere Rezensionen von Andreas C. Lazar auf fictionfantasy findet man hier oder auf seiner Webseite moviebazzar.de)

Captain Picard muss den scheinbar toten Captain Kirk wiedererwecken, um einen verrückten Wissenschaftler aufzuhalten.

Die Entstehungsgeschichte von Star Trek: Generations (im Deutschen mit "Treffen der Generationen" gewohnt unpassend-bieder betitelt) wird sich ungefähr so abgespielt haben, dass die Macher zuerst mit der Idee aufkamen, die alte mit der neuen Besatzung zu verbinden, und dann erst nach einer Möglichkeit suchten, dies drehbuchtechnisch zu verwirklichen. Traurig, traurig.

Denn da Leonard Nimoy (Spock) und DeForest Kelley (Dr. McCoy) offensichtlich den faulen Braten rochen, haben sie auf ihre Teilnahme verzichtet, wodurch James Doohan (Scotty) und Walter Koenig (is scho recht, Chekov) ihre Dialoge und Rollen übernehmen mussten, was natürlich nie richtig passt und dem Star-Trek-Fan wie ein Schlag ins Gesicht und wie ein Missbrauch der bekannten Figuren anmutet. Auch der Einsatz der unfähigen Nase John Harriman ausgerechnet als Kapitän der Enterprise, des Flaggschiffs der Flotte (eine hübsche Pointe wenigstens, dass es sich um ein Schiff der Excelsior-Klasse handelt, mit deren erstem Schiff, der Excelsior, Kirk und seine Crew manch ein Scharmützel focht), ist genauso unglaubwürdig wie die Behauptung, dass sich im Umkreis von vier Lichtjahren um die Erde, dem Zentrum der Föderation, kein einziges Raumschiff befinden soll. Überhaupt steckt der ganze Film voller Widersprüche, Dummheiten und Unmöglichkeiten, die systematisch die Voraussetzungen der Serie ignorieren und so gerade die Next-Generation-Fans vergraulen, die zum ersten Mal ihre Helden im Kino bewundern wollten: Warum ist Kirk der Einzige, der die Deflektorschüssel der Enterprise-B ummodeln kann (ungefähr so, als würde man den US-Präsidenten bei einem Defekt der Air Force One bitten, selbst den Schraubenschlüssel in die Hand zu nehmen)? Warum werden die El-Aurian-Flüchtlinge nicht gefragt, wer sie denn nun angegriffen hat (weil die Borg dann in der Serie nicht als neue Gegner hätten eingeführt werden können)? Warum sind die Holodeck-Regeln plötzlich außer Kraft usw. usf.?

Neben diesen Ärgernissen fallen noch die lasche Musik und die uninspirierte Kamera auf, die die guten und bisweilen bombastischen (die Dom-Perignon-Eröffnung! Stellar Cartography!), nur selten peinlichen (die aus dem Vorgänger geklaute Bird-of-Prey-Explosion!) Effekte wirkungslos verpuffen lassen. Dazu kommen die durchweg schlechten und hölzernen Schauspielleistungen: Neben den zu Statisten degradierten übrigen Besatzungsmitgliedern irritiert besonders Brent Spiner als "lustiger" "Mr. Tricorder" mit sogenannten "Emotionen", "Tränen" und pseudo-selbstreflexiven Erwägungen, die in peinlich-moralischen Sätzen abgesondert werden, Malcolm McDowell ist nicht mehr als der stereotype verrückte Professor, und Whoopi Goldberg kann der in der Serie praktizierten enigmatischen Rolle der Guinan nichts hinzufügen. Besonders ärgerlich sind allerdings die miserablen Leistungen der beiden Captains, die im Nexus zusammenkommen, einer storyimmanenten Ausgeburt aus der Hölle: Wenn dort Zeit und Raum aufgehoben sind, hindert nichts Kirk und Picard daran, Soran zum Beispiel immer wieder anzugreifen, oder ihn schon vor seiner Geburt zu erwischen, oder bevor er auf die Enterprise trifft. Wie man es auch dreht und wendet: Der ganze Nexus ist ein einziges riesiges Plothole - so sehen die also aus.

Anyway: Jean-Luc Picard, derselbe Mann, der eine Entführung durch die Borg überstanden hat, derselbe Mann, der Dutzenden mordlustigen Außerirdischen die Stirn geboten hat und von Klingonen fast schon als ihresgleichen angesehen wird, heult herum und verlässt, den armen Riker anschreiend, sogar die Brücke, nur weil seine Familie nicht mehr bestehen wird! Er blättert in bunten (?) Fotoalben, fällt auf Sorans plumpe Tricks herein ("Die Zeit ist das Feuer, in dem wir verbrennen") und wünscht sich im Nexus eine spießige Musterfamilie herbei. Ist das der Picard, den man aus der Serie kennt? Ganz entschieden "nein", und so spielt Patrick Stewart denn auch: als wäre ihm gänzlich unwohl in seiner Haut.
So kann er sich vielleicht besser in William Shatner hineinversetzen, der sich in seiner nach Alkohol- und Cortisonmissbrauch aufgedunsenen Haut bestimmt auch schlecht fühlt. Immerhin spielt Shatner nur ein wenig miserabler als sonst: ohne Mimik, ohne Timing und ohne Satzmelodie. Dadurch werden die unsäglich lahmen Pferde-und-Cowboy-Szenen der beiden fast noch unerträglicher als die darauf folgende dilettantische und abgedroschene Action, die Kirk und dem Film endlich ein Ende setzt. Dass Picard dann noch vergisst, seine wertvollen Figürchen aus dem Wrack der Enterprise mitzunehmen, ist geradezu bezeichnend.

Ach ja, das Wrack: In einem tricktechnisch zwar gelungenen, aber für die Story völlig belanglosen, überflüssigen und dadurch ärgerlichen Nebenplot wird die für den Film seltsamerweise auf der Brücke abgedunkelte Enterprise-D, weiß der Berman warum, zu Schrott gemacht. Zuerst kriegen die klingonischen Schwestern Lursa und B'etor auf haarsträubend lächerliche Weise die Schildfrequenz des Föderationsschiffs heraus und decken es dann mit Torpedos ein (dass die Schilde remoduliert werden können, hat man inzwischen wohl vergessen). Das gibt dem Schottuntendurchroller Geordi Gelegenheit, die Hauptsektion des Schiffes auf spektakuläre Weise zu evakuieren, wobei schreiende Kinder, die ihre Teddybären verlieren, natürlich nicht fehlen dürfen. Dann stürzt die Untertassensektion in einer länglichen Szene auf einem Planeten ab und geht zu Bruch. Was das Ganze soll, außer, das Können der Trickspezialisten zu demonstrieren, bleibt bis zum Ende unklar.

Also: David Carson, in der Serie recht erfolgreich, legt hier ein F/X-optisch zwar ansprechendes, aber grausam gespieltes, durchgehend unlogisches, die Fans missachtendes und sich selbst widersprechendes Machwerk vor, mehr als würdig, eine ungerade Zahl zu tragen und nicht mal für lange Star-Trek-Abende gut.

2 von 5 Sternen

Phantast

 

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