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SF Film Blog

Star Trek - Der Film

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Titel: Star Trek - Der Film
Originaltitel: Star Trek - The Motion Picture
Regie: Robert Wise
Drehbuch: Harold Livingston, Alan Dean Foster
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Majel Barret, James Doohan, DeForrest Kelley, Walter Koenig, Nichelle Nichols, Leonard Nimoy,
William Shatner, George Takei
FSK 12
Laufzeit: 132 min (136 min Directors Cut)
USA 1979

Eine Besprechung / Rezension von Andreas C. Lazar
( weitere Rezensionen von Andreas C. Lazar auf fictionfantasy findet man hier oder auf seiner Webseite moviebazzar.de )

Die Entstehungsgeschichte von Star Trek: The Motion Picture ist eine einzige Aneinanderreihung von Unwägbarkeiten, Hindernissen, seltsamen Zufällen und bornierten Produzenten. Schon die dritte Staffel der Originalserie war nur dank massiver Fanproteste und gegen den Widerstand mächtiger Bestimmer zustandegekommen. Danach war erstmal Schluß, und während die (aufgrund im Nachhinein als fehlerhaft erkannter Einschaltquotenberechnungen abgesetzte) Serie durch Wiederholungen auf ungezählten amerikanischen Sendern nach und nach Kultstatus erlangte, bemühten sich der Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry und seine Gesinnungsgenossen lange vergeblich um eine Neuauflage der Serie. Gleichsam als Nebenprodukt entstand dabei eine qualitativ zwar hochwertige, aber kurzlebige Zeichentrickserie mit den Originalsprechern. Als endlich die Pläne für eine neue Serie fertig gediehen und einige neue Schauspieler engagiert worden waren (Leonard Nimoy hatte geschworen, nie mehr spitze Ohren anzuziehen, worauf er durch drei neue Charaktere ersetzt werden sollte), wurde alles wieder umgeworfen, da Star Wars: Episode IV - A New Hope die Kinokassen und die Produzentenköpfe gehörig durcheinandergewirbelt hatte. Paramount erkannte, daß Science-Fiction-Kino wieder salonfähig war und beschloß, mit der eigenen, potentiell goldenen Gans "Star Trek" das große Geld auf der Leinwand zu machen. Da alles natürlich auf Weisung der Studiobosse blitzschnell gehen mußte, wurde flugs ein Drehbuch der neuen Serie, ein billiger Abklatsch einer Originalfolge, fürs Kino umgeschrieben, Leonard Nimoy wurde wieder ins Boot geholt, zwei neue Charaktere blieben drin, ein Regisseur wurde engagiert, und das einfallslos Star Trek: The Motion Picture betitelte Wagnis begann.

Daß der resultierende Film bei solchen Voraussetzungen bestenfalls zu einer Katastrophe wurde, ist da gar nicht mehr verwunderlich. Auch das in astronomische Höhen geschwollene Budget überrascht nicht, und die hanebüchene Story erzeugt auch nicht mehr als ein spöttisches Lächeln. Im Bestreben, möglichst schnell Star Wars: Episode IV - A New Hope Paroli zu bieten, hat Robert Wise alles über Bord geworfen, was die Serie so interessant gemacht hat: als würden sie sich nicht kennen, stolpern die zwar äußerlich gealterten, aber innerlich offenbar völlig unveränderten Crewmitglieder durch eine überlange, mit pseudo-nachdenklichen Diskursen angefüllte und sterbenslangweilige Laßt-uns-die-Erde-retten-aber-erst-zum-Ende-des-Countdowns-Story. Fort sind die erheiternden Neckereien zwischen Bones und Spock, weg Spocks logische Hinweise an Kirk, dahin Scottys Wundertaten. Auch die neuen Charaktere - die "nymphomanische", glatzköpfige Deltanerin Lt. Ilia und der Kirk-Verschnitt Commander Decker - taugen letztendlich nur als Red-Shirts, genauso wie die völlig motivlos gezeigten Klingonen. Selbst die Enterprise ist nicht mehr, was sie mal war: in Räumen, die den Charme sozialistischer Parlamentsvorhallen ausstrahlen, schlurfen blasse Crewmitglieder in lächerlichen Pyjamas von einer Tür zur anderen.

Was dem Film an gelungenen Dialogen, guten Schauspielern (noch schlapper als sonst: William Shatner), bewährten Charakterinteraktionen, Spannung, Action und Charme fehlt, versucht er durch eine nichtendenwollende Spezialeffektorgie zu kaschieren. Zwar sind die F/X für die damalige Zeit gelungen, aber auch das phantasievollste Innere von intelligenten Sonden (eins von Roddenberrys Lieblingsthemen, auch zuvor schon bis zum Exzeß ausgewalzt) wird langweilig, wenn es zwei Drittel des Films darstellt und noch dazu von altklugen philosophischen Erwägungen untermalt wird. Auch die Musik und die Bilder fügen sich anstandslos in das hochgeistige Geschehen, bis auch der letzte Zuschauer in den Schlaf der Gerechten sinkt. Und so bleibt am Ende nur die Erkenntnis, daß Star Trek: The Motion Picture auch nur ein typischer Erstlingsfilm einer erfolgreichen Serie ist: überambitioniert, das Serienerbe und die Fans mißachtend und megalomanisch-überheblich. Zum Glück gab es Fortsetzungen.

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