Die Stadt und die Sterne

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Reihe: Meisterwerke der Science Fiction, Band 39
Titel: Die Stadt und die Sterne (überarbeitete Version von Die sieben Sonnen)
Originaltitel: The City and the Stars (1956)
Autor: Arthur C. Clarke
Übersetzer: Tony Westermayr
Titelbild: Hauptmann und Kompanie
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag 53397 (08/2011); 326 Seiten; 8,99 €; ISBN: 978-3-453-53397-4 (TB)

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Längst hat die Menschheit ihren Zenit überschritten. In einer Zukunft eine Milliarde Jahre nach unserer Zeit leben die Menschen in der gewaltigen Stadt Diaspar in einer vollkommen statischen Kultur. Den Menschen fehlt es an nichts und die Unsterblichkeit ist längst kein Traum mehr. Man lebt eine Lebensspanne von ca. 1000 Jahren, doch dann ist nicht Schluss. Das Bewusstsein wird gespeichert und in einigen Millennia werden Mensch und Geist neu geboren - das heißt eher, ein erwachsener Mensch wird zunächst ohne Erinnerung in die Obhut Diaspars entlassen. Mentoren sorgen für die Entwicklung und bei Erlangen der Reife erhält der jeweilige Mensch Zugriff auf die Erinnerungen seiner vorangegangenen Leben, wobei er selbst entscheidet, welche Erinnerungen er behalten möchte und welche nicht. Doch all dies trifft nicht auf Alvin zu. Er lebt sein erstes Leben und schon bald stößt sein aufgeweckter Geist in Diaspar auf Grenzen, die er unbedingt überwinden möchte. Was ist außerhalb der Stadt? Gibt es noch andere Menschen? Was ist der Sinn des Lebens? Auf all diese Fragen findet er in der großartigen und reichen Stadt keine Antworten. Sein Ziel ist es, die Stadt zu verlassen, doch seit Äonen hat kein Mensch Diaspar verlassen und keiner kennt einen Weg hinaus.

Das Szenario, das Arthur C. Clarke beschreibt, ist interessant – sehr interessant. Ist es möglich, eine Stadt in vollkommener Stabilität zu schaffen? So wie Clarke dies beschreibt, ist dies logisch und erscheint möglich. Sogar Alvin (bitte verzeiht diesen Spoiler) ist eine gewollte Anomalie, die der Stadt neue Impulse geben soll. Für die Menschen scheint Diaspar das perfekte Utopia zu sein. Die meisten Menschen leben seit Millionen von Jahren, die Mehrheit aber wartet auf das erneute Erwachen in ein Leben der vollkommenen Selbstverwirklichung. Die Dimensionen sind wahrlich sehr hoch gegriffen. Eine Milliarde Jahre scheint mir ein viel zu großer Zeitraum zu sein, aber man muss diese Zeiträume wohl eher metaphorisch betrachten. Interessanter ist da schon die Ausstattung der Stadt. Für einen Roman der damaligen Zeit (1956) bietet Clarke erstaunliche Ideen: Menschen können materielle Avatar überallhin projizieren und auch die Gestalt der Stadt kann jederzeit verändert werden. Möbel und Türen können aus dem Nichts geschaffen werden. Das ist schon eine faszinierende Vorstellung und der Autor hat hier wirklich Großartiges geschaffen. Auf der anderen Seite lahmt die Handlung ein wenig. Alvin sucht seine Bestimmung, gut. Aber darauf hätte sich der Autor konzentrieren sollen. Stattdessen rollt er die Geschichte der Menschheit auf und bringt eine ominöse Gefahr ins Spiel, die vor Äonen die Menschheit zum Rückzug nach Diaspar zwang. So ist das Buch also keine reine Utopie, sondern auch ein Science-Fiction-Roman. Doch keinem der beiden Aspekte wird der Roman wirklich gerecht, sondern pendelt ständig zwischen beiden Polen. Trotzdem ist aber der Roman wegen der visionären Kraft Arthur C. Clarkes durchaus lesenswert. Vom „Buffet“ der Ideenvielfalt Diaspars haben sich ganze Generationen von SF-Autoren bedient und besonders aus diesem Grunde hat es das Buch verdient, in der Reihe „Meisterwerke der Science Fiction“ neu aufgelegt zu werden. Besonders schön ist, dass die Übersetzung überarbeitet und um ein Vorwort von Gary Gibson ergänzt wurde.
7 von 10 Punkten

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