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Shriek

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Titel: Shriek
Originaltitel: Shriek: An Afterword (2006)
Autor: Jeff VanderMeer
Übersetzung: Hannes Riffel
Titelbild: Jonathan Edwards
Verlag/Buchdaten: Klett-Cotta Verlag (10/2008); 489 Seiten; 24,90 €; ISBN: 978-3-608-93778-7 (TPB mit Klappbroschur)

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Wer das Buch "Stadt der Heiligen & Verrückten" kennt, wird sich in "Shriek" sehr schnell einlesen. Jeff VanderMeers Ambra steht wieder im Mittelpunkt als Handlungsort. Das Schöne an Ambra, der Stadt der Heiligen & Verrückten, ist, sie könnte überall bestehen, ja, man könnte fast in das nächste Reisebüro gehen und einen Flug dorthin buchen.
Aber worum geht es in diesem Buch eigentlich? Da ist Duncan Shriek. Historiker von Beruf, aber nicht auffindbar. Man meint, er sei tot, doch gibt es keinerlei Beweise. Weder dafür noch dagegen. Duncan hat in seiner Arbeit als Historiker herausgefunden, dass an dem Platz, auf dem heute die Stadt Ambra steht, sich die Stadt Cinsorium befand. Immer wieder stieg er hinunter in die Unterwelt, in der sich die Grauhüte befinden. Er will beweisen, dass sie es waren, die am Tod von 25.000 Bewohnern der Stadt Cinsorium Schuld trugen. In Ambra verlacht man ihn, aber er lässt sich davon nicht in seiner Meinung beirren. Mit seiner Beschreibung der Grauhüte erinnert mich Jeff VanderMeer ein wenig an William Hope Hodgson "The Voice in the Night" von 1914.
Das Buch beginnt mit einem vorgezogenen Nachwort von Janice Shriek. Sie geht dabei von der Voraussetzung aus, ihr Bruder werde nicht wiederkommen. Das Nachwort galt dabei Hoegbottons Führer zur Frühgeschichte der Stadt Ambra von Duncan Shriek. Aber Duncan kann nicht verschwunden oder gar tot sein. Das Buch enthält Notizen von ihm, die sich eindeutig auf das geschriebene Wort seiner Schwester beziehen. In der Hinsicht ist das Buch, als Nachwort, Familienchronik, Beziehungskrise zu Mary Sabon und Totenklage vollkommen falsch.
Die ehemalige Galeristen Janice Shriek ist vielleicht gar nicht einmal die richtige Person, einen Nachruf auf ihren Bruder zu schreiben. In jungen Jahren hatte sie alles hinter sich, was die High Society von Ambra ausmacht: Sex und Drogen, wilde Parties und einen Selbstmordversuch. Daraufhin musste sie sich einige Zeit in einer geschlossenen Anstalt einer Therapie unterziehen. Als man sie entlässt, muss sie mit Entsetzen feststellen, dass sich die Kunst gewandelt hat und nichts mehr damit gemein hat, was sie kennt. Ihr Bruder ist arbeitslos und seine Aufmerksamkeit erregenden Theorien verlieren genau das. Da bricht zwischen den Verlagshäusern Frankwrithe & Lewden bzw. Hoegbotton und Söhne ein Verlagskrieg aus. Das Geschwisterpaar Shriek nimmt eine Stellung als Kriegsberichterstatter an. Dieser Krieg geht sogar so weit, dass es zu regelrechten Massakern während einer Opernaufführung kommt. Zuerst auf der Bühne, dann mitten im Saal. Während sich Janice weiterhin mit dem Verlagskrieg beschäftigt, verschwindet ihr Bruder im Untergrund von Ambra, um sich weiterhin seinen Forschungen zu widmen.

Jeff VanderMeer ist ein Autor, der es versteht, seine Bilder, die er vor sich sieht, dem Leser wortgewandt zu vermitteln. Als Leser kann ich mir durchaus vorstellen, Janice über die Schulter zu schauen, wie sie auf ihrer Schreibmaschine (siehe Titelbild) ihren Bericht schreibt, wohlwissend, die Pilze werden die Schreibmaschine und eventuell auch jeden und alles, was damit in Berührung kam, zersetzen. Jeff VanderMeer schrieb ein Buch, dessen Ironie - ja, man kann es fast Sarkasmus nennen - begeistert. Wie bereits bei "Stadt der Heiligen & Verrückten" kann ich mich für den Roman richtig begeistern.

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