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S.F.X (Wurdack SF, Band 10)

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Reihe / Serie: Wurdack-SF-Reihe, Band 10
Titel / Originaltitel: SFX
Herausgeber: Armin Rößler & Heidrun Jänchen
Verlag / Buchdaten: Wurdack Verlag (2007), 226 Seiten, ISBN 3-938065-29-X

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Die ambitionierte SF-Reihe des Wurdack Verlags feiert mit dieser Anthologie den 10. Band - daher der Titel SF X (X = 10 im römischen Zahlensystem). 20 Geschichten bietet diese Sammlung, und diese sind so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten. Ich will nun auf die Geschichten eingehen, die herausgestochen sind:

Andreas Tillmann - Happy Birthday:
Die Autorin schreibt über eine nahe Zukunft, in der das Gesundheitssystem genau über den Einzelnen wacht und so darauf achtet, dass nichts passiert, dass jegliche Freiheit verloren ging. Die doch recht zynische, aber durchaus gelungene Geschichte konnte den CapCo Wettbewerb der Deutschen Cyberpunk Community gewinnen. Tatsächlich ist diese Geschichte das erste Highlight der Sammlung.

Christoph Günther - Habitat
Die Erzählung komprimiert die Geschichte eines ganzen (möglichen) Romans auf wenige Seiten, ohne dass sie gepresst wirkt. Die Geschichte um das Pärchen, das nach einem fast missglücken Terraforming-Projekt verbissen arbeitet, bis ein unberechenbarer Faktor ins Spiel kommt, ist zwar nicht sehr originell, aber gut erzählt.

Frank Hebben - Amythist
Die düstere Zukunftsvision um einen Mann, der illegal Körperteile für einen anderen besorgt, ist eine moderne Variante von Frankenstein mit einem recht fiesen Twist am Ende. Wiederum eine Geschichte, die mehr durch Erzählkunst als durch Originalität überzeugt.

V. Groß - Die Befreiung eines Fremdlers
Die Geschichte des Erstkontaktspezialisten Muller besticht durch interessante Ideen und gelungene Wendungen. Wenn das Ende überraschender oder raffinierter gewesen, so wäre dies eine der besten Geschichten des Jahres 2007 geworden. Schade.

Heidrun Jänchen - Der Turm der Träume
Die Autorin und Mitherausgeberin dieser Anthologie ist eine der progressivsten SF-Autorinnen Deutschlands. Wieder bietet sie ein kompromissloses Szenario, in dem die Menschen auf ihren Körper verzichten, weil es billiger ist, ein Gehirn als einen ganzen Körper zu unterhalten. Konnte sie mich noch in der Sammlung Lazarus vollkommen überzeugen, gelang es ihr hier nicht, denn das Ende war zu vorhersehbar. Aber die nächste Geschichte überzeugt bestimmt wieder.

Edgar Güttge - Die Hohenzollerbrücke
Güttges Geschichte um einen Eisenbahnwagon, der aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gerissen wird, ist die Variation eines Themas, das schon oft aufgegriffen wurde. Aber die Geschichte wurde gut erzählt, und es blieb ein tiefer Eindruck von dieser Geschichte zurück. Und das gelungene Ende rundet die Geschichte gekonnt ab. Diese Geschichte ist ohne Zweifel ein weiteres Highlight der Sammlung.

Kai Riedermann - Der Dichter und die Sängerin
Was passiert, wenn die bildenden Künste vollkommen kommerzialisiert werden, belegt Kai Riedermann in dieser sehr düsteren Zukunftsvision sehr gekonnt. Diese Idee wäre es wert, die Grundlage für einen Roman zu bilden. Ich hoffe, der Autor denkt über diese Option nach.

Armin Rößler - Cantals Tränen
Der Herausgeber dieser Anthologie bietet wieder einmal eine Geschichte aus seinem Angona-Universum. Handwerklich versteht der Autor durchaus sein Werk und der Leser bekommt eine solide, runde Geschichte geboten, die sich flüssig liest und den Leser von Anfang bis Ende gut unterhält.

Frank W. Haubold - Heimkehr
Die Geschichte, ein wenig erinnernd an Picknick am Wegesrand, beschreibt die Konfrontation der Menschen mit einem unerklärlichen Phänomen, das die Regeln für Zeit und Raum aufhebt. Der Funke der Begeisterung für diese Geschichte wollte aber nicht auf mich überspringen. Frank Haubold konnte mich dieses Mal nicht überzeugen.

Fazit: Die Sammlung enthält einige sehr gelungene Kurzgeschichten und Erzählungen, die geeignet sind, für einen der Deutschen SF-Preise nominiert zu werden. Erfreulicherweise war keine Geschichte dabei, die als Ausrutscher betrachtet werden könnte. Hier und da dachte man sich beim Lesen: Das kann der Autor besser, er hat es schon bewiesen. Und machmal war die Wahl des Themas ein wenig unglücklich, denn die x-te Variation eines Themas wird nicht unbedingt besser als das Original. Da hätte ich mir mehr Originalität gewünscht - ganz so wie es die Vorgängeranthologie Lazarus gezeigt hatte.
Doch ich will die Anthologie nicht schlecht reden. Der Band hat mir einige Stunden guter Unterhaltung beschert und es waren einige wirklich gelungene Erzählungen dabei, die mich als Leser auch noch nach Beendigung der Lektüre beschäftigten.

 

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