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Science Fiction (B)
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| Serie / Zyklus: ~ Titel: Schafe blicken auf Originaltitel: The Sheeps look up Autor: John Brunner Übersetzer: Horst Pukallus Verlag / Buchdaten: Heyne Besprechung / Rezension von Oliver Faulhaber |
Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des wohl bekanntesten Romans Brunners erschien 1997 in der recht edel aufgemachten Reihe "High 8000" - eine Hardcoverausgabe in Taschenbuchgröße mit einem Vorwort von Wolfgang Jeschke- diese Neuausgabe. Kurz nach der Jahrtausendwende treibt die Menschheit dem Untergang entgegen: In den Ballungsgebieten kann man sich ohne Filtermaske nicht mehr auf die Straße wagen, die Sonne sieht man nur noch selten und die Meere sind vergiftet. Die Verbrechensrate explodiert, Ökoterroristen verüben Anschläge, die Menschen sind krank und Neugeborene sind mißgebildet ... diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen und man würde nicht einen einzigen positiven Punkt finden können. Und obwohl man zu Beginn des Buches erschreckt die ganzen Ausmaße der Zerstörung unseres Planeten erkennt, steigert sich die Schwarzmalerei im Laufe des Buches noch gewaltig: Seuchen und Bürgerkriege brechen aus, Menschen sterben en masse (und falls sie nicht sterben, werden sie entweder wahnsinnig, behindert, arm, krank oder verlieren im besten Fall nur einige Familienmitglieder) und niemals hat man als Leser auch nur die geringste Hoffnung, daß Besserung eintritt. (Außer einmal, woraufhin sie aber von einem Bombenanschlag gleich wieder zunichte gemacht wird) Sollte hier der Eindruck entstehen, daß das Buch eine durch und durch pessimistische Aussage hat, ist das durchaus beabsichtigt: falls jemand leicht zu Depressionen neigt, sei ihm von diesem Buch entschieden abgeraten. In kurzen Kapiteln schildert Brunner mosaikartig zum einen die Erlebnisse der rund ein Dutzend Protagonisten während des entscheidenden Jahres, zum anderen werden diese aber von diversen anderen Belegen der erdachten Zeitgeschichte durchsetzt: Listen von Umweltgiften, Schildern an Sauerstoffspendern, Anzeigen der Welthungerhilfe und auch Nachrichtensendungen. Auch Zeugnisse aus unserer Vergangenheit fehlen nicht, so zum Beispiel ein "frommes" Lied über die Missionierung aus dem 19. Jahrhundert, bei dem man sich frägt, wer der wirklich Primitive ist. Durch das häufige Wechseln der Perspektive und der Struktur stellt sich keinerlei Lesefluß ein, doch das ist genau das, was Brunner beabsichtigt: dem Leser eine Art innere Unruhe zu bereiten, die ihn den drohenden Gefahren gegenüber sensibilisiert. So schildert er beispielsweise auf zweieinhalb Seiten die Folgen verseuchten Leitungswassers, indem er überaus drastisch und kühl - jedoch immer mit einem gehörigen Schuß schwarzen Humors verbunden - die letzten Minuten einiger Betroffener schildert. ("Wo ist die Tür? Tür. Fenster ist näher. Es öffnen. Falle hinaus in den Wind und schwebe fort über die Berge, huuuhuuuuu. - Vier Stockwerke über der Straße; die war hart." ... vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis hinzufügen, daß die Verseuchung durch eine Art Halluzinogen stattfand). Urteil: Das Buch hebt sich sowohl aufgrund der erzeugten Atmosphäre als auch seiner besonderen Struktur positiv aus der Masse heraus und zeigt, daß Science Fiction mehr als bloße Unterhaltung bieten kann: auch wenn Begriffe wie Umweltschutz mittlerweile einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft besitzen, ist die von Brunner geschaffene Zukunft immer noch denkbar und erschreckt aufgrund des hohen Realismus. Bewertung: 9 von 10 Punkten
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