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Destiny – Eine Chronik angekündigter Todesfälle (Sandman präsentiert; Band 4)

Serie: Sandman präsentiert; Band 4
Titel: Destiny – Eine Chronik angekündigter Todesfälle
Originaltitel: Destiny: A Chronicle of Deaths Foretold
Autorin: Alisa Kwitney
Zeichnungen: Michael Zulli; e.a.
Farben: Sherilyn van Valkenburgh
Übersetzer: Gerlinde Althoff
Lettering: Alessandron Benedetti
Ausstattung: SC mit Faltcover, 156 Seiten
Verlag: Panini Comics, 2011, ISBN: 978-3-86201-179-7

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

Wir schreiben den Beginn des 21. Jahrhunderts: die Rückkehr einer antibiotikaresistenten Variante der Pest hat weite Teile der Erde entvölkert. Eine junge Frau, Ruth Knight, ist eine der wenigen Überlebenden, die ihre Kinder, Mütter, Väter und Ehegatten zu Grabe getragen haben und nun selbst – verbarrikadiert in ihren Häusern - ein Dasein in Angst vor dem Schwarzen Tod fristen.
Eines Tages taucht vor Ruths Heim ein geheimnisvoller Fremder auf, der sich John Ryder nennt und der die übrigen Menschen der kleine Stadt, die Ruth ihre Heimat nennt, kennen lernen möchte. Nach einer einwöchigen Quarantäne stellt die Frau den Fremden daraufhin in der Kirche einigen Gemeindemitgliedern vor. Bei dieser Gelegenheit offenbart ihnen John, dass er ein Buch des Schicksals mit sich trägt, in welches vor über 100 Jahren ein nordenglischer Pfarrer ein geheimnisvolles Pergament eingearbeitet haben soll, ein Pergament, das über die Justinianische Pest, den Schwarzen Tod und die Große Pest berichtet.
Auch wenn er ihnen einen Blick in das Buch verwehrt, so bietet John den Überlebenden an, ihnen daraus vorzulesen, beginnend mit der Geschichte über die Pest im Konstantinopel des 6. Jahrhunderts endend mit der Großen Pest rund ein Jahrtausend später.
Je mehr John vorträgt und je länger sie ihn betrachtet, desto sicherer ist sich Ruth, dass er kein Mensch ist, denn in den drei Chroniken spielen ebenfalls ein Fremder wie er, ein weißes Ross sowie jeweils eine junge Frau tragende Rollen und der John Ryder, den sie kennt, zeigt auffälliges Interesse an ihrem eigenen Pferd.

Obgleich Alisa Kwitney eine sehr gefühlsbetonte, ja fast romantische Geschichte gewürzt mit Elementen eines unterschwelligen, klassischen Horrors à la E.A. Poe und unter weitgehenden Verzicht auf explizite Gewalt erzählt und insofern eher auf eine weibliche Leserschaft rekurriert, kann sich selbst ein harter Kerl wie ich der Poesie dieses Sammelbandes entziehen. Allerdings liegt das weniger an den Liebes-Tändeleien oder den schmachtenden, leidvollen Dialogen bzw. Monologen, als vielmehr am grandiosen Artwork, das trotz aller Unterschiedlichkeiten in der Ausführung in toto gleichermaßen leicht und flirrend wie in der malerischen Koloration expressiv und atmosphärisch intensiv wirkt, in dem es nicht um das Abmalen einer Realität geht, sondern um das Erzeugen von Emotionen mittels unterschiedlicher Zeichen- und Kolorationstechniken geht.
Bedauerlicherweise – und das zeigt, dass Kwitney nicht an den Herren und Meister des Sandman-Pantheons, Neil Gaiman höchstselbst, heranreicht, auch wenn ihre Story wundervoller ist, als man es erwarten konnte – wird der historische Zauber der Chroniken durch einen Lapsus zerstört, der Gaiman so nicht passiert wäre: Kwitney lässt ihre Handlungsträger innerhalb ihres ganz eigenen historischen Kontextes die Ewigen mit Destiny oder Destruction benennen; das ist nicht nur fantasielos, sondern zerstört die Illusion historischer Authentizität, die auch für das Funktionieren des hypochondrischen Grusels zumindest förderlich ist, an dieser Stelle vollkommen.

Fazit: Ein grandios visualisierte poetische Geschichte an der Grenze zwischen Historien-Drama, Liebesschnulze und Horror; eine Geschichte die des Sandman-Universums würdig ist.

 

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