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Replay - Das zweite Spiel

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Serie / Zyklus: Heyne: Meisterwerke der Science Fiction
Titel: Replay - Das zweite Spiel
Originaltitel: Replay
Autor: Ken Grimwood
Übersetzung: Norbert Stöbe
Verlag / Buchdaten: Wilhelm Heyne

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Das Leben und die erfolglose Ehe des drittklassigen Radiojournalisten Jeff Winston wird jäh beendet, als scheinbar ein Herzinfarkt seiner körperlichen Existenz ein Ende setzt. Umso mehr überrascht ist Jeff, als er wieder aufwacht, im Körper seines eigenen, 25 Jahre jüngeren Selbst. Wieder 18 Jahre alt und als Student am College, scheint er nochmals sein ganzes Leben vor sich zu haben. Nachdem er anfangs nicht recht weiß, was er anstellen soll, kommt ihm bald die Idee, beim Pferderennen auf einen Außenseitersieg zu setzen, weil er diesen noch in Erinnerung hat. So vermehrt er sein Geld recht schnell und schwingt sich auf zum Vorstand eines Finanzriesen. Es ist hilfreich, wenn man viel Geld machen will, zu wissen, wie sich diverse Firmenwerte verändern werden. Doch am Ende stellt Jeff nach 25 Jahren fest, dass sein Leben auch nicht viel glücklicher war als sein vorhergehendes. Und er erhält eine neue Chance: Trotz bester Gesundheit und vorbildlichster Lebensführung endet sein Leben wieder in der selben Sekunde. Wieder ist alles ausgelöscht inklusive seiner Tochter, die er nie wieder sehen wird. Frustriert beginnt Jeff sein Leben erneut.

Die Idee, wenngleich auf 25 Jahre ausgebreitet, ist allen bestens aus dem Film Und täglich grüßt das Murmeltier bekannt. Freilich ist Replay älter und dürfte neben der Kurzgeschichte "12:01 PM" von Richard A. Lupoff die Vorlage für diesen Film gewesen sein. Einem Menschen wird die Chance gegeben, sein Leben erneut zu durchlaufen. Fluch oder Segen? Diese Frage stellt sich der Protagonist in dem Roman mehrfach und die Antwort tendiert mal in die eine, mal in die andere Richtung. Scheinbar ewig verdammt dazu, sein Leben stets erneut zu durchleben versucht es Jeff Winston mit verschiedenen Ansätzen und dann, als er Glück zu haben scheint, zeigt sich, dass die Anzahl der Durchläufe endlich ist.
Der Roman ist hervorragend geschrieben. Ken Grimwood lässt seinen Protagonisten über 200 Jahre durchleben, und in seinen Beschreibungen wird das nie langweilig und kein Absatz wirkt überflüssig. Das ist eine beachtliche Leistung angesichts des Schwierigkeitsgrads, den diese Geschichte so mit sich bringt. Auffallend war auch, dass der Autor immer dann, wenn die Geschichte in einen wiederholenden Trott zu gleiten schien, eine neue Wendung brachte und damit den Stoff wieder interessanter machte. Alles in Allem ist Replay also ein sehr guter Roman. Lediglich das Ende ließ mich als Leser ein klein wenig unbefriedigt zurück. Der Schluss mochte mir einfach nicht gefallen, aber das ist sicherlich auch Geschmackssache, und allen kann man es nie recht machen.
Ein Wort noch zu dem - beschönigt ausgedrückt - misslungenen Vorwort. Was John Grant so schreibt, ist zum einen eine Romanzusammenfassung. Hat man also die Einführung gelesen, kann man gleich den Roman ungelesen ins Regal stellen. Als Nachwort wäre das wohl noch vertretbar gewesen, wenn er nicht krakeelen würde, dass SF und Fantasy im Hinblick auf Zeitreisen diese nur als Träume von Parallelwelten abhandeln, aber diese Vorstellung nur unzureichend umsetzten. Dem möchte ich entschieden widersprechen, denn es gibt einige Beispiele, in denen dies hervorragend gelungen ist. Dem guten John Grant fehlt es selbst ein wenig an Phantasie, denn sonst hätte er wohl auch mehr zustande gebracht als eine Inhaltszusammenfassung und Leseanleitung für dröge Amerikaner.
Dies ist der zweite Aspekt des Vorworts: Es schreibt seitenweise über die Erzähltechnik und die Kunst, die Grimwood in seine Worte legt. Grant breitet aus, wie diese Teile wirken und warum, aber wenn man das Buch schon gelesen hat, dann ist einem das eigentlich klar, denn so kompliziert ist der Roman nun auch wieder nicht. Also ist das Vorwort auch als Nachwort ungeeignet. In diesem Zusammenhang ist der Text am Ende des Vorwort schon fast unfreiwillig komisch: Der Amerikaner John Grant ist einer der profiliertesten Science-Fiction- und Fantasy-Autoren der Gegenwart. Aber halt: Vielleicht ist das ein Übersetzungsfehler, und es hätte profilneurotischsten heißen müssen.

Aber lassen wir das mit dem Vorwort. Dem Roman tut das keinen Abbruch und man muss es ja nicht lesen. Der Roman ist empfehlenswert und durchaus würdig, in der Reihe Meisterwerke der SF erschienen zu sein. 8 von 10 Punkten.

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