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Bibliographien (kurz)

Mummenschanz (Scheibenwelt)

Bewertung: 5 / 5

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Serie / Zyklus: Scheibenwelt, Hexen #5
Titel: Mummenschanz
Originaltitel: Maskerade
Autor: Terry Pratchett
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Verlag / Buchdaten: englisches Original: BCA-Ausgabe von 1996 - Hardcover, 285 Seiten / Goldmann Verlag, 352 Seiten, Juni 2002, ISBN-13: 978-3442452606

Eine Besprechung / Rezension von Wiebke Schiefelbein (ElvenArcher).

Inhalt:

Nanny Ogg ist der Meinung, dass zu einem zünftigen Hexenzirkel zwei Hexen nicht reichen, und da Magrat ihre Karriere als Hexe zugunsten ihrer Ehe und der Position einer Königin aufgegeben hat, fehlt jetzt eine. Oma Wetterwachs ist von dieser Idee nicht so recht begeistert, auch als Nanny Agnes Nitt als Kandidatin präsentiert - mit dem kleinen technischen Problem, dass Agnes nach Ankh-Morpork gezogen (geflohen) ist, um Sängerin zu werden (unter dem Pseudonym Perdita X), sieht sie noch keinen Grund, sich für eine Aufstockung zu engagieren.
Dann stellt sich heraus, dass Nanny Ogg unter dem Namen "Die Hexe von Lancre" (eigentlich Omas Titel) ein Kochbuch (technisch gesehen) herausgegeben hat. Das Buch ist ein Hit und ihr Verleger aus Ankh-Morpork hat ihr das Geld (ein paar Dollar, mit denen sie die Veröffentlichung bezahlt hat) plus 3 Dollar extra zurückgeschickt. Oma rechnet nach und kommt auf eine unwesentlich größere Summe von ca. 5.000 Dollar, und nun, meint sie, sei es vielleicht doch an der Zeit, nach Ankh-Morpork zu reisen, um Nanny Oggs Interessen zu wahren - so nebenbei könnte man dann bei Agnes auch noch nach dem Rechten schauen und die Oper besuchen.

In Ankh-Morpork ist Agnes mittlerweile Chormädchen im Opernhaus, wo ein Geist sein Unwesen treibt und der Reihe nach Leute umbringt. Da sie die Stimme, aber nicht das Aussehen und zuviel Intelligenz für eine große Diva hat, wird Agnes überredet, Christine, einem anderen Chormädche mit Aussehen und ohne Stimme/Intelligenz ihre Stimme zu leihen. Auf Christine hat der Geist ein Auge geworfen und trainiert ihre Stimme - nicht wissend, dass es Agnes ist, die er Nacht für Nacht üben lässt. Verkompliziert wird das Ganze, weil es zwei Geister zu geben scheint.

Oma und Nanny stehen nun vor der Aufgabe, nicht nur Nannys Recht geltend zu machen, sondern auch Agnes', außerdem müssen die Geister bzw. der Mörder entlarvt werden, die wahre Identität des Tenors Seíor Enrico Basilica geschützt und so nebenbei das ganze Opernhaus gerettet werden. Es ist Zeit für den Auftritt von Lady Esmeralda ...

"There's an accident waiting to happen if ever I saw one!"
Granny Weatherwax - while looking up at the big chandelier.

Fazit:

Müsste man Terry Pratchetts Mummenschanz mit wenigen Wörtern beschreiben, käme dabei etwas raus wie: Das Phantom der Oper trifft Singin' in the Rain. Ich kann mir vorstellen, dass Terry Pratchett gerade Andrew Lloyd Webbers Musical Phantom of the Opera gesehen hatte, das Buch anfing zu schreiben und dann Gene Kellys Singin' in the Rain im Fernsehen lief. Nebenbei wird noch so das eine oder andere Musical der Filmgeschichte auf die Schippe genommen, aber die beiden vorgenannten dominieren.

Der Handlung merkt man an, dass es ein früher Pratchett ist, sie ist eher nebensächlich (und sowieso allgemein bekannt). Es scheint allein darum zu gehen, eine witzige Szene an die andere zu reihen, als eine sinnreiche Geschichte zu erzählen. Bei der Auswahl dieser Szenen greift Pratchett auf allerlei Klischees zurück, durch seine Bearbeitung  erhalten sie aber reichlich  Situationskomik. Seien es nun die Szenen, wo Oma und der Tod ein Pokerspiel um das Leben eines Kindes spielen (der Dialog der beiden gehört zu den besten im ganzen Buch) oder Omas Auftritte als Lady Esmeralda.
Die Nebencharaktere sind hauptsächlich Staffage, um den Witz der Situation herauszubringen - die Hauptpersonen sind sowieso Oma und Nanny. Ihre Beschreibungen halten sich auf einem Minimum, so dass eine Vorkenntnis durchaus ratsam ist, denn dann kommt der Witz der Situationen am besten raus. Selbst Agnes Nitt bleibt nur skizzenhaft und spielt in späteren Büchern keine Rolle mehr. Sie hat es schwer, in Magrats Fußstapfen zu treten, Pratchett scheint sich damit selbst überfordert zu haben. Erst Jahre später kreiert er einen "Zauberlehrling" der auf ein ähnliches Format wie Oma und Nanny kommen könnte: die kleine Tiffany aus Kleine freie Männer.
Allerdings bindet er schon die eine oder andere Moral ein; das fängt damit an, dass innere Werte wichtiger sind als das Äußere, man sich nicht gegen seine Bestimmung stellen soll (besonders wenn man dazu ausersehen ist, eine Hexe zu werden) und hört damit auf, dass Geld allein nicht glücklich macht und den Charakter verderben kann. Einer der Gründe, warum Oma schnell dabei ist, Nannys Gewinn auszugeben, und zwar mit vollen Händen.

Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt und schon langweiligere Pratchetts gelesen. Die Entwicklung, welche er in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist schon ansatzweise zu erkennen und es machte Spaß, das Buch nach knapp 10 Jahren wieder einmal zu lesen. Interessanterweise wußte ich es mehr zu schätzen als damals beim ersten Lesen.

8 von 10 Punkten
- Juli 2005 -

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