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Für eine bessere Zukunft (Morning Glories, Band 1)

Reihe: Morning Glories, Band 1
Titel: Für eine bessere Zukunft
Autor: Nick Spencer
Übersetzung: Claudia Fiege
Zeichnungen: Joe Eisma
Cover: Rodin Esquejo
Farben: Alex Sollazzo
Lettering: Gianluca Pini
Buch/Verlagsdaten: Panini Comics, April 2012, 196 Seiten, Softcover, ISBN-13: 978-3862012992

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

In der Morning-Glory-Akademie, die es innerhalb kürzester Zeit zur angesehensten Elite-Kaderschmiede schlechthin gebracht hat, treffen sechs auserwählte, aus sehr unterschiedlichen sozialen Backgrounds stammende neue Schüler ein. Außer ihrem Geburtstag und Alter haben die toughe, hochintelligente und knallharte Casey, der intrigante, tendenziell antisoziale Ike, der bodenständige, ruhige Hunter, das emotionale Landei Jade, die promiskuitive, lebenslustige Zoe und der einzelgängerische Jun auf den ersten Blick nichts gemein.
Zwar erfolgt die Aufnahme in das Institut fast schon überschwänglich und die Unterbringung auf einem Flur sorgt dafür, dass sich die Teenager nicht verloren vorkommen, aber erste Anzeichen deuten daraufhin, dass freundlicher Schein und tatsächliches Sein auseinanderklaffen. Während die Kommilitonen sich lediglich darüber wundern, dass nicht nur ab sofort Kontakte zur Außenwelt nicht mehr erwünscht sind, sondern dass ihre eigenen Eltern – sofern vorhanden – ihre bloße Existenz am Telefon verleugnen, kommt Casey schon nach kürzester Zeit einem – dem ersten - schrecklichen Geheimnis der Akademie auf die Spur.
Ehe sie sich versehen, finden sich die neuen Schüler in einem totalitären, gewalttätigen System wieder, dessen sadistische Lehrkräfte und Angestellte selbst vor Folter nicht zurückschrecken, um die Teenager zu brechen; und das alles im Namen einer dubiosen Bestimmung, die man in den jungen Leuten vermutet.
Als Jade nach einem Zusammentreffen mit einer geheimnisvollen Gefangenen in einem verborgenen Zellentrakt spurlos auf der Krankenstation verschwindet, entwickelt Casey einen ausgeklügelten Plan zur Befreiung der Freundin, einen Plan, der zwar berücksichtigt, dass einer von ihnen ein Verräter ist, der aber letztlich doch scheitert, weil in der Akademie noch andere Gefahren als nur sadistisches Personal lauern.

Ähnlich einem modernen Action-Film beginnt Nick Spencers Geschichte mit einem rasanten und blutig inszenierten Cold Opening, das dem Leser schon zu Beginn vor Augen führt, dass es sich bei der Morning Glory Akademie um einen alles andere als harmlosen Ort handelt. Aufgrund dieser Dramaturgie sind selbst die vergleichsweise konventionelle Einführung der Charaktere, ihre ersten Begegnungen und harmlosen Schritte in ihrer neuen Umgebung mit einem Ton der Gefahr und Bedrohung unterlegt, der spätestens mit Caseys erster handfester Konfrontation mit dem System ohrenbetäubend wird.
Dass der Autor im vorliegenden Tradepaperback nicht sofort in medias res geht, sondern zunächst die Charaktere, denen er zwar unterschiedlich starke Aufmerksamkeit widmet, die aber dennoch allesamt interessant gezeichnet sind, einführt und den groben Rahmen absteckt, sich aber darüber hinaus allenfalls in Andeutungen über die Hintergründe der rätselhaften Vorgänge in und um die Akademie ergeht, weckt nicht nur die Hoffnung auf eine komplexe, originelle und intelligente Geschichte, sondern befördert in hohem Maße die Spannung. Abgerundet wird die Story durch lockere, lebendige Dialoge und eine beeindruckend coole Nebenfigur, die in bester Manga-Tradition inszeniert wird.

Das Artwork überzeugt mit klarem, leicht kantigem Duktus und gedeckten Farben sowie dem Verzicht auf überflüssigen, barocken Schnickschnack. Statt sich in ablenkenden Details zu ergehen, lässt Eisma die markanten und individuell gestalteten Figuren und die zuweilen merkwürdig leer und steril scheinende Umgebung ganz für sich sprechen.

Fazit:
Ein grafisch wie erzählerisch gelungener Einstig in eine verheißungsvolle, spannende Story, in der sich der Autor Zeit nimmt, das Setting und die Figuren zu umreißen sowie den Leser mit Rätseln zu konfrontieren, deren Lösung sich noch nicht abzeichnet. Damit wird der zweite Band zu einem Muss.

 

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