Text Size

Marsianischer Zeitsturz

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Serie / Zyklus: ~
Titel: Marsianischer Zeitsturz
Originaltitel: Martian Time-Slip (1964)
Autor: Philip K. Dick
Übersetzer: Michael Nagula
Verlag / Buchdaten: Heyne

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

In einer fernen Zukunft ist der Mars für Menschen bewohnbar gemacht worden, und nun leben die Kolonisten in einer Art Apartheits-System. Den marsianischen Ureinwohnern ergeht es ähnlich Amerikas Ureinwohnern: Ihnen wird die Lebensgrundlage entzogen, und, in immer geringerer Zahl, sind sie der Willkür der Menschen ausgeliefert. Doch im Marsianischen Zeitsturz geht es nur am Rande um die Ureinwohner, sondern vielmehr um eine Hand voll Menschen, die in verhängnisvollen Beziehungen zueinander stehen. Da ist Arnie Kott, der in der marsianischen Hierarchie ganz oben steht und auch bleiben will. Dafür will er die prä-kognitiven Fähigkeiten eines autistischen Jungen nutzen. Dies bringt Jack Bohlen auf den Plan, der ihm Zugang zum Bewusstsein des Jungen verschaffen soll. Doch Jack verliebt sich in Arnies Geliebte und Jacks Vater, ein jüdischer Grundstücksspekulant, macht einen Schachzug, der Arnie zu ruinieren droht. In seiner Wut ist dieser bereit, alles in Kauf zu nehmen, selbst eine nachhaltige Störung des Raum-Zeit-Kontinuums.

Der Marsianische Zeitsturz ist einer jener Romane von Philip K. Dick, in der eine Hand voll Protagonisten ihr eigenes, persönliches Drama aufführen. Gleich einem Kammerspiel erlebt der Leser, wie die Leben der Protagonisten verflochten werden und am Ende verhängnisvolle Wechselwirkungen eintreten. Dem Autor gelang dies in seinen Romanen mal besser und mal schlechter. Im ungünstigsten Fall verfing sich Philip K. Dick in dem Geflecht seiner Protagonisten. Er schrieb selbst, dass ihm jeder Charakter am Herzen lag und es ihm schwer fiel, einen neuen Roman zu schreiben, da es am Ende bedeutete, Abschied von seinen Protagonisten zu nehmen. Beim Marsianischen Zeitsturz war das jedoch nicht der Fall. Der Roman weist eine erstaunlich klare Struktur auf, und dem Leser ist sofort klar, dass alles auf einen gemeinsamen Höhepunkt zusteuert. Dabei ist es völlig nebensächlich, dass man recht bald ahnt, worauf alles hinausläuft - bei diesem Buch ist der Weg das Ziel, denn die Protagonisten sind einfach wunderbar charakterisiert. Ab der Mitte wird mehr und mehr offenbar, dass neben Arnie Kott Jack Bohlen der zweite bestimmende Protagonist in diesem Buch ist. Zwischen beiden entsteht eine Bi-Polarität, die sich bis zum Ende hin steigert.

Marsianischer Zeitsturz ist einer der gelungensten Romane Philip K. Dicks. Die Protagonisten durchleben eine Situation, die typisch für einen Roman des Autors sind: Die Grenzen von Zeit und Raum werden für Arnie und Jack durchlässig, und beide suchen nach der Realität, ein Thema, von dem Dick besessen zu sein schien. Aber auch die Kritik am Bürgertum der 60er findet sich in dem Roman. Philip K. Dick hält den Spießern seiner Zeit einen verzerrten Spiegel vor, wie er es oft und gerne tat. Alles in Allem ist der Roman ein Werk, das einen großen Einblick in die Welten des Autors gibt. Es ist also kein Zufall, dass der Heyne Verlag seine sehr gelungene Philip-K.-Dick-Reihe genau mit diesem Roman begonnen hat. Dem faszinierenden und abwechslungsreichen Roman, der wie kaum ein anderer Roman typisch für Philip K. Dick ist, gebe ich 9 von 10 Punkten.

Marsianischer Zeitsturz - zur Rezension von Rainer Skupsch

I WANT YOU

 

Fictionfantasy.de sucht Phantastik-Begeisterte, die bereit sind an dieser Seite mitzuarbeiten.

Die Hilfe kann ganz unterschiedlich sein und muss auch nicht unbedingt das Verfassen von Texten sein - auch am Layout muss gearbeitet werden oder an der Datenbank.

Wenn dies etwas für dich ist, scheibe einfach eine EMail an rupert.schwarz @ gmx.de.

Schriftsonar

Schriftsonar #55 erschienen.

Datastream:
Kai Meyer: Die Krone der Sterne
Ian McDonald: Luna
Ian M. Banks: Surface Detail
Daniel Suarez: Daemon
Daniel Suarez: Dark Net
Daniel Suarez: Kill Decision

 

Phantast

 

PHANTAST ist das kostenlose, gemeinsame Online Magazin von fictionfantasy.de und www.literatopia.de das ca. dreimal pro Jahr erscheint. Wie der Name schon sagt, dreht es sich um die Phantastik in all ihren Ausprägungen. Ob Fantasy, Science Fiction, Horror oder wilde Genremixe - im PHANTAST soll alles vertreten sein!
Für jede Ausgabe gibt es einen Themenschwerpunkt, nach dem sich die Artikel und Rezensionen richten.

Übersicht aller Ausgaben

Top 1000 der SF

Über 300 Leute haben aus über 2000 Büchern die Besten SF Werke abgestimmt. Hier gibt es die Ergebnisse.

Viel Spaß beim Stöbern.

Top 1000 der SF

Wer sind wir?

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 15.000 Artikel abrufbar!
Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden? Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? 
Schreibe uns! Kontakt siehe Impressum!