Reihe: Das Lied von Eis und Feuer, Band 2 Titel: Das Erbe von Winterfell Autor: George R. R. Martin Übersetzer: Jörn Ingwersen Buch/Verlagsdaten: blanvalet, April 2010, 542 Seiten Paperback mit Klappbroschur, ISBN-13: 978-34422678113, 15 €
Eine Besprechung / Rezension von Angelika Mandryk
Innerer Klappentext
Eddard Stark, der Lord von Winterfell, ist dem Ruf seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon gefolgt und hat seine kalte Heimat im hohen Norden verlassen, um bei Hof in Königsmund als Hand – als Roberts Berater und Stellvertreter – zu dienen. Doch was schon beim Besuch seines Freundes auf Winterfell zu erkennen war, wird am Königshof noch viel deutlicher: Robert Baratheon ist nicht mehr der Mann, der er früher war – der mutige und instinktsichere Feldherr, der einst gemeinsam mit Eddard Stark die Herrschaft über die Sieben Königreiche eroberte. Stattdessen ist er ein schwacher König, der nicht in der Lage ist, den Intrigen rund um den Eisenthron Einhalt zu gebieten. Und in diese Intrigen wird Eddard Stark als die rechte Hand Robert Baratheons immer tiefer hineingezogen. Der Lord von Winterfell ist ein geradliniger, tapferer und aufrechter Mann, der sich jede Gefahr mit dem Schwert entgegenstellen würde – aber die Ränke der Mächtigen sind nichts, was man mit einem Schwert bekämpfen kann. Auch nicht, wenn man die Hand des Königs ist …
Rezension
George Raymond Richard Martin wurde 1948 in Bayonne geboren, widmete sich erstmals der Science Fiction und kam in diesem Genre zu frühen Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Nach dem deutschsprachigen High-Fantasy-Reihenauftakt „Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell“ präsentiert er mit „Das Erbe von Winterfell“ den zweiten Band seiner, von HBO bereits verfilmten, Reihe. Unmittelbar an den Vorgänger angeknüpft, eröffnet er damit ein weiteres Kapitel um die Ränke rund um den eisernen Thron.
>> „Friede“, erwiderte Varys, ohne zu zögern. „Wenn es eine Seele in Königsmund gab, die verzweifelt versucht hat, Robert Baratheon am Leben zu erhalten, dann war ich das.“ Er seufzte. „Fünfzehn Jahre lang habe ich ihn vor seinen Feinden beschützt, nur konnte ich ihn vor seinen Freunden nicht bewahren. Welch seltsamer Anfall von Torheit hat Euch dazu geführt, der Königin zu erzählen, dass Ihr die Wahrheit über Joffreys Geburt erfahren habt?“ <<
Ein weiterer Roman, unterschiedliche Handlungsstränge und viele Facetten, die der begeisterte Fan letztendlich näher beleuchtet sehen will. Allem voran: was wird aus den bisher so sympathischen Starks? Wird Eddard es als Hand des Königs schaffen, das Schlimmste abzuwehren? Kann Sansa tatsächlich mit Joffrey glücklich werden; Arya ihren Traum von Selbstständigkeit verwirklichen? Was soll aus Tyrion Lennister werden, ganz auf die Gnade anderer angewiesen, und warum genau hat sich Eddards Vorgänger mit Blutlinien sowie Robert Baratheons Bastarden beschäftigt? Fragen über Fragen ließ der gefeierte Autor George R.R. Martin schon im ersten Teil seines deutschsprachigen Reihenauftaktes, „Die Herren von Winterfell“, entstehen. Einen sehr gelungenen, wie man ihm bewundernd zugestehen muss. Innovativ, trotzdem schlicht und in vielen Punkten erfrischend erdig, bewies der Low-Fantasy-Auftakt dieser High-Fantasy-Reihe, welch großes Potenzial in den diversen Handlungen sowie in den Charakteren schlummert. Mit „Das Erbe von Winterfell“, vollständig überarbeitet von Sigrun Zühlke sowie Thomas Gießl, erstrahlt nun auch die Fortsetzung, übersetzt von Jörn Ingwersen, in ansprechender Optik. Im Original erstmals 1996 erschienen, gehört dieser Band eigentlich noch zum ersten Roman und tatsächlich: als Einheit betrachtet ergibt einiges noch mehr Sinn. Hat man sich einmal, sofern Kritiker dieses Details, an die eingedeutschten (Orts-)Namen gewöhnt (aus Jon Snow wurde Jon Schnee, King´s Landing zu Königsmund, Casterly Rock zu Casterlystein) so geht es mit hohem Tempo im Geschehen voran. Erneut wechseln sich politische Ränke, Action und vielfacher Detailreichtum ab und so einige Charaktere gewinnen dadurch an Format. Verrat und Intrigen lauern überall. George R.R. Martin weiß diese Dinge gekonnt einzusetzen, schürt damit die Spannung und bietet zum Ende hin einen dramatischen Wendepunkt nach dem nächsten. Ebenso beweist er den Mut, seine Charaktere nicht zu schonen. Während Eddard Stark immer noch um Schadensbegrenzung bemüht ist, gerät nach und nach alles um ihn herum außer Kontrolle. Verbündete gibt es wenig. Als Robert Baratheon das Opfer eines „tragischen“ Jagdunfalls wird, soll die Hand des Königs zum Beschützer Westeros werden und niemand scheint dafür besser geeignet. Oder schlechter? Es ist schon sehr bezeichnend für diese Reihe, sich einer solchen Ambivalenz ausgesetzt zu sehen. Denn mag Eddard Stark ein noch so ehrenvoller wie strenger Mann sein, so werden ihm gerade diese Eigenschaften und seine Resistenz gegen die Intrigen des Hofes zum Verhängnis. Der dramatische Untergang der „Herren von Winterfell“ scheint damit vorprogrammiert. Arya befindet sich auf der Flucht und ihre Schwester Sansa dient König Joffrey als Geisel. Sie soll ihm ein Kind gebären und seine Marionette sein. Die Starks und Lennisters rüsten zum Krieg.
Abseits dieser Dinge wird klar: König Joffrey ist alles andere als für sein Amt gerüstet. Letztendlich passiert das denkwürdigst Schlimmste. Während der Norden erste Verluste zu verzeichnen hat, Tyrion Lennister sich befreien und Jaime seinen Feinden in die Hände fällt, wird die Gefahr hinter der Mauer, damit auch für Jon Schnee, immer greifbarer. Doch nicht nur „der Winter naht“, bald scheint es auch Daenerys Targaryen zu tun. Die sieben Königslande werden von allen Seiten bedroht – so zumindest verspricht es das Ende, das auch Trauer um liebgewonnene Charaktere mit sich bringt. George R. R. Martin schreibt zwar immer noch über Freundschaft, Pflicht, Verrat sowie Liebe, doch wird nun die ganze Tragweite der einzelnen Sequenzen klar. Vieles geht Hand in Hand, ist wahnsinnig gut aufeinander abgestimmt. Auch der High-Fantasy-Anteil nimmt zu. Hat der erste Teil in dieser Hinsicht kaum etwas zu bieten gewusst, so bahnen sich hier erste Highlights an. Wie einzigartig sie tatsächlich sein mögen, wird sich weisen. Im Brennpunkt des nächsten Bandes „Der Thron der Sieben Königreiche“ wird wohl dennoch die Politik stehen.
„Na die wollen ihn sicherlich nicht zum Ritter salben. Ich habe gehört, Stark hätte den alten König Robert ermordet. Hat ihm im Wald die Kehle aufgeschlitzt, und als sie ihn fanden stand er da, als könne er kein Wässerchen trüben, und sagte, irgendein Keiler hätte seine Majestät auf dem Gewissen.“ (Seite 401)
Fazit „Das Erbe von Winterfell“ setzt George R.R. Martins Reihe sehr gelungen fort. Der Leser bleibt vollständig im Bann der Geschehnisse, ist gefesselt von Tragödien und freut sich auf das nächste Abenteuer, das gerne kommen kann! Einzigartig – einfach nur grandios!
Stimmig gelungene Rezi eines komplexen, schillernden Romans. Solide Arbeit also!
Ein winziges Detail am Rande - der amerikanische Bezahlsender HBO steckt hinter der ersten Season von "Game Of Thrones".
Aber der Tante BBC hätte man/frau diese Qualität ebenso zugetraut
Was mir an fehlt, ist eine Aussage darüber, was sich denn in der überarbeiteten Version geändert hat. Anhand des Namens John Schnee, der in der ersten Übersetzung noch John Snow hieß, kann man wohl zumindest von einer Übersetzung der Eigennamen ins Deutsche ausgehen. Was wurde sonst noch geändert?
Manche Eigennamen wie Castlyfels (oder war es Castlystein) anstatt Castly Rock ließen mich aufmerken. Das kann man manchen oder auch nicht. Beides ist OK. Die übersetzung von John Snow in John Schnee fand ich aber gut so, denn der Bastardnachname nimmt ja Bezug auf die Abstammung seines adeligen Ahnen.
ja, da muss ich nun selber schmunzeln @ BBC. Ich werde den Admin bitten, dieses Detail noch abzuändern. War ein Fehler, bzw. Verschreiber meinerseits. BBC und HBO sind von mir beide gern gesehen. Ansonst danke für eure Rückmeldung zu meiner Rezension. Ich habe die erste Übersetzung nicht gelesen und möchte mich nur zu Änderungen äußern, die ich auch wirklich aus Erfahrung nachvollziehen kann. Alle Wünsche lassen sich nicht immer bedienen.
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