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Die letzte Arche

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Reihe: Fortsetzung zu Die letzte Flut
Titel: Die letzte Arche
Originaltitel: Ark (2009)
Autor: Stephen Baxter
Übersetzer: Peter Robert
Titelbild: Bilderdienst
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag 26657 (05/2011); 684 Seiten; 9,99 €; ISBN: 978-3-453-26657-5 (TB)

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Die Zukunft: Eine gewaltige Flut hat die Erde unbewohnbar gemacht. Die wenigen Überlebenden versuchen verzweifelt, die Zivilisation aufrechtzuerhalten. Doch es wird immer deutlicher, dass es für die Menschheit nur einen Ausweg gibt: die Suche nach einer zweiten Heimat in den Weiten des Alls ... (Klappentext)

Man könnte fast meinen, Stephen Baxter habe den angeblichen Maya-Kalender als Aufhänger genommen, wenn bei ihm im Jahr 2012 die Welt untergeht. Die Erde wird überflutet, weil aus unbekannten Tiefen der Erde sich Grundwasser in die Meere drückt und dafür sorgt, dass allerorten der Meeresspiegel steigt. Die Ozeanografin Thandie Jones hat mit ihrer Voraussage recht: Alles Land versinkt. Sind zunächst nur die Küsten betroffen, ergeben sich bald entlang der Flüsse bis ins Landesinnere Probleme. Wer kann, der flieht in die Berge, um dort zu überleben. Dort sind die Böden karg, eine Landwirtschaft findet nur eingeschränkt statt, weil immer mehr Menschen sich in die Höhe retten. Lebensmittelknappheit, Krankheit, Gewaltbereitschaft sind Themen, die die Gemeinschaft beherrschen. Und allen voran ein Heer entwurzelter Menschen ist unterwegs wie eine Heuschreckenplage. Die einzige Ordnungskraft ist das Militär. So wird aus dem Planeten Erde, dessen Oberfläche zu 70 Prozent von Wasser bedeckt war, ein Wasserplanet, dessen Landanteil auf 10 und weniger Prozent verringert wird. Damit einhergehend ändern sich die Art des Zusammenlebens und die soziale Struktur.

In den USA (wo sonst) hat man den überlichtschnellen Flug erfunden. Man baut 2025 ein Raumschiff, eine letzte Arche (der Namensgeber), mit der achtzig junge Männer und Frauen 2042 ins All geschickt werden. Bereits in Die letzte Flut existierten mehrere Archen, die für das Überleben einiger weniger Menschen sorgen sollten. Ziel ist ein Planet, der als Erde II besiedelt werden soll und der Menschheit ein Überleben garantiert. Der Start gelingt und die neue Heimat rückt immer näher. Die Technik funktioniert einigermaßen, doch das Zusammenleben ist nicht gegeben. Ähnlich wie in vielen anderen Erzählungen mit Menschen auf engem Raum beginnen sich Grüppchen zu bilden und so wird aus der Science Fiction eine Social Fiction, allerdings nicht sehr intensiv beschrieben. Die Mannschaft der Arche zerbricht an der Enge und den unterschiedlichen Interessen, was bis zum Mord an den Kameraden führt. So erreicht den neuen Zufluchtsort, Erde II, eine dezimierte Mannschaft. Der Planet stellt sich als unbewohnbar heraus. Für die Besatzung der Arche stellt sich eine überlebenswichtige Frage: zurück zur Erde oder Weiterflug in eine ungewisse Zukunft?
Stephen Baxter greift das Thema des Untergangs auf. Der britische Schriftsteller, Sohn einer Seefahrernation, kämpft mit dem Wasser. Er lässt nicht nur seine Protagonisten, sondern auch den Leser alles haarklein durchleben. Was 2012 beginnt und mit dem Start des Raumschiffes 30 Jahre später vorläufig endet, danach bis zum Jahr 2082 weitergeführt wird, ist das Lebensalter eines Menschen. Doch welcher Mensch wird beschrieben? Man kann die Personen x-beliebig austauschen, sie sind nur ein ganz kleiner Teil, der zufällig überlebte. Hier lässt Baxter gern seitenlang Gespräche einfließen, lässt für eine Zeit die Handlung beiseite, bis er sich entschließt, den Handlungsstrang zu wechseln, um das Geschehen zu beschleunigen. Menschenmassen sterben in steigenden Fluten und bleiben, was sie sind, eine gesichtslose und gleichsam tote Masse. Aus dieser Masse treten einige wenige Personen hervor, lassen den Leser an ihrem imaginären Leben teilhaben. In seinem episodenhaften Roman lässt der Autor vieles offen. Der Leser muss sich selbst einiges zusammenreimen. Bis zum Ende des Buches blieben die Handlungsstränge unaufgelöst, und der Leser muss die Fortsetzung (?) abwarten. Stephen Baxter hält die Fäden in jedem Fall in der Hand. Ab und zu sorgt er für Überraschungen, wenn Wendungen eintreten, mit denen der Leser nicht gerechnet hat. Damit ist Die letzte Arche ein typischer Stephen Baxter: abstrakt, aber nachvollziehbar, ebenso wie Die letzte Flut. Zudem liegt die Zukunft offen vor uns. Man muss sie nur zu lesen wissen.

Die letzte Frage, die sich mir als Mensch stellt, ist: Warum soll ein unwichtiges Grüppchen der Menschheit überleben?

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