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Lancelot Biggs’ wundersame Weltraumfahrten

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Titel: Lancelot Biggs’ wundersame Weltraumfahrten
Originaltitel: Lancelot Biggs, Spaceman (1950)
Autor: Nelson Bond
Übersetzung: Kurt Seibt
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag 139 (1961); 203 Seiten; 2,80 DM

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Das Weltraumschiff Saturn erhält Besuch von Lancelot Biggs, der direkt nach dem Examen als vierter Offizier auf der Saturn anheuert. Er ist ein schlaksiger Typ, von dem man nicht erwartet, dass er mit seiner tolpatschigen Art überhaupt eine Ausbildung zum Astronauten besteht. Kapitän Waldemar Hanson ist verzweifelt. Biggs ist ein Trottel, wie er im Buche steht, aber ein genialer. Da Lancelot Biggs der Neffe des Vizepräsidenten der Gesellschaft ist, der die SATURN gehört, ist es nicht verwunderlich, dass Lancelot zum Raumfahrer wird. Um genau zu sein: zum vierten Offizier. Kaum an Bord, verliebt der Trottel sich in die Tochter des Kapitäns. Allerdings bedarf es noch einiger haarsträubender Abenteuer, bis er seine Holde ehelichen darf. Dafür benötigt er nur wenige Jahre, um selbst Kapitän zu werden. Das geschieht alles auf einem Frachter, den man getrost als Seelenverkäufer bezeichnen kann.
Ein reger Verkehr herrscht zwischen den Planeten, vor allem Venus, Erde und Mars. Der Weltraum des Sonnensystems ist fast in allen Einzelheiten erschlossen, und um den noch nicht erschlossenen Teil streiten sich die unterschiedlichsten Firmen. Die Streitigkeiten beschränken sich nicht nur auf einen heftigen Wettbewerb. Trotzdem ist gerade Lancelot derjenige, der die Saturn aus dem unglaublichsten Schlamassel wieder herausholt. Nun ja, in den meisten Fällen war er auch daran beteiligt, den Frachter und seine Besatzung dort hinein zu bringen. Er versteht es, scheinbare Niederlagen in einen Sieg für sich selbst umzuwandeln. Lancelot Biggs findet eine (im wahrsten Sinn des Wortes) einmalige Art, Gold herzustellen, hat eine Methode, um unentdeckte Rohstoffe zu erschließen, ist in der Lage, einen Superantrieb zu erfinden, Krisen beizulegen und andere Dinge mehr. Und alles baut auf seinem Grundsatz auf: "Finde immer erst die Theorie." Auf dieser Grundlage aufbauend, hebelt er manches Mal die theoretische Physik aus, um das Raumschiff und damit die Mannschaft zu retten. Die Abenteuer werden nicht in der Ich-Form des Helden erzählt, sondern aus der Sicht des Funkers namens Bert Donovan, genannt Sparks. Die Raumfahrer des 22. Jahrhunderts sind nicht besser dran als die Brummifahrer unserer Zeit. Schlecht bezahlt und in Seelenverkäufern ähnlichen alten Raumschiffen transportieren sie ihre Güter. Immer in der Angst vor Arbeitslosigkeit verüben sie ihren langweiligen und einförmigen Dienst. Wenn man bedenkt, wann diese Erzählungen geschrieben wurden und welcher politische und wirtschaftliche Hintergrund bestand, sind diese Ängste durchaus normal.

Nelson Bond versteht es aber auch, mit viel Wortwitz (die Reise zum Honigmond - honeymoon = Flitterwochen) seinen Helden Lancelot Biggs in komische Situationen zu verwickeln, die genauso seltsame Lösungen anbieten. Etwa als sich das Raumschiff in einer der Erzählungen plötzlich der Lichtgeschwindigkeit annähert. Dadurch wird laut Albert Einstein die Masse unendlich schwer. Erst als Lancelot aus dem Schiff springt, verändert sich die Masse des Raumschiffs von unendlich schwer zu unendlich schwer minus Lancelot Biggs und wird damit berechenbar. Beide, Biggs und die Saturn, fallen wieder in den Normalraum zurück. Lancelot Biggs könnte durchaus ein zukünftiger Charlie Chaplin sein. Die Gestalt ist bis heute in der Science Fiction einmalig. Es gab zwar nach Lancelot immer wieder lustige Erzählungen, doch an Biggs kam keiner heran. Die Abenteuer die er erlebt, zeugen von einer lebhaften Phantasie Nelson Bonds. Er verzichtet gerne und ausschweifend bei Lancelot Biggs auf den Ernst der Sache. Statt dessen nutzt er genüsslich alle Arten von Witz, um sie in allen Einzelheiten dem Leser vor Augen zu halten. Die Erzählungen sind alt und in der heutigen Zeit gar nicht mehr `up to date’. Führt man sich die Zeit, in der sie entstanden, vor Augen, findet man sie jedoch immer noch sehr fesselnd. In den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden diese Geschichten. Wer kennt sie nicht, die alten Serien wie Flash Gordon oder Buck Rogers? Oh, doch so viele. Wer sich dennoch an die alten Schwarzweiß-Filme erinnert, kann sich selten ihrem Charme verschließen. So geht es mir auch heute noch, wenn ich Lancelot Biggs lese. Während die Autoren ihre Helden damals dazu erschufen, Bösewichte zu bekämpfen, Invasionen zu stoppen und kleine grüne Männchen vom Mars zu erschießen, war Nelson Bond damit beschäftigt, alles gekonnt durch den Kakao zu ziehen.

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