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Krähen

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Titel: Krähen
Autoren: Marie Sann und Guido Neukamm
Buch/Verlagsdaten: Tokyopop, erschienen 2009, 160 Seiten Taschenbuch, ISBN (Band 1): 9783867196772, ISBN (Band 2): 9783867196789, 6,50€ pro Band

Eine Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Seite http://www.literatopia.de)

Ice ist ein seltsames Mädchen, bei dem sich alle Kleider weiß färben und das das Geheimnis der sogenannten Krähen kennt. Mysteriösen Wesen, die besonders glitzernden Schmuck lieben und dafür über Leichen gehen. Menschen bedeuten ihnen nichts, ebenso wenig wie die Gefühle ihrer Artgenossen. Denn der Manga beginnt damit, dass Ice einen besonderen Menschen durch die Krähen verliert und sich von ihnen abwendet. Dabei fällt sie Cassandra, die alle Cas nennen, und dem DJ Rif quasi vor die Füße – und noch ehe sich die beiden, die sich vorher auch nicht kannten, versehen, werden sie ebenfalls von den Krähen verfolgt. Doch Ice behauptet, zu wissen, wie man die geheimnisvollen und bösartigen Wesen vernichten kann …

Ice ist der interessanteste Charakter des Mangas, auch wenn ihr Motiv für den Kampf gegen die Krähen früh aufgeklärt wird. Es bleibt bis zum Schluss ein großes Rätsel, wie genau sie die Krähen besiegen will – sie scheint dazu lediglich eine Reihe von Gegenständen zu benötigen, was einen unweigerlich an Rollenspiele erinnert. Was Ice jedoch damit anstellt, bleibt eine Überraschung. Anfangs gibt sie sich distanziert und auch ein wenig arrogant, doch hinter ihrer kalten Maske spürt man die Menschlichkeit, die den Krähen offenbar fehlt. Cas dagegen schlittert ebenso wie Rif ahnungslos mitten ins Geschehen hinein, entscheidet jedoch ebenso schnell wie Rif, Ice zu helfen. Eine andere Wahl scheinen sie ohnehin nicht zu haben. Dennoch entwickelt sich eine glaubwürdige Freundschaft zwischen den drei Protagonisten, die sich mutig aber auch mit spürbarer Furcht den Krähen entgegenstellen. Cas punktet dabei mit ihrer herzlichen Art und auch Rif bringt viel Wärme in die kalte Geschichte.

Die Story selbst ist gut durchdacht, hat allerdings etwas wenig Raum zur Entfaltung. Die Krähen sind einfach unheimlich interessant und es ist schade, dass ihre Geschichte in gerade einmal zwei Bänden abgehandelt wird. Denn der Plot konzentriert sich hauptsächlich auf die Protagonisten Ice, Cas und Rif, geht aber nicht näher auf die einzelnen Krähen und ihre persönlichen Schicksale ein. Auch die Herkunft dieses mysteriösen und blutrünstigen Volkes bleibt im Dunkeln. Zwar gibt es zahlreiche Andeutungen, die Potential für zahlreiche Nebenhandlungen bieten würden, doch letztlich werden diese nicht weiter verfolgt. Dabei bietet „Krähen“ eigentlich Stoff für eine mehrbändige Reihe. Nichtsdestotrotz wird die Handlung gekonnt und mit einer großen Überraschung abgeschlossen und bietet Spannung bis zur letzten Seite. Originelle Ideen und die düstere, bedrohliche Atmosphäre tragen ihr Übriges zu einem schaurigen Lesegenuss bei.

„Krähen“ braucht sich zudem in punkto Zeichnungen vor der asiatischen Konkurrenz nicht zu verstecken. Der Stil erscheint auf den ersten Blick manga-typisch, hat aber dennoch einige Besonderheiten. Man erkennt deutlich, dass es sich um Bleistiftzeichnungen handelt, was vor allem an den Schattierungen sichtbar wird. Die Figuren wirken dadurch sehr lebendig, wobei die Zeichnungen stellenweise etwas zu weich erscheinen. Besonders gelungen sind die Gesichter der Charaktere, die allesamt eindeutige Merkmale aufweisen, sowie die Gestaltung der Kleidung und Accessoires. Da sieht man einfach, dass sich Marie Sann schon mit Modedesign beschäftigt hat – und so manches Outfit ist trotz klirrender Kälte richtig heiß. In beiden Bänden finden sich zudem insgesamt zehn Farbseiten, die passend zum Bleistiftflair mit Buntstiften gestaltet wurden und wie auch die Schwarzweißzeichnungen im Manga eine besondere Dynamik ausstrahlen. Da würde man sich glatt ein ganzes Artbook zu „Krähen“ wünschen.

Fazit

„Krähen“ ist ein unheimlich atmosphärischer und düsterer Manga, der bis zum Schluss Spannung und Dramatik bietet. Trotz klirrender Kälte wird man mit den Charakteren schnell warm – und die Krähen sind dabei ein so faszinierendes Volk finsterer Kreaturen, dass man sich viel mehr von ihnen gewünscht hätte. 4 von 5 Sternen!

Interview mit Marie Sann: http://www.literatopia.de/index.php?option=com_content&view=article&id=13247:marie-sann-29102011&catid=48:interviews&Itemid=85

 

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