Text Size

Karneval (Band 1)

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Serie: Band 1
Titel: Karneval
Originaltitel: Karneval
Autor: Touya Mikanagi
Übersetzer: Monika Hammond
Genre: Fantasy / Mystery
Originalverlag: Ichijinsha
Buch/Verlagsdaten: Egmont Manga & Anime, April 2012, 192 Seiten Taschenbuch, inklusive Farbseiten, 6.99 €, ISBN: 978-3-7704-7748-7

Eine Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Seite http://www.literatopia.de)

Seit Karoku spurlos verschwunden ist, gerät Nai nur noch in Schwierigkeiten. In seiner grenzenlosen Naivität ist der Junge losgezogen, um Karoku zu finden, und gerät in die Fänge einer Mutantin, die ihn für ihre Spielchen missbrauchen will. Durch einen glücklichen Zufall wird Nai von Gareki, einem Taschendieb mit Hang zu Sprengstoffen, gerettet. Nai sieht in Gareki einen selbstlosen netten Menschen, doch dieser bietet seine Hilfe aus purem Eigennutz an: Nai trägt einen Identifikationsring von „Circus“ bei sich, einer Eliteeinheit, die Verbrecher jagt und das Volk mit Zirkusaufführungen entschädigt. Doch wie soll ein so naiver Junge wie Nai zu Circus gehören? Gareki wird zudem bald klar, dass er Nai nicht einfach ausnutzen kann. Der Junge bringt sich mit seiner Sorglosigkeit ständig in Gefahr, was in Gareki den Beschützerinstinkt weckt. Schließlich verspricht er Nai, mit ihm gemeinsam Kontakt zu Circus aufzunehmen …

Mit „Karneval“ hat Touya Mikanagi einen actionreichen Fantasymanga geschaffen, der ein wenig an „Gate 7“ oder auch „Fesseln des Verrats“ erinnert. Besonders innovativ ist die Story dabei zunächst nicht: Es geht wieder einmal um Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Widersachern, die Grenzen überschreiten und die Welt bedrohen. In diesem Fall sind es die Leute von Circus, deren besondere Talente wie Magie wirken. Im ersten Band lernt der Leser mit Gareki und Nai verschiedene Mythen über Circus kennen und erfährt erst im letzten Drittel, was es mit dieser mysteriösen Gruppierung auf sich hat. Gareki scheint dabei ein besonderes Interesse an Circus zu haben, worüber man in den ersten beiden Bänden relativ wenig erfährt. Die Mitglieder von Circus sind allesamt exzentrisch: vom überemotionalen Clown über puppenhafte Mädchen und charismatische und geheimnisvolle Schiffskapitäne ist alles dabei. Dagegen wirkt Gareki als Kleinkrimineller recht normal, wobei er durchaus fähig ist, Nai selbstständig zu beschützen.

Die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten baut zunächst auf blindem Vertrauen von Nais Seite und schamlosem Ausnutzen von Garekis Seite auf. Doch die Zweckbeziehung wird bald zu echter Zuneigung, die oftmals Garekis Coolness überspielt wird. Die emotionale Spannung zwischen beiden explodiert manchmal geradezu, was „Karneval“ einen leichten Shônen Ai-Touch gibt. Es bleibt jedenfalls spannend, wie sich die Freundschaft zwischen Gareki und Nai entwickeln wird und welche Rollen eigentlich die anderen Charaktere spielen. Einige davon sind äußerst zwielichtig und auch wenn sie erst wie Freunde erscheinen, könnte sich hinter ihnen ein Feind verbergen. Selbst auf Karoku werfen die vielen Geheimnisse in „Karneval“ ein schlechtes Licht. Einzig Nais Beweggründe sind sonnenklar: er will um jeden Preis zurück zu Karoku, obwohl er offenbar keinen Schimmer von der wirklichen Welt hat. Gareki hingegen versucht, das Beste für sich selbst herauszuholen. Nach außen wirkt er düster und hart, aber bereits in den ersten Bänden wird seine schmerzvolle Vergangenheit angedeutet. Interessante Charaktere gibt es also genug – und liebeswert sind die meisten auch noch.

In manchen Mangareihen merkt man recht schnell, worauf alles hinausläuft. In „Karneval“ tappt man bisher im Dunkeln. Es scheint, dass der Feind aus den eigenen Reihen von Circus stammt und verbotene Experimente mit Mutanten durchführt beziehungsweise diese erschafft. Warum und wer dahinter steckt, gilt es herauszufinden. Auch um Nai ranken sich viele Geheimnisse – er scheint nicht einmal ein richtiger Mensch zu sein. Aufgelockert wird der Manga von humorvollen Dialogen und den schwarzen Schafen, die auf den Circus-Schiffen nach den Rechten sehen. „Karneval“ bietet seinem Titel entsprechend einige Skurrilitäten, seien sie witziger oder auch gruseliger Natur.

Auch in den Zeichnungen wird die Mischung aus Fantasy und Humor sichtbar: Insbesondere wenn Circus in Erscheinung tritt, wird eine magische Atmosphäre kreiert, die von stimmungsvollen Hintergründen gestützt wird. Der Stil ist kontrastreich, wartet jedoch gleichzeitig mit vielen Details auf, wobei hier insbesondere die Bekleidung der Charaktere hervorgehoben sei. Jeder Charakter hat zudem (bisher) ein einzigartiges Aussehen. Nai sieht man seine Naivität sofort an und Gareki wirkt auf Anhieb düster und verdammt cool. Emotionen werden dabei vor allem über Gestik und Mimik transportiert und so manches Bild kann man sich immer wieder anschauen. „Karneval“ ist traumhaft gezeichnet, auch wenn durchaus noch Potential nach oben vorhanden ist. Einziger Wermutstropfen: „Karneval“ wartet zwar mit Farbseiten auf, ist dafür aber wie bereits andere Mangas von EMA etwas teurer. Geboten bekommt man ein drucktechnisch einwandfreies Taschenbuch und im Vergleich mit anderen Mangaverlagen kann man preislich noch nicht wirklich meckern.

Fazit

„Karneval“ wartet mit einer verträumten und geheimnisvollen Atmosphäre auf, die den Leser sofort in ihren Bann zieht. Schon im ersten Band schürt Touya Mikanagi unglaublich viel Spannung, dazu gibt es liebenswerte und faszinierende Charaktere sowie eine gehörige Portion Humor. Ein echtes Highlight für alle Fantasyfans!

 

 

Wer sind wir?

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 15.000 Artikel abrufbar!
Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden? Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? 
Schreibe uns! Kontakt siehe Impressum!