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Bio- und Bibliografien

Karl-Herbert Scheer (K.H. Scheer)

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Bibliographie der Leihbücher von Karl-Herbert Scheer auf www.sf-leihbuch.de!
Bibliographie der Leihbücher
von Alexej Turbojew auf www.sf-leihbuch.de!

Foto mit freundlicher Genehmigung der Pabel Moewig KG

Biographie

Vorgestellt von Ulrich Blode

Karl-Herbert Scheer wurde am 19. Juni 1928 geboren. Nach dem Krieg verdiente er seinen Lebensunterhalt, indem er mit anderen Musikern in amerikanischen Soldaten- und Offizierklubs spielte. Diese Musikleidenschaft, u. a. für Swing, sollte sich bewahren und auch beim Perry Rhodan-Roman Nr. 250: Die sechste Epoche in der Begrüßung des Raumschiffs Crest III auf einer Raumschiffwerft zum Ausdruck kommen.
Eine akademische Ausbildung brach er aufgrund anhaltender Studienversäumnisse ab, das lag nicht zuletzt an den nächtlichen Musikauftritten. Sein Interesse an den Ingenieurwissenschaften blieb ungebrochen. Gleichzeitig fing er mit dem Schreiben von Romanen an, weil er sich für Technik und Zukunftsromane faszinierte. Seinen ersten Roman Stern A funkt Hilfe veröffentlichte er schließlich 1948. Es sollten viele weitere folgen. Dazu schrieb K. H. Scheer unter dem Pseudonym Alexej Turbojew und veröffentlichte außerdem Krimis und Seeabenteuer.

Mitte der fünfziger Jahre gründete er mit William Voltz und anderen die Stellaris Science Fiction Interessengemeinschaft. 1959 wurde er mit dem deutschen HUGO ausgezeichnet, dem Ableger des nach dem Herausgebers Hugo Gernsback benannten amerikanischen Science Fiction-Preises Scheers Zeit als aktiver Fan endete 1961 und er widmete sich seinem Beruf als Autor.

1957 begann Scheer mit einer Reihe, die Krimi und Science Fiction miteinander verknüpfte: ZBV - Zur besonderen Verwendung. Aus FBI und CIA ist dieGWA, Geheime Wissenschaftliche Abwehr, hervorgegangen. Deren Agenten sind Freiwillige, die durch eine gefährliche Operation gegangen sind, um gegen Verhörmethoden psychischer und medizinischer Art immun zu sein. Thor Konnat und Hannibal Othello Xerxes Utan sind zwei dieser Helden in einer gespaltenen Welt. Auf der einen Seite stehen die USA und das verbündete Europa, auf der anderen ist der Großasiatische Staatenbund, GAS. Die Sowjetunion gibt sich neutral. In den ersten Bänden geht es um den Konflikt zwischen dem Westen und dem GAS. Später werden auf dem Mond und dann auf dem Mars die Artefakte einer längst vergangenen Marszivilisation entdeckt. Und die Menschheit findet sich zusehends von Außerirdischen bedroht. Den letzten ZBV-Band, ein Cliffhanger, stellte Scheer im Jahr 1981 fertig.
Im Winfried Blach Verlag erschien von 1997 bis 1999 eine gebundene Buchausgabe der fünfzig Taschenbücher. Jeweils zwei Taschenbücher sind zu einem Band zusammengefasst. Die Handlung wurde um zehn Jahre in die Zukunft versetzt, so dass sie 2002 und nicht bereits 1992 einsetzt. ZBV wird häufig als Vorläufer der späteren Weltraumserie Perry Rhodan angesehen.

Im Jahr 1961 begann die größte Science Fiction-Serie der Welt. Scheer gründete mit seinem Kollegen und Freund Walter Ernsting die Perry Rhodan-Serie. Walter Ernsting veröffentlichte seine Romane und Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Clark Darlton. Über die Entstehung von Perry Rhodan (PR) gibt es unterschiedliche Darstellungen. Laut K. H. Scheer sei es die Idee Kurt Bernhardts, Cheflektor des Moewig-Verlages, gewesen. Eine Serie mit einem feststehenden Helden schwebte Bernhardt vor. Ernsting hingegen sieht den Ursprung Perry Rhodans in einem Gespräch mit Karl-Herbert Scheer Ende 1959 oder Anfang 1960. Vermutlich stimmt beides, und die unterschiedlichen Ideen führten dann zu dem konkreten Projekt. Ebenso ist es möglich, dass den Erinnerungen im Nachhinein unterschiedliche Bedeutung beigemessen und einiges verklärt wird.

Februar 1961 schloss Scheer das Exposé für den ersten Roman ab und am 8. September erschien das Heft, dessen Titel Unternehmen Stardust lautete. Hier zeigte bereits sich die detailreiche Ausarbeitung der Technik und Handlungsabläufe, die charakteristisch für die Perry Rhodan-Serie ist.
Durch das unterschiedliche Autorenteam ist aus Perry Rhodan keine Hard Science Fiction geworden, die vor allem Wert auf Natur- und Ingenieurwissenschaften legt. Michael Thiesen führt in einem Nachwort zur Neuauflage von Unternehmen Stardust aus, wie untypisch die Heldenfigur Perry Rhodans sei (vgl. Thiesen, 2003c). Im Moment höchster Gefahr für sein Heimatland desertiert der amerikanische Astronaut mit der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleich seien und gründet eine unabhängige Macht. Ausgestattet mit der Technologie und der Unterstützung einer außerirdischen Rasse, die auf dem Mond strandete, einigt Rhodan die Menschheit und greift nach den Sternen. Scheers Vorstellungen beruhen zumeist auf logischen Gedankengängen und zusätzlich der Meinung, dass konventionelle Vorgehensweisen nicht immer das Naheliegendste sein müssen. Die Heftserie war für eine breite Leserschicht ausgelegt, weil sie sich verkaufen sollte. Viel später schuf der Autor William Voltz aus den kleinen utopischen Anfängen eine Menschheitsvision, die die Gegenwart kritisch widerspiegelte und ihr Alternativen entgegensetzte. K. H. Scheers Unternehmen Stardust erlebte fünf Nachauflagen, zwei Sonderausgaben und einen Reprint in 1988.

1961 heiratete er Heidrun Scheer, geb. Overmann, die er 1959 auf der Frankfurter Buchmesse kennen lernte. Später sollte sie in die Perry Rhodan-Serienarbeit eingebunden werden, weil ihr Mann sich mit Zeitproblemen konfrontiert sah. So hatte Heidrun wesentlichen Anteil an der Entstehung des ersten Perry Rhodan Lexikons, das 1971 erschien. Die Durchsicht vieler hundert Exposés war dazu nötig, H. G. Ewers erstellte gleichzeitig neue Beiträge. Heidrun Scheer und Ewers schrieben das Vorwort zum Lexikon. Ersichtlich ist das nicht auf den ersten Blick, weil Heidrun ihren Namen mit H. Scheer abkürzte. Bereits am 30. Mai 1964 kam Tochter Corinna auf die Welt.

Bis zu seinem Tod schrieb Scheer 74 Romane innerhalb der Perry Rhodan-Serie. Im Vergleich zu seinen Kollegen mag das gering erscheinen. Er war jedoch für die gesamte Serienplanung verantwortlich und sein Arbeitspensum erreichte ungeahnte Ausmaße. Außerdem konzipierte er die Schwesterserie Atlan, die von ihrem Start im Jahr 1969 bis zur Einstellung in 1988 es auf 850 Bände brachte.

Perry Rhodan 500: Sie kamen aus dem Nichts (1971) war zunächst K. H. Scheers letzter Roman in der Serie. Mit PR 650: Der Bund der Sieben begann die Ära William Voltz. Die Übergabe war bereits seit Ende 1973 vorbereitet worden, weil Scheers Gesundheit seit längerem stark angegriffen war. Bis Band 673 schrieb Karl-Herbert Scheer noch die Exposés. Ab der Nummer 674 im Jahr 1974 übernahm William Voltz offiziell die Exposéarbeit. In der Folgezeit widmete sich K.H. Scheer mehr seiner Familie, der Musik und anderem. Weiterhin erarbeitete Scheer die technischen Daten bis zum Heft 963 und führte seine ZBV-Serie weiter.

Mit dem Perry Rhodan Band 1074 Lockruf aus M3 (1982) und der Figur Clifton Callamon kam es zu einem kurzen Comeback. Und ab der Nr. 1320 Tostan, der Spieler (1986) folgten bis zu seinem Tod regelmäßige Beiträge. Erst 1981 sollte sich herausstellen, dass seine wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme, die seine Arbeit zuweilen erheblich beeinträchtigten, auf eine Hepatitis aus den Jahren 1971 und 1972 herrührte und eine Alkoholunverträglichkeit zurückließ. Seit 1981 hat er keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken.

Eine 1976 gestartete Taschenbuchreihe fasste Scheers serienunabhängigen Romane neu zusammen. Karl-Herbert Scheer ereilt aber das Los, dass seine sonstigen Werke durch die Perry Rhodan-Serie und deren Erfolg überschattet werden, so dass sein Name in einem Atemzug mit Perry Rhodan genannt wird.

Zwei der interessantesten Figuren, die Scheer schuf, waren Atlan und Icho Tolot. Als Chefautor schrieb Scheer die sogenannten Jubiläumsbände, Hefte mit 50er und 100er Nummer. Mit Perry Rhodan Heft 50: Der Einsame der Zeit sollte ein weiterer Höhepunkt erfolgen und die Person des unsterblichen Arkoniden Atlan war ein solcher. In seinen Handlungen zeigte sich stets Atlans Pragmatismus. Die unterschiedlichen Profile Rhodans und Atlans schärften sich im gegenseitigen Wechselspiel. In Band 200: Die Straße nach Andromeda stellt Scheer den Haluter Icho Tolot vor, der äußerlich eine über drei Meter hohe Bestie mit vier Armen ist. Tolot ist jedoch von Anfang an ein Freund der Menschen und eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Serie überhaupt. "Der Reiz der neuen Figur lag in der Kombination von äußerlicher Monstrosität mit Kultiviertheit und hoher Intelligenz", schreibt Michael Thiesen (2003b).
Die Straße nach Andromeda ist der Auftakt zumersten Großzyklus mit einem Umfang von einhundert Bänden. "Die Meister der Insel" ist einer der beliebtesten Zyklen überhaupt und führt in die Nachbargalaxie unserer Milchstrasse und zur ersten Menschheit, die Lemurer, fünfzigtausend Jahre v. Chr. auf der Erde. Im Anschlusszyklus "M87" wird die Herkunft der Riesen von Halut als künstliche Züchtungen enträtselt.

Seit 2001 gibt es die ausführliche Biografie Karl-Herbert Scheer, Konstrukteur der Zukunft, geschrieben von Heiko Langhans. Der HJB Verlag hat im Jahr 2003 begonnen ältere Perry Rhodan-Hefte in einer neuen Edition herauszubringen. Unter den bereits veröffentlichten befinden sich auch drei Romane aus der Feder Scheers.

Scheers Arbeiten beeinflussten die deutsche Science Fiction seit 1950 bis in die Mitte der siebziger Jahre. Zu seiner herausragendster Leistung zählt die Perry Rhodan-Serie, deren anhaltender Erfolg auf die solide Konzeption in den Anfangsjahren zurückgeht. Karl-Herbert Scheer verstarb am 15. September 1991.

Pseudonyme:

Alexej Turbojew

Literatur

Clark Darlton (1986)
Wie alles begann, in: Horst Hoffmann, Perry Rhodan Werkstatband, Rastatt 1986, S. 19-27

Diverse (1991)
Was den Kollegen zu K. H. Scheer einfiel, in: Das Con-Buch, 30 Jahre Perry Rhodan1961-1991, Rastatt 1991, S.27

Heiko Langhans (2001)
Karl-Herbert Scheer, Konstrukteur der Zukunft, Rastatt 2001

Karl-Herbert Scheer (1986)
Perry Rhodans Technik, in: Horst Hoffmann, Perry Rhodan Werkstattband, Rastatt 1986, S. 31-72

Karl-Herbert Scheer (1991)
Wo seid ihr, meine Kinder?, in: Das Con-Buch, 30 Jahre Perry Rhodan 1961-1991, Rastatt 1991, S. 26-27

Karl-Herbert Scheer (2003a)
Der Einsame der Zeit, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003

Karl-Herbert Scheer (2003b)
Die Straße nach Andromeda, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003

Karl-Herbert Scheer (2003c)
Unternehmen Stardust, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003

Michael Thiesen (2003a)
Nachwort, in: Der Einsame der Zeit, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003, S.

Michael Thiesen (2003b)
Nachwort, in: Die Straße nach Andromeda, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003, S. 93-96

Michael Thiesen (2003c)
Nachwort, in: Unternehmen Stardust, Perry Rhodan Gold Edition, Neuwied 2003, S. 93-96

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