Susan Beth Pfeffer:Die Welt wie wir sie kannten zu schreiben hat mir sehr viel Freude bereitet und ich wollte eine Fortsetzung schreiben. Ich fragte also meine Verleger, ob sie daran Interesse hätten, und sie antworteten mit „Nein“. Daraufhin habe ich sie gefragt, ob ich zumindest das gleiche Szenario verwenden könnte, nur mit einer vollkommen anderen Figur, und damit waren sie einverstanden. Zu guter Letzt habe ich herauskriegen können, dass sie eine Fortsetzung mit beiden Figurengruppen haben wollten. Also schrieb ich
Die Verlorenen von New York und versuchte es so unterschiedlich zu
Die Welt wie wir sie kannten zu gestalten, wie ich nur konnte, aber gleichzeitig sollte es in derselben Welt spielen, zu jener Zeit, da Alex Miranda treffen wird. Ich schätze, dass von dem Zeitpunkt der ersten Grundidee bis zur Fertigstellung der ersten Fassung etwa fünf Monate vergangen sind, vielleicht auch etwas mehr oder auch etwas weniger.
Erik Schreiber: Wie kamst Du auf die Idee, den Mond aus seiner Umlaufbahn zu stoßen? Aber eigentlich müsste physikalisch gesehen der Mond auf die Erde stürzen. Warum macht er es nicht in Deiner Erzählung
Die Welt wie wir sie kannten?
Susan Beth Pfeffer:Ich schreibe Fiction. Ich entwerfe meine eigenen Naturgesetze.
Erik Schreiber:Alex Morales ist ein ganz normaler Teenager, dennoch gerät er in eine Heldenrolle. Warum hast Du ihn gewählt und keinen anderen Jungen?
Susan Beth Pfeffer:Alex ist ein Teenager. Teenager mögen nicht automatisch ihre kleinen Schwestern. Und wenn Du glaubst, dass alles rund läuft, wenn man seine Eltern vermisst, man um jeden Happen Essen kämpfen muss, um zu überleben, und man seinen besten Freund und seine Schwester verloren hat, dann will ich lieber nicht wissen, was Du unter einer schwierigen Situation verstehst.
Erik Schreiber:Wenn ich die Geschichte im Nachhinein betrachte, habe ich den Eindruck, Alex gelingt alles viel zu leicht. Es ist, als ob ihm alles in den Schoß fällt. Ist das so gewollt?
Susan Beth Pfeffer:Mich interessiert es immer sehr, wie es Menschen schaffen, schwere Zeiten zu meistern. Es interessiert mich aber genauso, wie es Menschen schaffen, durch gute Zeiten durchzukommen, doch ist es ungleich schwerer, hieraus eine ordentliche Grundstruktur für eine Geschichte zu entwickeln (z. B. was geschieht mit einer Familie, die einen großen Lottogewinn gemacht hat). Und der Kampf zwischen den Dingen, die man hat und die man nicht hat, weckt mein Interesse.
Erik Schreiber:Es wird in Deinem Buch sehr viel gebetet. Bist Du eine christliche Autorin mit dem Ziel, mehr Menschen zu Gott zu führen?
Susan Beth Pfeffer:Auf keinen Fall. Alex und seine religiösen Ansichten spiegeln auf keinen Fall die meinigen wider.
Erik Schreiber:Der Überlebenskampf wird von Dir erschreckend dargestellt. Was waren Deine Vorbilder? Etwa Roland Emmerich, der in seinen Filmen New York immer wieder zerstört?
Susan Beth Pfeffer: New York City wird häufig in Kinofilmen zerstört, da dies die größte Stadt der Vereinigten Staaten ist und sich hier viel anbietet. Ich habe
The Dead and the Gone deshalb in New York City spielen lassen, weil ich diese Stadt am besten kenne. Ich musste diese Geschichte in einer Großstadt spielen lassen, weil ich
Life as We Knew It in einer Kleinstadt spielen ließ und ich einen Kontrast schaffen wollte.
Erik Schreiber: Welches ist die Botschaft von
The Dead and the Gone?
Susan Beth Pfeffer:Ich neige nicht dazu zu glauben, dass meine Bücher wirklich eine Botschaft besitzen. Ich versuche vielmehr Bücher mit Geschichten und Figuren zu schreiben, um die sich der Leser sorgt. Darüber hinaus geht mein Anliegen nicht viel weiter.
Erik Schreiber:Du hast einen beeindruckenden Roman geschrieben. Aber ein Happyend ist für mich nicht ersichtlich. Dabei erwarte ich gerade bei einem Jugendbuch ein gutes Ende.
Susan Beth Pfeffer:Ich denke, dass Bücher für Teenager ein Mindestmaß an Hoffnung am Ende bereithalten sollten, aber das heißt nicht, dass das Ende ein „Happyend“ sein muss.
Erik Schreiber:Kann Literatur die Welt verändern?
Susan Beth Pfeffer:Ich würde sagen ja, Literatur kann die Welt verändern, auch wenn nicht unbedingt zum Guten. Doch sollte die Macht von Wörtern und Geschichte niemals unterschätzt werden.
Erik Schreiber:Welche Bedeutung hat Literatur für Dich persönlich?
Susan Beth Pfeffer:Eine gute Geschichte ist ein wunderbarer Ort, um sich selbst zu verlieren. Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um eine fiktionale oder reale Geschichte handelt (Ich liebe es z. B., Biographien und Geschichtsbücher zu lesen). Man betritt eine Welt, die nicht die eigene ist, und man erfährt, wie andere Menschen, seien sie nun real oder der Phantasie des Autors entsprungen, sich durchschlagen. Ich bin in der wirklich glücklichen Lage, dass ich meine eigenen Geschichten entwerfen und sie zu Papier bringen kann und dass es Menschen gibt, die diese dann auch lesen. Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Erik Schreiber:Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche Dir noch viel Erfolg mit Deinen weiteren Büchern.
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