Interview mit Tobias Tschiersch

Erik Schreiber im Interview mit dem Autoren Tobias Tschiersch

Erik Schreiber:
Hallo, Tobias, schön, dass Du Dir ein wenig Zeit nimmst und mir ein Paar Fragen beantwortest. Ich freue mich immer, wenn ich neue Autoren auf diese Weise kennen lernen kann. Wie kamst Du dazu, einen Roman zu schreiben?

Tobias Tschiersch:
Auch wenn es kitschig klingen mag, aber es ist die Liebe zur Literatur, besonders zur fantastischen Literatur. Ich finde es sehr reizvoll, selbst etwas zu kreieren. Während man heutzutage meist nur Konsument ist und sich am Buffet der verschiedenen Medien bedient, ist es ein regelrechter Ausgleich und ein befriedigendes Gefühl, auch mal Produzent zu sein. Kreativität und Fantasie sind für mich ganz essentielle Eigenschaften, die man nicht verkümmern lassen sollte.

Erik Schreiber:
Dein Held ist ein typischer Einzelgänger. Hast Du den Magier Unrik so geplant gehabt?

Tobias Tschiersch:
Unrik ist zwar ein Einzelgänger, aber kein typischer. Es fällt ihm schwer, jemanden an sich heran zu lassen, da er sehr misstrauisch ist. Die fantastische Figur des Magiers scheint mir generell für das Einzelgängertum prädestiniert zu sein. Sie verfügen über ein Talent, das nicht jedem gegeben ist und das sie von anderen Menschen abhebt und vielleicht auch etwas isoliert. Auch untereinander sind Magier einerseits durch ihr wissenschaftliches Interesse an der Magie geeint, doch andererseits sind sie bestrebt, ihre Geheimnisse vor andern zu bewahren, und stehen in ständiger Konkurrenz. Unrik reist umher und verkriecht sich nicht nur in irgendwelchen Studierstuben. So lernt er auch etwas über das wirkliche Leben, jenseits der Magiergilden, Laboratorien und Bibliotheken. Er fasst Vertrauen zu anderen Menschen, wie z. B. zu seinem Blutsbruder Samuel, doch lernt er auch vorsichtig zu sein, wem er sein Vertrauen schenkt.
Ich habe Unrik nicht als absoluten Einzelgänger angelegt, sondern einen vorsichtigen und überlegten Menschen, der seinen eigenen Weg verfolgt.

Erik Schreiber:
Mir ist Unrik nicht unbedingt sympathisch. Er ist aufbrausend, ungerecht, selbstgerecht und nimmt sehr wenig von anderen an. Gleichzeitig wird er aber genau gegenteilig beschrieben. Wo willst Du mit der Charakterisierung noch hin?

Tobias Tschiersch:
Meiner Meinung nach sollte ein guter, realistischer und interessanter Charakter nie nur schwarz oder weiß sein. Unrik sollte kein klassischer Sympathieträger sein. Er ist nicht der edle Ritter in strahlender Rüstung, der Jungfrauen befreit und Drachen erschlägt. Durch die Magie verfügt er über große Macht, und da er noch verhältnismäßig jung ist, muss er noch lernen, richtig mit ihr umzugehen. Jung und ehrgeizig, wie er ist, setzt er sich große Ziele, die manchmal zu groß für ihn sind. Weil er talentiert ist und bisher immer recht erfolgreich war, überschätzt er sich selbst. So ist er manchmal recht ungestüm und voreilig. Wenn er merkt, dass nicht alles so verläuft, wie er es sich vorstellt, bedeutet dies, dass er wohl doch nicht alles weiß und alles kann. Eine solche Erkenntnis nagt natürlich an seinem Ego, und er will sie nicht sofort wahrhaben. Doch lernt er im Laufe der Geschichte, dass sich die Welt nicht um ihn dreht, und so verändert sich seine Weltanschauung. Er lernt wie jeder andere Mensch hinzu, und man lernt eben am meisten durch Fehler.
Trotz allem ist Unrik definitiv kein schlechter Mensch, sondern einfach nur ein Mensch mit Schwächen und Fehlern. Obwohl er bisweilen etwas egoistisch und auf seinen eigenen Vorteil bedacht erscheinen mag, ist er auch ein guter und treuer Freund. Er ist nicht nur zornig, ehrgeizig und aufbrausend, sondern hat auch Ängste und im Verlauf der Geschichte immer mehr Selbstzweifel. Natürlich hat er auch Gefühle. Er sorgt sich um seinen Blutsbruder, er empfindet Freundschaft für den merkwürdigen Dieb Mukta, und er kann sich auch verlieben. Unrik erfährt im Roman eine Läuterung, gleich einer Katharsis. Er erkennt seine Fehler, die er als durchaus zahlreich und schwerwiegend betrachtet. Es ist völlig unrealistisch ein strahlender Held zu sein, der immer weiß, was richtig ist und moralisch völlig unantastbar ist. Unrik muss schmerzlich feststellen, dass es mehr gibt als Macht und was es bedeutet, ein halbwegs guter Mensch zu sein oder zu werden.

Erik Schreiber:
Was ich besonders zu bemängeln hatte, waren die Namen, die du benutzt hast. Asgard, Allbion und ähnliches. Damit verbinde ich ganz bestimmte Erinnerungen. Diese kannst Du leider nicht einhalten. Es wäre besser gewesen, wenn Du in diesem Zusammenhang eigene Namen genommen hättest. Warum diese Begriffe?

Tobias Tschiersch:
Gerade bei fantastischen Romanen sollte man nicht zu engstirnig sein. Ich habe in meinem Roman nur sehr wenige dieser "bekannten" Namen verwendet. Die "bekannten" Namen, die ich verwendet habe, sind eine Hommage an ein Fantasy-Rollenspiel, das ich sehr schätze. Damit verbinde ich sehr viele Erinnerungen an gute Freunde, interessante und spannende Geschichten sowie jede Menge Spaß. Diese Erinnerungen haben mich immer wieder inspiriert, und auf diese Weise wollte ich sie würdigen.

Erik Schreiber:
Um noch mal auf Unrik zurückzukommen. Die Handlung baut strikt auf seinen Abenteuern auf. Trotzdem streust du Abschnitte ein, in denen Du den Lesern etwas verrätst, was Unrik nicht weiß. Damit nimmst Du ein wenig die Spannung. Was wolltest Du damit bezwecken?

Tobias Tschiersch:
Als auktorialer Erzähler will ich dem Leser ein umfassenderes Wissen geben und einen differenzierteren Hintergrund. Nur weil Unrik von etwas nicht weiß, bedeutet dies nicht, dass es keinen Einfluss auf ihn haben kann. Der Leser sollte nicht mit irgendwelchen unverständlichen Lücken allein gelassen werden. Außerdem hoffte ich, dadurch mehr atmosphärische und erzählerische Dichte zu erzeugen.

Erik Schreiber:
In vielen Abschnitten finde ich Hinweise auf andere Filme und Bücher. Ist das so gewollt?

Tobias Tschiersch:
Es mag zwar sein, dass mich bestimmte Filme oder Bücher unterbewusst inspiriert haben, doch wollte ich eigentlich allzu explizite Anlehnungen an andere Werke vermeiden. Das Indiana-Jones-Motiv, das innerhalb der Pyramide durchscheinen mag, ist nicht bewusst gewählt. Vielmehr halte ich ein durch Fallen oder Rätsel gesichertes Grab für ein klassisches Motiv. Auch in Indiana Jones dürfte es wohl nur adaptiert worden sein, und es ist nun in unserer Vorstellung untrennbar mit ihm verbunden. Durch die Figur und den Charakter des Magiers Unrik wollte ich z. B. einen untypischen Protagonisten erschaffen, der keinem abgenutzten Klischee entspricht. Falls Einflüsse von dem Herrn der Ringe spürbar sein sollten, gestehe ich diese gerne ein, da ich ein Bewunderer des Werkes von Tolkien bin. Letztlich kann sich wohl niemand vollkommen dem Einfluss der Filme oder Bücher entziehen, die ihn nachhaltig beeindruckt haben.

Erik Schreiber:
Vielen Dank für dieses Gespräch, und ich wünsche Dir noch viel Erfolg mit den nächsten Romanen. Es würde mich freuen, wieder von Dir zu hören und zu lesen.

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