Interview mit Peter Freund

 
 

 Interview mit Peter Freund

Aufgrund der Neuauflage von Peter Freunds Serie um das Mädchen Laura Leander hat  Erik Schreiber  die Möglichkeit genutzt und dem Autor einige Fragen  gestellt.

(weitere Rezensionen und Artikel von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Peter Freund wurde am 17. Februar 1952 in Unterafferbach geboren. Nach der Schule studierte er Publizistik, Politologie und Soziologie. Während des Studiums arbeitete er als freier Journalist beim Berliner Tagesspiegel und für den Sender Freies Berlin. Von 1980 bis 1986 Manager von mehreren Kinos, danach arbeitete er für den Filmverleih. Seit 1993 arbeitet er für Phoenix-Film und produziert Fernsehfilme und -serien.
Aufgrund der Neuauflage von Peter Freunds Serie um das Mädchen Laura Leander habe ich die Möglichkeit genutzt und ein paar Fragen an Peter gestellt.

Erik Schreiber: Zuerst einmal vielen Dank, dass du dir die Mühe machst, meine Fragen zu beantworten. Wie entstand die Reihe Laura Leander? Es gibt in der Regel sehr wenige weibliche Helden. Zumindest weniger als Jungs. Ist Laura absichtlich von dir ausgewählt?

Peter Freund: Den eigentlichen Kern für die Laura-Bücher bilden eine Reihe von Gute-Nacht-Geschichten, die ich vor vielen Jahren meinen damals noch kleinen Söhnen - 3 bis 5 Jahre - erzählt habe. Sie spielten darin natürlich die Hauptrolle und mussten mit fantastischen Figuren (eine davon war Knudu-Dudu, der Quarksenkönig) ins Erdinnere reisen und aufregende Abenteuer bestehen, damit unsere Welt nicht auseinanderbricht. Natürlich waren das Kleinkinder-Geschichten, die ich zudem nie aufgeschrieben habe. Eines Tages kam dann Florian, mein jüngster Sohn, zu mir - er hatte gerade einen Harry Potter gelesen - und meinte, dass „unsere“ Geschichten, ähnlich wie Harry Potter, doch auch in verschiedenen Welten spielten und mindestens genauso spannend wären. Ob ich die alten Geschichten nicht weiterentwickeln und daraus Romane für alle Alterstufen machen wolle. Das hat letztendlich den Anstoß zur Laura-Reihe gegeben, auch wenn deren Abenteuer nur noch wenig mit den damaligen Kindergeschichten gemeinsam haben. Schließlich ist die Laura ja auch älter als meine Söhne damals - und die Bücher sind nicht für kleine Kinder gedacht, sondern für alle jungen und jung gebliebenen Leser zwischen 9 und 99 Jahren. Dass ein Mädchen die Hauptfigur spielen sollte, stand für mich von Anfang an fest, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen habe ich selbst zwei Söhne und glaube deshalb zu wissen, wie Jungs „ticken“. Deshalb wollte ich, zumindest beim Schreiben, auch mal ein Mädchen näher kennen lernen. Zum anderen ist es in der Tat so, dass in Fantasy-Büchern und -Filmen die männlichen Helden eindeutig dominieren. Was auch damit zu tun hat, dass männliche Protagonisten in der Regel kommerziell erfolgreicher sind und sich schlichtweg besser verkaufen, wie alle einschlägigen Untersuchungen beweisen. Dennoch habe ich mich für ein Mädchen entschieden, weil ich es einfach als zeitgemäßer empfinde. Schließlich stehen Mädchen und Frauen uns Jungs und Männern schon längst in nichts mehr nach.

Erik Schreiber: Eine beliebte Frage ist immer die nach einer Botschaft. Hat Laura eine Botschaft für ihre Leserinnen?

Peter Freund: Lassen Sie mich zunächst mit einem etwas flapsigen Spruch antworten, der in jedem Filmdramaturgie-Lehrbuch zitiert wird: „If you want to send a message, use Western Union“. Was so viel bedeutet wie: Beim (Drehbuch-)Schreiben sollte man alle Energie zunächst darauf verwenden, dass man seinen Stoff so spannend, aufregend und unterhaltsam wie möglich erzählt - und wenn es zusätzlich noch gelingt, darin auch eine Botschaft zu verpacken, ist das so was wie die Sahne auf dem Kuchen. Ich möchte meine Leser weder belehren noch ihnen wie ein besserwisserischer Oberlehrer die Welt erklären. Dennoch habe ich eigene Überzeugungen, die ich natürlich auch in meine Bücher mit einfließen lasse. Allerdings nicht vordergründig und plakativ, sondern lediglich im Subtext, unter der Oberfläche also. Was dazu führt, dass manche Leser diese Botschaft erkennen und andere nicht. Allerdings haben die meisten Leser ohne Problem erkannt, auf welche Botschaften es mir ankommt: nämlich, dass das Leben nicht nur Spaß bedeutet, sondern auch ernste Probleme beinhaltet - und dass man vor diesen Problemen nicht davonlaufen soll. Weil man sie nämlich nur bewältigen kann, wenn man selbst aktiv gegen sie ankämpft. Und deshalb warne ich meine Leser - im Subtext natürlich! - auch immer wieder davor, nicht auf die vordergründigen falschen Glücksversprechungen der Werbung, der Unterhaltungsindustrie und der Medien hereinzufallen, sondern sich ein eigenes kritisches Bild von der Welt zu verschaffen. Denn nur ein selbstbestimmtes Leben führt letztendlich zum Glück. Darüber hinaus besitzt jedes Laura-Buch auch noch ein eigenes „Inner Theme“ - und ich bin sicher, dass sich auch dieses jedem aufmerksamen Leser mit Leichtigkeit erschließt.

Erik Schreiber: Wer ist Laura? Steckt hinter der Romanfigur eine wirkliche Laura?

Peter Freund: Also - ein konkretes „lebendes“ Vorbild für die Laura gibt es nicht, auch wenn mir viele meiner Leserinnen immer wieder schreiben, sie seinen genauso oder so ähnlich wie die Laura und würden sich in ihr wiedererkennen. Nein, die Figur ist einzig und alleine meiner Fantasie entsprungen. Mit Laura Leander wollte ich eine Heldin schaffen, die im Grunde genommen ganz „normal“ ist und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat wie viele ihrer Altersgenossinnen auch. Laura ist deshalb - ebenso wie die Leser - mehr als überrascht, als sie erfährt, dass sie über ganz besondere Fähigkeiten verfügt und diese auch trainieren und üben muss, weil eine große, fast übermächtige Aufgabe auf sie wartet. Schließlich ist es ja keine Kleinigkeit, die Welt retten zu müssen - und schon gar nicht für ein dreizehnjähriges Mädchen!

Erik Schreiber: Und die anderen handlungsrelevanten Figuren?

Peter Freund: Hier gilt das Gleiche: Sämtliche Figuren sind einzig und alleine meiner Fantasie entsprungen und keinen realen Vorbildern nachgestaltet - mit folgender Ausnahme: Bei der Zeichnung einiger Lehrer habe ich mich sehr wohl von einigen Lehrern „inspirieren“ lassen, die ich während meiner eigenen Schulzeit „erleben“ durfte. Erik Schreiber: Im Buch „Laura und das Geheimnis von Aventerra“ hat Laura einige Probleme. Sie ist eine Schülerin mit Stärken und Schwächen. Waren deine Söhne die Vorbilder für Schulprobleme? Peter Freund: Nein - überhaupt nicht. Obwohl beide in ihren schulischen Leistungen höchst unterschiedlich waren, habe ich mir nie ernsthafte Sorgen um ihre Versetzung machen müssen. Aber da es vielen anderen Schülern ähnlich ergeht wie Laura in meinen Büchern, ist diese Seite ihres Charakters nicht nur sehr realitätsnah, sondern verstärkt auch die Identifikation mit der Heldin. Oder anders ausgedrückt: Lauras schulische Probleme sind eher dramaturgisch, denn in den schulischen Leistungen meiner Söhne begründet.

Erik Schreiber: Das Buch zeigt den Kampf der guten Laura gegen den bösen Borboron. Ist das Thema nicht ein wenig abgedroschen?

Peter Freund: Ganz im Gegenteil: Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis ist heute aktueller denn jede und beschäftigt die Menschheit nicht umsonst seit dem Beginn ihrer Existenz. In allen Mythen, Sagen und Legenden aller Völker, ganz egal, an welcher Stelle unserer Erde sie beheimatet sein mögen, geht es letztendlich um diese Auseinandersetzung. Die man natürlich auf unterschiedlichste Art und Weise erzählen kann - als Krimi, Action-Thriller, Drama oder auch als Melodram. Ich habe die Fantasy gewählt, weil in diesem Genre dieser ewige Konflikt in seiner wohl archetypischsten Form abgehandelt werden kann.

Erik Schreiber: Warum lesen Kinder die Bücher um Laura? Wegen der Phantastik? Wegen der natürlichen Beschreibung? Weil sie etwas kann, was andere nicht können?

Peter Freund: Den zahlreichen Mails meiner Leser kann ich entnehmen, dass sie die besonderen Fähigkeiten, über die Laura verfügt, natürlich toll finden und diese sicherlich auch gerne besitzen möchten. Dennoch gibt es nach meiner Meinung noch einen ganz anderen Grund, warum die Bücher nicht nur in Deutschland, sondern mittlerweile auch in zwanzig anderen Ländern in allen Teilen der Welt so gerne gelesen werden: weil Laura so „normal“ ist - was es jedem Leser, ganz egal, ob jung oder älter, weiblich oder männlich, ermöglicht, sich an ihre Stelle zu versetzen. Laura kommt mitten aus unserer Realität - und muss sich dann in einem fantastischen Umfeld behaupten. Hinzu kommt, dass dieser Laura nichts in den Schoß fällt, sondern dass sie sich alles selbst erkämpfen, sich verdammt anstrengen und immer wieder großen Mut beweisen muss, um ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen. Auch das macht es für die Leser leichter, ihre spannenden Geschichten nachzuvollziehen, denn ihnen ergeht es ja ähnlich. Natürlich erlebt nicht jeder so aufregende Abenteuer wie die Laura, aber letztendlich muss auch jeder von uns sich jeden Tag aufs Neue anstrengen, um die Anforderungen, die das tägliche Leben mit sich bringt - sei es in der Schule, im Job, in der Familie, oder sonstwo -, zu meistern und zu bewältigen.

Erik Schreiber: Wie hast du während des Schreibens die Abenteuer von Laura Leander erlebt? Warst du genauso angespannt wie die Leser bei der Lektüre des Buches?

Peter Freund: Da ich mich beim Schreiben stets in die Position meiner Figuren versetze, war das für mich manchmal ähnlich aufregend wie für die späteren Leser. Ich versuche ja immer, die Probleme und Schwierigkeiten meiner Helden auf die äußerste Spitze zu treiben. Deshalb ist es mir mehr als nur einmal passiert, dass ich z. B. Laura in eine schier ausweglose Lage manövriert habe, aus der ich zu diesem Zeitpunkt den Ausweg selbst noch nicht kannte, und deshalb fieberhaft überlegen musste, wie das arme Mädchen denn jetzt überhaupt noch zu retten sei. Und wenn sich dann mein Pulsschlag beschleunigt hat, war mir klar, dass es den Lesern wohl später so ähnlich ergehen würde.

Erik Schreiber: Neben Laura gibt es auf beiden Seiten von Gut und Böse jede Menge Personen. Kannst du dich noch erinnern, wie diese Personen entstanden?

Peter Freund: Aventerra ist ja eine Welt, in der alle Mythen und Legenden der Menschheit in körperlicher Gestalt zu finden und gegenwärtig sind. Viele meiner Figuren sind deshalb quasi „archetypische Charaktere“, die sich in dieser oder ähnlicher Gestalt durch den gesamten Erzählfundus der Menschheit ziehen. Sie waren deshalb praktisch in dem Moment da, in dem ich Aventerra erfunden habe, und sind auf diese Weise in meine Geschichten geraten. Andere Figuren wiederum, vor allem die auf der Erde und insbesondere im Internat, waren eher spontane Eingebungen, die allerdings in der Regel auch allesamt von dramaturgischen Notwendigkeiten bestimmt waren.

Erik Schreiber: Stellt die Phantastik eine wichtige Grundlage für die Erzählung um Laura dar, oder würde die Geschichte auch mit anderen Grundlagen (etwa eine Rockerbande als das Böse) funktionieren?

Peter Freund: Ohne die Fantasy-Elemente wären die Laura-Geschichten für mich überhaupt nicht denkbar. Weil die Ereignisse auf Aventerra das Geschehen auf der Erde spiegeln - und umgekehrt. Dadurch war es mir möglich, reales Geschehen und reale Zustände im Gewand einer fantastischen Parallelhandlung zu kommentieren und damit - hoffentlich - verständlicher zu machen. Außerdem beschäftige ich mich in fast allen meinen Büchern mit dem Zusammenhang zwischen Realität und Fantasie und stelle mir stets die Frage, ob unsere Wirklichkeit auch tatsächlich so aussieht, wiewir zu wissen glauben, und ob es für bestimmte Phänomene möglicherweise nicht auch ganz andere Erklärungen geben könnte. Immerhin sind Parallelwelten z.B. ja beileibe keine Erfindung von mir, sondern selbst renommierte Astrophysiker vom Schlage eines Stephen Hawking sind von ihrer Existenz fest überzeugt - sodass die Grenze zwischen Fantasie und Realität ja keineswegs starr, sondern eher fließend zu sein scheint.

Erik Schreiber: Auf wieviele Bücher ist Laura Leander angelegt?

Peter Freund: Bei der Konzeption der Reihe bin ich ursprünglich davon ausgegangen, dass fünf Bände ausreichen würden, um die Geschichte von Laura zu erzählen. Bei der Arbeit an den einzelnen Bänden hat sich dann aber so viel Stoff angesammelt, dass ein weiteres Buch notwendig wurde - zumal die Geschichte der Heldin in Band Fünf auch noch nicht richtig „rund“ und zu Ende erzählt war. Mit Band Sechs dagegen hat sich ein wichtiger Abschnitt in der „Lebensgeschichte“ der Laura Leander geschlossen, was jedoch keineswegs heißt, dass nichts mehr über sie zu erzählen wäre - ganz im Gegenteil! Da ich im Moment jedoch an zwei weiteren Reihen arbeite, nämlich an meiner Mysteria-Trilogie und an der „Drachen-Bande“, habe ich entsprechende Überlegungen erstmal auf die lange Bank geschoben.

Erik Schreiber: Du sprichst gerade die Mysteria-Trilogie an. Dort lässt du den vierzehnjährigen Nico die Welt retten. Gleichzeitig stellst du aber auch ein Buch in den Vordergrund. Ein wenig hat es mich schon an Michael Ende und seine „Unendliche Geschichte“ erinnert. War das Buch eine Vorbild?

Peter Freund: Als ich mit der Entwicklung des Grundplot für die Mysteria-Trilogie begonnen habe, spielte das Buch noch überhaupt keine Rolle, bis eines Tages eine Frage in mir aufstieg, die mich selbst etwas überraschte - nämlich die Frage, warum diese fremde Welt hinter den Nebeln überhaupt existiert? Und diese Frage hat mir einfach keine Ruhe gelassen, und deshalb habe ich bei Mysteria - anders als bei der Laura-Reihe, bei der ich die Existenz von Aventerra ja quasi „gesetzt“ habe - versucht, eine möglichst zufrieden stellende und gleichzeitig auch originelle Antwort auf diese Frage zu finden. Die Lösung dieses Problems hat mich sehr viel Nachdenken, sehr viel Energie und sehr viel Zeit gekostet, aber ich glaube, dass sich meine Mühen gelohnt haben, wie man in den nächsten beiden Bänden nachlesen können wird. Natürlich will ich jetzt noch nicht allzu viel davon verraten. Nur so viel vielleicht: Das im ersten Band erwähnte Buch - das ja nicht umsonst den gleichen Titel trägt wie die komplette Trilogie - bildet den entscheidenden Schlüssel für die Beantwortung dieser Frage, und dann wird man auch feststellen, dass meine Antwort ganz anders aussieht als die von Michael Ende. Also: In der Mysteria-Trilogie rettet Niko Niklas keineswegs die Welt, sondern geht - neben weiteren mindestens ebenso wichtigen persönlichen Fragen - vielmehr der Frage nach, warum diese fremde Welt hinter den Nebeln überhaupt existiert - womit er allerdings doch wieder einige Gemeinsamkeiten mit dem jungen Bastian Balthasar Bux aufweist.

Erik Schreiber: Warum musste es wieder einmal mehr ein Waisenjunge sein? Ich habe das Gefühl, heute gibt es in den Erzählungen kaum noch intakte Familien. Muss das so sein?

Peter Freund: Niko Niklas ist weder ein Waisenjunge noch Halbwaise! Als die Geschichte beginnt, ist seine Herkunft nur mit einem großen Rätsel verbunden: Niko weiß nicht, wer sein Vater ist, und die Suche nach diesem unbekannten Vater - und damit auch nach seiner eigenen Identität - ist seine Hauptantriebsfeder während der gesamten Geschichte. Im Grunde genommen nimmt Niko alle Gefahren und Schwierigkeiten, mit denen er im Verlauf der Trilogie konfrontiert wird, nur deshalb in Kauf, weil er diese grundlegende Frage endlich geklärt haben will - und natürlich wird er das am Ende von Band Drei auch schaffen. Durch seine aufregenden Abenteuer ist Niko Niklas am Ende sozusagen ein „kompletterer“ Mensch geworden, er hat nicht nur seinen Vater, sondern auch zu sich selbst gefunden - und damit im Gewand einer spannenden Story den Reifeprozess durchgemacht, den jeder Mensch hinter sich bringen muss, auch wenn das bei den meisten von uns natürlich weit weniger spektakulär verläuft als bei Niko. Und zum „Waisenjungen“ noch eine kurze Anmerkung: Das Fehlen eines oder gar beider Elternteile lässt ein Kind/eine Figur automatisch verletzlicher wirken, sodass es/sie die Leser zu verstärkter Identifikation geradezu „einlädt“. Wenn ein/e Autor/in ihren/seinen Helden also zu einem Waisen macht, ist das in der Regel ein genauso zulässiger dramaturgischer Kniff wie die Wahl eines Internats zum Haupt-Setting ihrer/seiner Geschichte.

Erik Schreiber: Ist die Mysteria-Trilogie für dich etwas Besonderes? Für mich persönlich hat es den Anschein gehabt, dir liege sehr viel an dieser Welt.

Peter Freund: Das hast du ganz richtig beobachtet. Wie ich schon erwähnt habe, geht es mir in der Trilogie nicht ausschließlich um das Erzählen einer möglichst aufregenden, spannenden und originellen Geschichte, sondern ich beschäftige mich darin darüber hinaus auch mit der spannenden Frage, ob und unter welchen Bedingungen Fantasie Wirklichkeit werden kann, und welche Konsequenzen das hat. Was die Sache beim Schreiben sehr viel schwerer macht als alles, was ich davor geschrieben habe, dem Leser dann aber - hoffentlich! - auch ein weit größeres Lesevergnügen bereiten wird.

Erik Schreiber: Wie arbeitest du, wenn du ein neues Buch schreibst? Steht am Beginn ein Auftrag zu einem bestimmten Thema oder eine Idee?

Peter Freund: Mit Ausnahme meines Phantásien-Romans „Die Stadt der vergessenen Träume“ habe ich noch nie nach Auftrag gearbeitet. Alle meine anderen Bücher sind nach eigenen Ideen entstanden - und das ist auch gut so: Denn das, was ich schreibe, muss nämlich in allererster Linie mir selbst gefallen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, etwas Vernünftiges über ein Thema zu schreiben, das mich nicht interessiert. Aber gleichzeitig überlege ich natürlich auch, ob die Geschichte, die ich erzählen möchte, auch anderen Menschen gefallen könnte. Ich schreibe nämlich nicht aus Selbstzweck oder nur für mich selbst, sondern weil ich andere Menschen mit meinen Büchern unterhalten und begeistern möchte. Deshalb versuche ich Themen zu finden, die nicht nur mich, sondern auch andere brennend interessieren. Bevor ich dann mit dem eigentlichen Schreiben beginne, erarbeite ich mir über diverse Zwischenformen stets ein detailliertes Exposé oder eine Outline, wie immer man das bezeichnen möchte. Darin sind nicht nur alle wichtigen Charaktere und ihre Entwicklung, sondern auch die entscheidenden Handlungsstränge und Wendepunkte und natürlich auch Anfang, Mitte und Ende der Geschichte festgehalten. Wer beim Schreiben nur seiner Muse folgt, gleicht für mich einem Reisenden, der sich ohne Karte auf eine Reise durch ein unbekanntes Land begibt. Die Gefahr, unterwegs die Orientierung zu verlieren und sich zu verirren, ist da riesengroß. Zudem mag er auf diese Weise zwar überall hingelangen, wahrscheinlich aber nicht an sein Ziel - falls er überhaupt eines hatte.

Erik Schreiber: Welche Vorbilder hast du? Welche Lieblingsautoren?

Peter Freund: Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen und habe das auch bis zum heutigen Tage so gehalten. Sicherlich hat das Spuren bei mir hinterlassen, auch wenn ich kein konkretes Autoren-Vorbild benennen könnte. Was mein Schreiben allerdings sehr stark beeinflusst haben dürfte, ist die Filmdramaturgie und meine Tätigkeit als Drehbuchautor. Beim Drehbuchschreiben geht es nämlich darum, die Zuschauer möglichst schnell zu „packen“, d.h. für einen Stoff zu interessieren, und sie dann immer wieder mit neuen, überraschenden Wendungen und Entwicklungen bei der Stange zu halten und ihnen möglichst keine „Luft zum Atmen“ zu geben. Genau das versuche ich bei meinen Büchern auch zu erreichen - und die überwältigende Mehrzahl meiner Leser bestätigt mir auch immer wieder, dass die Bücher so spannend sind, dass sie sie gar nicht mehr aus der Hand legen können, bis sie zu Ende gelesen haben. Und was die Lieblingsautoren betrifft: Da ich sehr viel lese, habe ich sehr viele Lieblingsautoren und -bücher. Einige möchte ich dennoch hervorheben: Ernest Hemingway, dessen Kurzgeschichten ich schon als Jugendlicher verschlungen habe und immer wieder mit ebenso großer Begeisterung wie Bewunderung lese, weil sie mit so wenigen Worten so unendlich viel ausdrücken. Auch Raymond Carver und Richard Yates spielen für mich in einer ähnlichen Liga. Sehr gerne lese ich auch John Updike und John Irving - fast alles von den beiden, weil die sehr weise, intelligent und witzig über das „wahre“ Leben schreiben. Oder Ken Follett, dessen „Säulen der Erde“ mir schlagartig deutlich gemacht hat, wie man einen epischen Roman konzipiert. Stephen King, dessen Fantasie schier grenzenlos ist, und Hennig Mankell, dessen Kommissar Wallander das ganze Dilemma unserer Zeit in einem einzigen Satz zusammenfasst: „Unsere Probleme haben begonnen, als wir aufgehört haben, unsere Strümpfe zu stopfen.“ Auch wenn sich das wie ein Joke anhören mag - es lohnt sich, darüber einmal gründlich nachzudenken! Und natürlich habe ich die letzten beiden Bücher von Dan Brown mit genauso großer Begeisterung verschlungen wie die von Simon Beckett - aber wie bereits erwähnt: Es gibt so viele tolle Bücher und ich finde es sehr schade, dass ein Leben nicht ausreicht, auch nur einen Bruchteil davon zu lesen.

Erik Schreiber: Wie sieht der Arbeitsalltag als Autor aus?

Peter Freund: Der Alltag eines Autors ist weit weniger spektakulär, als sich das viele vorstellen: Wenn ich mit der Arbeit an einem Manuskript beschäftigt bin, setzte ich mich morgens an meinen Computer und schreibe, bis ich mein Tagespensum - das durchaus variiert - erledigt habe. Und am nächsten Tag mache ich das Gleiche. Wenn die erste Buchfassung dann fertig ist, wird sie überarbeitet - so lange, bis ich damit zufrieden bin. Und wenn ich nicht schreibe, denke ich über andere Projekte nach, recherchiere oder halte Lesungen, was ich auch sehr gerne mache.

Erik Schreiber: Was bedeutet dir die Arbeit als Autor, macht sie mehr Spaß als Filmproduzent?

Peter Freund: Ich habe in meinem Leben schon viele unterschiedliche Tätigkeiten gemacht - und alle haben mir großen Spaß bereitet. Meines Erachtens ist das nämlich eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man seine Arbeit auch gut macht - was allerdings nicht bedeutet, dass man sich nicht immer wieder auch anstrengen und gelegentlich sogar quälen muss. Aber um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Ich finde das Produzieren genauso aufregend wie das Schreiben - aber nach über dreizehn Jahren war es eben höchste Zeit für etwas Neues ...

Erik Schreiber: Du hast als Fernsehproduzent gearbeitet. Ist eine Fernsehserie um Laura geplant?

Peter Freund: Es gibt seit langemVerfilmungspläne. Da Fantasy-Stoffe wie Laura allerdings ein großes Budget erfordern, kann im Moment niemand sagen, ob und wann diese Pläne realisiert werden können. Erik Schreiber: Welche Besetzung der Filmrollen würde dir vorschweben und warum? Peter Freund: Laura Leander ist dreizehn Jahre alt und viele der anderen Protagonisten sind ebenfalls Jugendliche. Das bedeutet, dass die Mädchen und Jungs eigens für den Film gecastet werden müssten, da es in dieser Altersgruppe natürlich keine ausgebildeten Schauspieler gibt, auf die man zurückgreifen könnte. Aus diesem Grunde kann ich im Moment über eine mögliche Besetzung nicht das Geringste sagen.

Erik Schreiber: Welche Einschränkungen müssten gemacht werden, damit der Film Wirklichkeit wird?

Peter Freund: Auch diese Frage kann ich im Moment nicht beantworten. Eventuelle Beschränkungen hängen nämlich einzig und alleine vom zur Verfügung stehenden Budget ab. Erik Schreiber: Welche Bedeutung haben Träume für dich? In allen drei Büchern, die ich als Besprechung angefügt habe, spielen sie für die Handlungsträger einen wichtigen Rahmen. Peter Freund: Ich glaube, dass Träume eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen - weil sie das, was wir erlebt haben oder was uns stark beschäftigt, nämlich auf andere Weise widerspiegeln. Wem es gelingt, das Geträumte richtig zu interpretieren, kann daraus wertvolle Hinweise für sein Leben ableiten - genau wie die Protagonisten vieler meiner Bücher.

Erik Schreiber: Du wurdest am gleichen Tag geboren wie Andre Norton und Hans Christian Kirsch alias Frederik Hetmann. Glaubst du das Wassermanngeborene besonders phantasievoll sind?

Peter Freund: Um es kurz zu machen: nein!

Erik Schreiber: Wie denkst du über die Veröffentlichung im Ausland und bist du dir sicher, dass die Übersetzung sinngemäß ist?

Peter Freund: Es freut mich natürlich ungemein, dass die Laura-Bücher nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern bislang auch schon in mehr als zwanzig weiteren Ländern in allen Teilen der Erde ein begeistertes Lesepublikum gefunden haben. Deshalb vermute ich auch, dass die Übersetzungen durchaus dem Original entsprechen, kann das allerdings nicht nachprüfen. Ich spreche weder Spanisch, Italienisch, Griechisch, Lettisch, Russisch usw. - und schon gar nicht Chinesisch oder Thailändisch. Deshalb freue ich mich auch schon ungemein auf die französische Laura-Ausgabe, die Ende dieses Monats (April 2009) in Frankreich herauskommen wird - und hoffe natürlich, dass mein Französisch noch so gut ist, dass ich die Übersetzung dann auch richtig beurteilen kann.

Erik Schreiber: Hattest du Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchcovers oder den Klappentext?

Peter Freund: All das wurde bislang immer in enger Abstimmung mit mir gestaltet: Die Titel meiner Bücher stammen - mit Ausnahme des ersten Laura-Bandes - allesamt von mir, die Cover der Laura-Bände Drei bis Sechs wurden nach meinen Vorschlägen erstellt - ganz einfach deshalb, weil die Grafiker mit ihrer Arbeit beginnen mussten, bevor ein vollständiges Manuskript vorlag. Und selbstverständlich stimmen meine Lektoren auch die Klappentexte mit mir ab.

Erik Schreiber: Welche Bedeutung hat Literatur für dich persönlich?

Peter Freund: Ich habe schon als kleiner Junge genauso begeistert gelesen, wie ich Fußball gespielt habe oder im Wald herumgestreunt bin - und daran hat sich seitdem kaum etwas geändert, nur dass ich nicht mehr so viel und so gut Fußball spiele und leider auch kaum mehr Zeit habe, im Wald herumzustreunen. Eine Welt ohne Bücher ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar. Genauso wenig kann ich verstehen, dass es Menschen gibt, die nicht lesen - was bedauerlicherweise für die Mehrzahl der Männer zutrifft. Diese kann ich nur bedauern - weil sie offensichtlich noch nicht einmal ahnen, welche aufregenden Erlebnisse und Erfahrungen sie sich dadurch entgehen lassen!

Erik Schreiber: Kann Literatur die Welt verändern?

Peter Freund: Ob Literatur die Welt verändern kann, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht - aber Bücher können das allemal! Ohne die Bibel, den Koran oder ‚Das Kapital’ - um rein willkürlich einige zu nennen - sähe unsere Welt nämlich zweifelsohne ganz anders aus! Und wenn weltweit die Manager die Bergpredigt z. B. auch nur ansatzweise so aufmerksam wie die Börsenkurse und ihre Gehaltszettel studiert hätten, wäre uns die gegenwärtige Finanzkrise mit Sicherheit erspart geblieben.

Erik Schreiber: Vielen Dank für das Interview und die geduldigen Antworten. Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit Deinen weiteren Projekten.

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