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IKARUS 2002 - Best of Science Fiction

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Titel/Originaltitel: IKARUS 2002 - Best of Science Fiction
Herausgeber: Wolfgang Jeschke
Verlag/Buchdaten: Heyne, 2002, ISBN-13: 978-3453196698

Eine Besprechung / Rezension von Cornelius Ibs-von-Seht

Nach Wolfgang Jeschkes Einschätzung müßte die Zahl der SF-Storyschreiber so langsam die der Leser übertreffen. Das kann ja nur heißen, daß viele Schreiber keine Kurzgeschichten lesen, die entsprechenden Publikationen nicht kaufen. Damit berauben sie sich selbst vieler Veröffentlichungsmöglichkeiten, denn die mageren Verkaufszahlen killen eine Anthologie nach der anderen.
Als eines seiner Abschiedsgeschenke hat uns Jeschke den IKARUS 2002 hinterlassen, wo er reinpackte, was ihm gut und wohlgefällig war. Zudem billig, weil aus altem Heyne-Fundus ausgegraben. Das spart unheimlich Honorare bzw. Lizenz- und Übersetzungskosten. Also nichts Neues in dem in symphatischen Blautönen gestylten 800-Seiten Kompendium.

Nach einer gewissen Überreizung mit dem modernen Kram von cybernetischen Verwicklungen und Alle-Mann-ins-Net-Variationen, den obligatorischen gen-moralinen Kapriolen keimte in mir eine zarte Hoffnung auf... ja, auf Weltraum! Auf Planeten! Außerirdisches Getümmel! Ich las und mein Herz ging auf: Es geht auf den Mars, es geht auf die abseitigst gelegenen Kolonialplaneten, in die tiefsten außerirdischen Dschungel und in den Clinch mit ab- und andersartigem Alien-Gelichter. Ok, es wird auch mal geklont, aber immerhin im Bordell, und das steht noch nicht mal auf der Erde.
Die Geschichten von den Eingeborenen auf diesem unseren Planeten wissen aber auch zu gefallen. Hingerissen wird man von wölfischer Musik, runtergerissen zum Tauchgang ins versunkene Venedig und rumgereicht durch die wiederauferstandenen Metropolen irdischer Geschichte. Die "Meerfahrt nach Byzanz" von Robert Silverberg aus 1985 ist mit 90 Seiten eine etwas längere Kurzgeschichte und mein Favorit in der Sammlung. Die Menschheit des 50. Jahrhunderts ist auf ein paar Millionen Individuen geschrumpft, die den Tod besiegt haben. Mittels märchenhafter Technik erschaffen sie die berühmtesten Städte der Menschheitsgeschichte neu. Es gibt aber immer nur fünf davon aus den verschiedensten Epochen gleichzeitig, bevölkert von dienstbaren Eingeborenen, die ebenso reproduziert werden. Im endlosen Reigen bereisen die Unsterblichen zur Zerstreuung Orte wie Timbuktu zur Hochzeit der Karawanen, Alexandria zur Zeit Cleopatras oder selbst legendäre Stätten von Atlantis. Nach einer Weile, Monate oder Jahre, werden die Orte wieder geschlossen und dem Erdboden gleichgemacht, derweil anderswo irgendwelche neue Metropolen eröffnet werden. Das abwechslungsreiche aber ebenso belanglose Treiben der ewigen Touristen, den sogenannten "Bürgern" wird aus der Sicht eines "Gastes" geschildert, eines Menschen unserer Zeit, der als besonders originalgetreue Attraktion mit seinen Verhaltensmustern und einem Teil seiner Erfahrungen in die ferne Epoche versetzt wurde... Silverberg gelingt die Beschreibung der dekadenten Gesellschaft von Müßiggängern und ihrer märchenhafter Reiseziele in betörenden Bildern. Er entwickelt eine phantastische Geschichte eines Gestrandeten, eine Vision vom Ende der Zeit in Unsterblichkeit und ewiger Wiederholung.

Neben den novellenhaften Geschichten finden sich einige kürzere Werke, die ich besonders erwähnen möchte. "Ihr Rauch steigt ewig auf" ist von James Tiptree Jr. und eine Fabel vom ewigen Werden und Vergehen in traumhaften Sequenzen. "Der schrecklichste Monat" von James Patrick Kelly behandelt die Überwindung eines traumatischen Verlustes in eindringlichen Bildern. Überhaupt findet sich in diesem Sampler kaum schwaches Material, jede Story ist lesenwert. Also das schicke Teil nicht nur kaufen sondern auch von vorn bis hinten lesen!

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